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Wehret den Anfängen - stoppt endlich Hetze gegen Muslime

26/11/2015 18:27 CET | Aktualisiert 26/11/2016 11:12 CET

Neulich, nach den grausamen Attentaten in Paris, hat ein Kandidat im Präsidentschaftswahlkampf der USA ein "Einreiseverbot für Moslems" gefordert.

Unfassbar - aber leider wahr. Ebenso wie die Tatsache, dass ja auch in Deutschland schon vor "Paris" unzählige Attacken gegen "Ausländer", Flüchtlinge und Brandanschläge auf Asylbewerberheime und das Attentat auf die Kölner Bürgermeisterin, die sich für Flüchtlinge eingesetzt hatte, damit begründet wurden

"unsere Kultur zu retten"

Einmal davon abgesehen, dass von einem extremen Teil dieser Kultur früher auch zwei barbarische Weltkriege und Diktaturen ausgingen, ist das natürlich auch sehr schändlich für das Deutschland von heute.

Unter anderem der EU- Parlamentspräsident, Martin Schulz, sprach neulich- zu lesen in der Welt vom 2. 11. 2015 - von einer

"neuen Form des Rechtsterrorismus"

- und warnte dort auch vor (ultrarechten)

modernen Hasspredigern

in Deutschland- darunter auch viele sich auf "christliche Werte" berufende Menschen!

Und Herr Schulz forderte auch völlig zurecht einen

"Aufstand der Anständigen".

Ja, das wäre nötig! Aber natürlich nicht gegen Muslime, sondern gegen Rechtsextreme, die "im Namen der Deutschen" bzw. zur Verteidigung "christlicher Werte" solche extremen Schandtaten begehen, die mit Werten der Deutschen und Christen sicher genauso wenig zu tun haben, wie Muslime mit "Islamisten".

Das Problem "Generalverdacht"

Und in solchen Zeiten werden Muslime, die zu den größten Opfern der "Islamisten" und Rechtsradikalen zählen, quasi unter "Generalverdacht" gestellt und sollen sich ständig von Islamisten distanzieren?

Es ist zwar schön, wenn dies führende Vordenker des Islams und unzählige Muslime schon seit Jahrzehnten immer wieder tun, aber:

Wann distanzieren sich denn endlich viel mehr alle Christen, Deutschen mehr von all diesen rechtsradikalen Schandtaten, die "zur Rettung Deutschlands" oder "unserer Werte" verbrochen werden, inklusive übler Hetze gegen Andersdenkende?

Immer wieder weisen auch Experten darauf hin, dass ja gerade auch eine "Verteufelung" aller Muslime das Ziel der Islamisten ist. Wollen wir die Islamisten wirklich gewinnen lassen?

Obwohl wir spätestens nach dem Holocaust ja gerade in Deutschland wissen sollten, dass es extrem fatal werden kann Angehörige einer ganzen Religion zu Sündenböcken zu machen. Und gerade das auch den Interessen von Extremisten dient!

Und was kommt als nächstes?

Und was kommt denn in Zukunft noch? Werden bald, auch in Deutschland, öffentlich Bücher aller islamischen - wie früher jüdischen- Autoren verbrannt, werden in den USA künftig Muslime anstatt "Farbiger" im Namen des Christentums verfolgt von Ku-Klux-Klan und dergleichen?

Völlig zu Recht sagte etwa auch bei M. Illner (nachzulesen im Spiegel vom 20. 11. 15) die Religionspädagogin L.Kaddor:

Terroristen sind "Deutsche oder Franzosen, die wir exportieren und wieder reimportieren".

Der bekannte Terrorismus- Experte E. Theveßen pflichtete ihr dort auch bei:

"Wir produzieren die Kämpfer nach wie vor selber"

Und gerade "Ausgegrenzte" werden ja bekanntlich zu Terroristen, sind evtl. anfällig für Rekrutierende dafür, für rechte Rattenfänger oder Islamisten.

Deshalb ist natürlich fatal, dass "Ausländer", Flüchtlinge aber auch Millionen von Deutschen schon seit Jahrzehnten, bei auch extremer ChancenUNgleichheit in Deutschland, ausgegrenzt werden - durch suboptimale Chancen in Beruf, Bildung (und damit Zukunft), auch in Wohnungen bzw. Unterkünften, "Ghettos" nur am Stadtrand (aus denen ja auch die meisten Attentäter von u. a. Paris kamen) usw. Und eben auch noch sprachlich, ideologisch diffamiert - schon alleine mit Begriffen wie "Ausländer" oder gar "Asylanten" und dergleichen.

Wobei dies ja auch (noch mehr) Millionen Deutsche betrifft, beispielsweise nach wie vor Kinder aus Arbeiterfamilien- dass Zukunftschancen in kaum einem Land so von (auch sozialer) Herkunft abhängen wie in Deutschland ist ja schon lange bekannt - ohne dass endlich etwas dagegen getan wird.

Auch hier reden Politiker, Kirchen, Gewerkschaften usw. immer nur davon, dass sich da mehr ändern müsste - das tut es vom Reden alleine aber nicht.

Und auch Diskriminierungen, Diffamierungen, Stigmatisierungen, Benachteiligungen, Ausgrenzungen, gegen die auch endlich mehr getan werden muss, treffen ja auch nicht zuletzt Millionen von Deutschen.

Aufgrund ihrer sozialen Herkunft - oder auch sonst: Dass einmal bekannt wurde, dass Bewerber für Stellen mit dem internen Vermerk "Ossi" abgelehnt wurden (oder aufgrund ausländisch klingenden Namens) ist diesbezüglich ja auch nur eine Spitze des Eisberges.

Dass Menschen in Ost- Deutschland (oder auch Frauen in D.) immer noch weniger verdienen, trotz gleicher Arbeit und Leistungen, ist ja auch fatal. Zurecht nervt zudem viele Menschen in Ost - Deutschland oder ostdeutscher Herkunft, dass sie alle "in einen Topf geworfen werden" - beispielsweise mit "denen von Pegida".

Denn nur ein sehr kleiner Teil der Ostdeutschen ist ja Anhänger von Pegida und dergleichen. Und nur ein sehr, sehr kleiner Teil von ihnen verübt Brandanschläge, verprügelt Flüchtlinge usw.

Eigentlich ist auch bekannt, dass viele Ultrarechte aus dem "Westen" nach Ost - Deutschland fahren, sich dort sammeln - und ausnutzen, dass man in der ehemaligen DDR noch nicht so Erfahrungen mit "Ausländern" hat.

Aber ist das die Schuld der ehemaligen DDR- Bürger? Oder litten nicht viel mehr Menschen dort darunter, dass sie auch Opfer einer Diktatur waren - inklusive Mauer um ihr Land, die auch kaum für "Ausländer" durchgängig war (und die auch nicht von Muslimen gebaut wurde)? Und natürlich gibt es auch sehr viele rechtsradikal gesinnte Menschen im "Westen" - und auch dort unzählige Anschläge usw. gegen "Ausländer" und Flüchtlinge.

Ebenso gibt es auch unter den meisten Menschen in Ost- Deutschland sehr große Hilfsbereitschaft u. a. Flüchtlingen gegenüber.

Warum müssen sich dann aber "Ossis" so oft in eine üble Ecke stellen lassen, sich rechtfertigen oder Vorbehalten begegnen? Glaubt jemand, dass irgendjemand gerne Opfer einer Diktatur war? Egal ob in der ehemaligen DDR - oder z. B. in Syrien, in muslim. Ländern usw.?

Dass nun die Menschen, die zu den größten Opfern der "Islamisten" oder auch von Honecker und Konsorten zählen - Muslime bzw. ehemalige DDR- Bürger- sich ständig rechtfertigen müssen oder Vorbehalten begegnen, was ihre Herkunft/ Religion betrifft ist ja aber genauso unsinnig, genauso diskriminierend! Auch Millionen "Ossis" und Muslime sind hilfsbereit, friedliebend - und natürlich keine Terroristen, Islamisten.

Oder müssen fliehen vor islamistischen Terrorbanden, die ihnen (als friedliebende Muslime) vorwerfen, dass sie den Islam verraten ... oder " zu demokratisch" sind.

Hat das wirklich mit Herkunft zu tun?

Wenn hingegen auch relativ wenige - wenn natürlich auch noch viel zu viele - Rechtsradikale, der Rechtsterrorismus zur Verteidigung der deutschen Kultur (in deren Sinne) Brandbomben werfen, Unschuldige verprügelten usw., hat das dann plötzlich aber nichts mit ihrer (deutschen/ christlichen) Herkunft zu tun oder ihrer auch oft christlichen Religion?

Und Menschen aus einem Land, aus dem 2 barbarische Weltkriege gestartet sind, wo es 2 Diktaturen gab suchen erst einmal bei anderen nach einer "gewalttätigen Historie" , nach Gewalt gegen Angehörige anderer Religionen?

Wurde denn der Holocaust in einem islamischen Land begonnen (oder z. B. auch die barbarischen Bombardierungen von Hiroshima und Nagasaki)? Oder in der DDR? Aber da vergisst man plötzlich das christlich - biblische "und wer werfe den ersten Stein"?

Lasst uns doch erst einmal vor der eigenen Haustüre kehren! Christliche u. a. Kirchen, Parteien, Gewerkschaften, Friedensbewegungen in Ost- und Westdeutschland sollten endlich mehr gemeinsam dagegen tun und dass mehr gegen Rechtsextremismus und Diskriminierung/Vorurteile, Benachteiligungen (egal gegen wen), getan wird in unserem Land- und gegen eine extreme ChancenUNgleichheit in Deutschland, auch aufgrund (auch sozialer) Herkunft.

Zudem bitte auch mehr für sozialen Wohnungsbau, eine gerechtere und soziale Steuerpolitik usw. Denn wenn in so einem reichen Land wie Deutschland einige wenige Menschen immer reicher werden und die Mehrzahl immer ärmer sollten ja nicht auch noch die Opfer, Benachteiligten solcher Politik - z. B. auch Kinder aus Arbeiterfamilien (auch in West- Deutschland) sich und andere gegeneinander ausspielen lassen, sondern sich gemeinsam (!), auch mit sich solidarisch zeigenden Menschen, dagegen wehren.

Und auch, last but not least, etwas gegen- zuletzt ja sogar noch deutlich gestiegene - Waffenlieferungen aus Deutschland, zumal in sehr heikle Gebiete, tun- dagegen gemeinsam protestieren und engagieren. Innerhalb der CDU, CSU, SPD, allen Kirchen und darüber hinaus.

Wie zudem auch gegen eine Politik, die etwa G. Restle (ARD, Monitor) als "eine Schande für dieses Land" bezeichnet hat in seinem Tagesthemen- Kommentar am 25. 8. 2015, in dem er weiter ausführte:

Klar, die rechtsextremen Gewalttäter und ihre brav-biederen Unterstützer sind eine Schande für dieses Land. Die eigentliche Schande aber ist die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik, die die Ursachen für die Flucht von Millionen Menschen nicht bekämpft, sondern sie immer wieder aufs Neue schafft.

Dies hat er dort auch weiter belegt:

Zum Beispiel im Kosovo, wo auch diese Bundesregierung ihr Versprechen gebrochen hat, dem Land nach dem Krieg wieder auf die Beine zu helfen und stattdessen ein hochkorruptes Regime unterstützt, das die Menschen in die Flucht treibt.

Zum Beispiel in Syrien, wo diese Bundesregierung die Politik eines türkischen Präsidenten unterstützt, der islamistische Mörderbanden mit Waffen versorgt. Mörderbanden, vor denen Hunderttausende nach Europa fliehen.

Oder Afrika, wo der deutsche Außenminister einen Pakt mit den schlimmsten Despoten des Kontinents schließen will.

Einen Pakt, der verhindern soll, dass politisch Verfolgte ihr Land verlassen können und sie stattdessen ihren Verfolgern ausliefert.

Diese Politik ist eine Schande für dieses Land. Daran müsste etwas geändert werden. Mit kernigen Parolen allein ist jedenfalls niemandem geholfen.

In der Tat! Auch nicht von nur Parolen von einem Herrn Schulz, der als SPD- Mitglied ja dann auch einmal mehr die Politik der Bundesregierung, inklusive der SPD dort, kritisieren müsste.

Und erst seitdem viele islamische Länder wegen Öl und anderem für den Westen interessanter wurden interessieren sich Regierungen in den USA und Europa für die bösen islamistischen Führer, die man je nach Bedarf aber sogar unterstützte oder (teilweise) bekämpft; meistens mehr aus eigenen Interessen als um Menschen helfen zu wollen, aus Nächstenliebe - sondern aus ökonom.- polit. Interessen!

Natürlich sind ja auch nicht alle Christen böse, z. B. auch Kinderschänder, wenn dies leider einige (natürlich aber auch zu viele) christliche "Geistliche" waren. Aber erst nachdem Tausende Christen aus Protest aus der Kirche ausgetreten sind (oder damit gedroht haben) wurde das ja tiefer gehend aufgearbeitet.

Erst nachdem auf der ganzen Welt Millionen Menschen z. B. gegen den Vietnam - Krieg inklusive barbarischen Kriegsführungen auch von der USA (und nicht von Muslimen) demonstriert haben, auch nur angeblich "im Namen der freien Welt" , auch von Christen, konnte dieser beendet werden. So etwas wäre auch gegen o. g. Politik inkl. Waffenexporten nötig.

Und da liegt auch noch Vieles im Dunklen, wie z. B. in einem Zeit- Artikel vom 17. 11. 15 zu lesen:

Deutschland macht gute Waffengeschäfte mit arabischen Staaten - trotz aller Beteuerungen des Bundeswirtschaftsministers.

Da reichen auch (nur) relativ wenig Menschen auf "Ostermärschen" leider nicht. Da sollten auch viel mehr Christen, Muslime usw. an der "Basis" ihre Macht nutzen, in ihren Kirchen bzw. auch in der CDU, SPD etc.

Und ja, in der Tat: Es gibt schlechte, auch Terror fördernde oder zumindest duldende Politik im Namen des Islams oder auch sich "christlich" nennender Menschen oder Parteien - und solche, die dem Frieden auf der Welt dient, sicher im Interesse nahezu aller Christen, Muslime, Juden, Atheisten usw. auf der Welt. Nicht zuletzt auch in Deutschland und den USA!

By the way ist z. B. im Wikipedia- Artikel zu "Kriegstreiberei" als ein Beispiel zu lesen "Die Politik der USA, die zum Irakkrieg führte, wird als Kriegstreiberei bezeichnet". Und diese Politik hat auch viel mit der Entstehung des "IS" zu tun. "Terrorfürsten" wie Bin Laden wurden bekanntlich auch von dieser Politik erst mit hoch gezüchtet. Sollte man nun, auch nach den US- Verbrechen u. a. in Vietnam und Hiroshima fordern, dass alle Bürger der USA Einreiseverbote in andere Länder bekommen? Oder alle Deutschen nach o. g. Verbrechen in deren Namen? Wie wäre es, bitte, mit weitaus mehr Differenzierungen, etwa zwischen Taten der Regierung und denen von Bürgern, nicht nur in den USA - wo ja auch die Amerikaner gesehen werden, die gegen Hitler kämpften und gegen den Vietnam - Krieg usw. Und in Deutschland können "Wessis" ja von den Ostdeutschen und deren friedlichen Revolution viel lernen - ebenso wie von Millionen Kämpfern für Menschenrechte in islamischen Staaten (auch im Namen des Islams). Das ist auch eine Tradition, die genutzt und fortgeführt werden sollte!

Das bedarf aber weitaus mehr gemeinsamen Einsatz der zuletzt genannten Menschen für eine andere Politik in Deutschland, der Türkei, in Syrien usw. Natürlich sind auch nicht alle Muslime, Christen aus sich "Christdemokraten" nennenden Parteien oder Regierende ostdeutscher Herkunft (s. oben) Menschen, deren Taten man gut heißen sollte.

Aber: Lasst uns alle bitte auch an unseren Taten, nicht unserer Herkunft beurteilen - zumal das ja eine der größten Errungenschaften zivilisierter Menschen ist - oder sein sollte

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