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Merkel mahnt Trump zur Wahrung demokratischer Werte: Der Gipfel der Heuchelei!

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Für viele Menschen ein Schock: Donald Trump hat tatsächlich die Wahl zum Präsidenten der USA gewonnen!
Noch am gleichen Tag erklärt die Bundeskanzlerin öffentlich, dass man mit ihm gut zusammen arbeiten möchte - aber (nur) auf der Grundlage demokratischer Werte. Klingt gut, oder? Da wird der "Cowboy", "Clown" Trump darauf hingewiesen, dass er gefälligst demokratischer regieren soll, als er es zuvor im Wahlkampf kundtat, tönte.

Da hat Frau Merkel doch sicher Recht - diese große Hüterin demokratischer und humanistischer Werte, edler Flüchtlingspolitik ... Und alle Leute, die ihr eher Heuchelei vorwerfen und ihr "Moralapostel" spielen scharf kritisieren sind doch Sympathisanten osteuropäischer Regierenden, die auch nicht gute Leute sind?
Mitnichten! Wäre Mister Trump wirklich so aggressiv, wie er sich manchmal gibt - und noch öfters auch dargestellt wird - wäre dies ja eine gefährliche "Zurechtweisung" der Bundeskanzlerin, das wäre ein, wenn auch durch die Blume gesagter, Affront. Aber gut, warum nicht - wenn da wirklich die "Gute(n)" über den Bösen richten? Nun ja ... Aber wie sieht denn die Realität aus?

Ist die Politik von Merkel wirklich besser als die von Trump ?

Etwa bezüglich dem, was Herrn Trump angekreidet wird, in seiner beabsichtigten Flüchtlingspolitik: Diesbezüglich hat der Leiter der ARD- Sendung Monitor, Georg Restle, in einem Kommentar in den "Tagesthemen" bereits am 25. August letzten Jahres passende Worte gefunden:
"Fremdenfeindliche Exzesse und Flüchtlingspolitik

Na endlich; scheint fast so, als hätten Regierung und Kanzlerin begriffen, dass man den fremdenfeindlichen Exzessen in Deutschland nicht weiter schweigend zuschauen kann. „Abstoßend", „beschämend", eine „Schande für Deutschland". Klingt entschlossen..Aber wir sollten uns nicht täuschen: Klar, die rechtsextremen Gewalttäter und ihre brav-biederen Unterstützer sind eine Schande für dieses Land.
Die eigentliche Schande aber ist die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik die die Ursachen für die Flucht von Millionen Menschen nicht bekämpft, sondern sie immer wieder aufs Neue schafft.
Zum Beispiel im Kosovo, wo auch diese Bundesregierung ihr Versprechen gebrochen hat, dem Land nach dem Krieg wieder auf die Beine zu helfen und stattdessen ein hochkorruptes Regime unterstützt, das die Menschen in die Flucht treibt.
Zum Beispiel in Syrien, wo diese Bundesregierung die Politik eines türkischen Präsidenten unterstützt, der islamistische Mörderbanden mit Waffen versorgt. Mörderbanden, vor denen hunderttausende nach Europa fliehen.
Oder Afrika, wo der deutsche Außenminister einen Pakt mit den schlimmsten Despoten des Kontinents schließen will. Einen Pakt, der verhindern soll, dass politisch Verfolgte ihr Land verlassen können und sie stattdessen ihren Verfolgern ausliefert.
Diese Politik ist eine Schande für dieses Land. Daran müsste etwas geändert werden. Mit kernigen Parolen allein ist jedenfalls niemandem geholfen".

Und auch nicht mit Parolen der Kanzlerin jetzt (zu den Parolen von Herrn Trump), die wirklich sehr hinterfragt werden sollten getreu

`wer werfe den ersten Stein`

Und die deutsche Regierung wirft, um im Bild zu bleiben, schon lange mit mehr als Steinen (bzw. beliefert üble Regimes mit mörderischen Waffen). Und die aktuelle deutsche Flüchtlingspolitik ist ja nicht besser geworden, nur werden jetzt eben auch zudem wieder Grenzen an den EU- Außengrenzen ausgebaut (bzw. unterstützt), die verhindern, dass das "Problem" (Flüchtlinge) noch weiter nach Deutschland kommen - aber dann davor leiden, hungern, sterben. Das ist sicher nicht besser als Trumps (wenig realistischer) Plan künftig an den US- Außengrenzen Mauern zu errichten.

Politik in den USA (und Deutschland) nur noch im Interesse der Milliardäre, Banken und Konzerne

Wobei man natürlich Vieles an Trump kritisch sehen kann - aber bitte auch (mehr) an Frau Merkel, oder auch Miss Clinton. Völlig zurecht wies eine Dokumentation von ZDFzoom (am 2. 11. 2016, " USA - Die gekaufte Demokratie?") darauf hin, dass beide Kandidaten wirklich nicht optimal waren. Beide Vertreter eines Systems sind, das es ähnlich sicher auch anderswo (etwa in Deutschland) gibt, und das auch internationalen Protest und Widerstand gegen die dort genannte Politik erfordert, so wie es nun in den USA verstärkt geschah - auch gegen nationalistische Tendenzen dort und auch beispielsweise Deutschland (und das nicht nur von der AfD, sondern bis weit hinein ins "bürgerliche Lager").

Die Wut auf „Die da oben" wächst in allen Lagern, wird ausgenutzt

Unter anderem war dort zu sehen (hier zitiert als Auszug aus dem Programmtext der Sendung):
"Politik in den USA ist zum Kampf der Milliardäre um politischen Einfluss geworden, bestimmt von Großspendern in beiden politischen Lagern.
Es ist der teuerste Wahlkampf aller Zeiten. Mehr als eine Milliarde Dollar wird jeder Präsidentschaftskandidat bis zum Wahltag ausgegeben haben.
Zwei Milliarden Dollar für die unbeliebtesten Kandidaten, die es in den USA jemals gegeben hat. Noch nie war die Ablehnung größer. Die Bürger Amerikas fühlen sich von ihren politischen Eliten nicht mehr repräsentiert.
Die Wut auf „Die da oben" wächst in allen politischen Lagern. Johannes Hano und sein Team aus dem ZDF-Studio New York machen sich für ZDFzoom auf die Suche nach den Ursachen für diese Wut und entdecken dabei ein System politischer Korruption, in dem Milliardäre den politischen Prozess nach ihren Vorstellungen steuern. Ein System, von dem Insider sagen, es würde die Mafia neidisch machen.
Politik in den USA ist zum Kampf der Milliardäre um politischen Einfluss geworden, bestimmt von Großspendern in beiden politischen Lagern. Wall Street und Industrie-Giganten, die die Welt nach ihren Vorstellungen gestalten wollen, nutzen dabei ein politisches System aus, das dafür extrem anfällig ist. Vom Sheriff über Abgeordnete bis zum Präsidenten sind die Kandidaten alle bei ihren Wahlkämpfen auf private Spenden angewiesen. Mit abstrusen und gefährlichen Folgen für den demokratischen Prozess".

Und eine Politik im Interesse der Banken und Konzerne, auf Kosten der Bevölkerung und über deren Kopf hinweg - wird das nicht auch der Politik in Deutschland oft vorgeworfen? Auch völlige Abgehobenheit vom "gemeinen Volk", mit

Immer weniger Vertrauen in den Parlamentarismus (erfordert echte Alternativen):

Wie in der ZDFzoom - Dokumentation zu sehen ist vertrauen diesem in den USA nur noch 9 (!) % der Wähler. In Deutschland schwindet das Vertrauen bekanntlich auch zunehmend. Rechte in den USA, die AfD und dergleichen in Deutschland und Europa stoßen in dieses Vakuum. Das sollte diesen natürlich bitte nicht überlassen werden, sondern mit wirklich (!) demokratischen Bewegungen und Initiativen beantwortet werden (und sich auch nicht abhalten lassen von nur geheuchelter "Demokratie" wie von Frau Merkel oder Clinton). Wie nun zuletzt eben zunehmend in den USA und teilweise auch Europa, was auch international mehr vernetzt werden sollte- da man auch gegen ein internationales Netzwerk von Banken, Konzernen, Lobbys (etwa der Waffenindustrie) und deren Politikern kämpft. Dieser Internationalismus wäre auch ein gutes Mittel gegen überzogenen Nationalismus, auch in den USA und hier.