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Medien berichten: 90 % der Flüchtlinge stellen unverschämte Forderungen

21/01/2016 17:33 CET | Aktualisiert 21/01/2017 11:12 CET
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In der Welt hat neulich eine Mitarbeiterin in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft darüber berichtet, dass sie es dort nicht mehr aushält: Fordernde, unverschämte Flüchtlinge, ständig anzügliche Bemerkungen von männlichen Flüchtlingen ... Darüber, mit Bezug darauf, hat nun auch der Fokus berichtet (am 18.01.2016), mit der Überschrift

Alarmierender Bericht aus Hamburger Erstaufnahmestelle

Helferin berichtet von Arbeit in Erstaufnahmestelle: "Halte es dort nicht mehr aus"

Sie beschreibt dort auch einige Beispiele und ihre Identität, tatsächliche Mitarbeit in einer Hamburger Unterkunft wurde auch von der Welt überprüft.

Super, endlich wird über die Wahrheit berichtet - schreiben Dutzende Kommentatoren zu dem Artikel dort, die meistens deshalb noch dazu aufrufen AfD zu wählen.

"Wenigstens das hat Köln erreicht"

schreiben einige Leute dort dazu.

Hat "Köln" aber anscheinend nicht eher erreicht, dass Geschehnisse, Artikel in deutschen Medien inzwischen wirklich alarmierend, fahrlässig und gefährlich sind und rechten Rattenfängern dienen können?

Denn natürlich muss endlich objektiver berichtet werden- auch z. B. über Flüchtlinge, die zu den Tätern der abscheulichen Schandtaten in Köln gehörten. Dass das ein Bruchteil der Flüchtlinge war und dass das die deutsche Bevölkerung auch selbst gut einordnen kann - darauf weisen doch auch "Linke" immer wieder hin. Und natürlich soll nichts "schöngefärbt" werden, müssen Kriminelle verurteilt werden - das ist ja auch im Interesse aller anständigen Flüchtlinge. Aber natürlich sollte man auch - das sagen ja auch die Betroffenen, Frauenverbände usw. - die Opfer von Köln, Hamburg usw. ja nicht instrumentalisieren lassen für rassistische Demagogie!

Zudem verbietet doch eigentlich jeglicher journalistische Anspruch, dass man so eine Einzelmeinung, ohne Belege und jegliche weitere Quelle/ Meinung dazu veröffentlicht, einfach so in die Welt setzt und verbreitet!

Zumal doch absehbar ist, welche Folgen das hat.

Klar, gerade auch nach "Köln" verkauft sich so eine Story, Schlagzeile gut. Aber das kann doch nicht der Maßstab sein!

Natürlich soll nichts schön geredet werden, natürlich hätten früher auch mehr kritische Stimmen zu Wort kommen sollen. Selbstverständlich ist es ein Skandal, dass Mitarbeiter in Flüchtlingsunterkünften (gerade auch in Hamburg) oder beim Berliner "LaGeSo", beim BAMF usw. Maulkörbe bekommen und nicht offen ihre Meinung sagen können!

Eine Petition dagegen wurde beispielsweise von der Hamburger Bürgerschaft neulich einfach abgebügelt, skandalös.

Das hat zur Folge, dass selbst leitende Mitarbeiter in Hamburger Flüchtlingsunterkünften sich im Herbst nur in einem anonymen Brandbrief an die Öffentlichkeit wenden konnten. Dort wurden

Jahre lange Versäumnisse der Politik kritisiert,

die zu Zuspitzungen in Unterkünften führen.

Weiter heißt es dort - etwa in der Hamburger Morgenpost vom 2. 10. 2015 zu lesen:

Dass es zu der präkeren Flüchtlings-Situation kommen konnte, liegt, so die Flüchtlingshelfer, an weitreichenden Fehlern aus der Vergangenheit. „In Hamburg fehlt ein Gesamtkonzept für die öffentliche Unterbringung von der Aufnahme bis zur Integration in Mietwohnraum" beklagen die Unterzeichner des Briefes. Auch der „radikale Abbau unserer Kapazitäten", so die Mitarbeiter, hätte zur fatalen aktuellen Lage geführt

Ebenfalls ist dies dort zu lesen:

Das sehen auch Mitarbeiter von „Fördern und Wohnen", dem städtischen Träger zahlreicher Unterkünfte so. In einem offenen Brief prangern Leitungskräfte des Unternehmens die Zustände in den Notunterkünften als "Verstoß gegen geltende Auflagen und gesetzliche Vorschriften" an.

Die Mitarbeiter fürchten, dass die aktuelle Lage nicht nur für die Flüchtlinge ein untragbarer Zustand sei. Auch die von den Hamburger Bürgern gelebte Willkommenskultur stehe auf der Kippe, wenn sich die Situation nicht bald ändere.

Um die Situation der Flüchtlinge zu verbessern, nehmen die Verfasser des offenen Briefes die Stadt in die Pflicht. Sie fordern Perspektiven für Flüchtlinge, freiwillige Helfer und Bürger. Dazu gehöre der „sofortige Bau von 10.000 zusätzlichen öffentlich geförderten Wohnungen", die in spätestens zwei Jahren bezugsfertig sein müssten.

Jahre lang wurden Überlastungsanzeigen mehr oder weniger ignoriert usw. Das ist ein Skandal, das führt sicher auch dazu, dass viele Mitarbeiter dort kaum noch können. Dass aber zu hohe Ansprüche der Flüchtlinge das Problem sind oder dass die Mehrzahl so ist wie die o. g. Mitarbeiterin es beschreibt habe ich von Dutzenden MitarbeiterInnen, die ich u. a. in Hambuger Unterkünften kenne, noch nie gehört.

Dass viele Flüchtlinge in Einrichtungen aggressiv werden, wenn man ihnen nicht gleich ein schnelles Auto organisiert oder dergleichen, was die Dame in dem Artikel beschreibt, hat auch noch kein anderer Mitarbeiter erlebt.

Sicherlich gibt es manchmal auch etwas anmaßendes, schlechtes Verhalten - und das sollte auch so benannt werden. Aber garantiert nicht zu "90 %", wie die Dame es beschreibt. Nach meinen Erfahrungen und nach dem, was ich von Mitarbeitern hörte eher zu 10-20 % (höchstens). Das wäre immer noch (zu) viel. Allerdings kaum mehr als das, was Frauen etwa von deutschen Männern zu erleiden haben bzw. Sozialarbeiter in Einrichtungen mit nur deutschen "Klienten". Das hat auch Gründe, Ursachen, über die man reden sollte. Dazu müssen natürlich Fakten auf den Tisch, ohne etwas zu verharmlosen. Aber auch ohne etwas zu übertreiben und nicht sorgfältig genug überprüft zu haben, bevor man es (auch als Medien- Vertreter) in die Welt setzt. Natürlich kann man auch solche Einzelmeinungen veröffentlichen, dann aber bitte auch etwas weiter dazu zu recherchieren, inklusive - das gebietet ja schon alleine journalistische Sorgfaltspflicht- auch weitere Fakten, Meinungen dazu einholen. Das wäre natürlich auch der Fall, wenn beispielsweise jemand sagt, dass alle Flüchtlinge perfekte Menschen sind. Im o. g. Fall aber natürlich ebenso.

Und keinem der befragten Mitarbeiter in Flüchtlingseinrichtungen wurde untersagt sich kritisch über Flüchtlinge zu äußern. Über Behörden und die Politik, die für die Einrichtungen und Missstände dort verantwortlich sind darf man aber nicht offen reden - das ist unverschämt, fatal und ein Skandal!

Denn ja, über all das sollte mehr und offener berichtet und geredet werden können, auch um Ursachen und mögliche Lösungen herausfinden zu können.

Nur so kann man auch klären, ob die Ansichten der AfD und dergleichen wirklich die besten sind oder nicht, ob es nicht bessere Alternativen dazu gibt. Und vor allem zu einer Politik mit Waffenlieferungen selbst in heikelste Gebiete und auch generell zu einer Politik, die etwa Georg Restle (Leiter von Monitor, ARD) bereits am 25. 8. 2015 in einem Kommentar in den Tagesthemen zutreffend beschrieb mit

Die eigentliche Schande aber ist die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik, die die Ursachen für die Flucht von Millionen Menschen nicht bekämpft, sondern sie immer wieder aufs Neue schafft.

Dagegen sollte auch wirklich viel mehr getan werden, zumal auch dadurch "Flüchtlingsströme" verhindert werden könnten. Zumal die Mehrzahl der Flüchtlinge ja sicher lieber in ihrer Heimat bleiben würde, anstatt dort durch Waffen auch made in Germany oder einer Politik im Sinn deutscher und EU- Unternehmer und einiger Politiker vertrieben zu werden - und auch noch als Sündenbock dafür herhalten zu müssen, was schon seit Jahrzehnten in Deutschland schief läuft (inklusive ungebremsten Sexismus, zu wenig sozialem Wohnungsbau, ChancenUNgleichheit in Deutschland usw. - worüber leider auch kaum noch in Medien berichtet wird in letzter Zeit - das lässt sich vielleicht auch nicht so gut "verkaufen", allerdings wäre das wirklich nötig und angebracht!).

Last, but not least sind aus meiner Erfahrung und nach der von Dutzenden mir bekannter Mitarbeiter und ehrenamtlicher Helfer die

Flüchtlinge nahezu ausnahmslos äußerst dankbar für alle Hilfen, selbst bei der Organisierung eines alten, rostigen Fahrrades- und nicht eines schnellen Autos.

Wer das nicht glaubt kann ja bitte einmal selbst (helfend) etwas Zeit in einer Flüchtlingseinrichtung verbringen.

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