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Wie man sein Glück finden kann - ohne ihm ständig hinterher zu hetzen

04/01/2016 19:13 CET | Aktualisiert 04/01/2017 11:12 CET
Heinz Meis via Getty Images

Unter anderem der Stern hatte in seiner Ausgabe zum Jahreswechsel als Titelstory das Thema "Glück".

Viele andere Magazine, Ratgeber usw. haben das auch - denn "Glück" ist inzwischen, wie

auch im Stern zu lesen, Gegenstand einer ganzen Industrie, Maschinerie.

In unserer "immer höher, immer weiter" getriebenen Gesellschaft wird (wie auch im Stern zu lesen und von inzwischen vielen "Glücksforschern" beschrieben) auch der Drang immer glücklicher zu werden, das optimale Glück bzw. Selbstverwirklichung, Selbstfindung bzw. Finden des "perfekten Partners", Jobs etc. oft nur noch purer Wettlauf, Stress, gar nicht zufrieden machend. Es verdienen sich nur viele Menschen (und Berater, Therapeuten usw.) viel Geld damit dabei - mehr oder weniger - zu helfen.

Natürlich braucht man in schweren Sinnkrisen auch (fachmänn.) Hilfe und in einer Gesellschaft, in der was wir eigentlich wirklich wollen und Träume kaum eine Rolle spielen, man immer nur "funktionieren" soll kann wirklich sinnvoll sein sich damit zu beschäftigen - mit unseren wirklichen Wünschen, Interessen, Bedürfnissen, Stärken, Träumen. Daran komplett vorbei zu leben macht ja sicher nicht zufrieden, glücklich.

Dazu bedarf es aber auch nicht unbedingt fachmänn. Hilfe - zumindest reicht, wenn diese überhaupt nötig ist, oft kostenlos erhältliche psychologische bzw. "Lebens-" Beratung bei Kirchen, Städten oder Gemeinden (auch um erst einmal, bevor man unbestimmten Zielen hinterher rennt, sich zu überlegen was überhaupt der eigene, ganz persönliche, Traum vom Glück - auch in Beziehungen usw.- ist).

Oder sich auch nur einmal

selbst mehr Gedanken darüber zu machen, was einem wirklich wichtig ist, gut tut

Und da kann "weniger ist mehr" wirklich ein guter Ratgeber sein, denn sonst wird ein viel zu hochgesteckter Vorsatz (beispielsweise zum Jahreswechsel) oft eher viel mehr Quelle von Frustration (statt für Zufriedenheit, Glück).

Wie z. B. Herr Dr. Eckart von Hirschhausen auch immer wieder betont setzen wir uns heute schon oft Ziele, die per se stressen- beispielsweise

ein vierblättriges Kleeblatt ist ein Zeichen von Glück. Warum reicht denn nicht eines mit 3 Blättern, ist "Normalität" nicht auch schön genug?

Wie viele Menschen fehlt eine Reise nach New York, Sydney, Paris usw. "zum glücklich sein"?

Wie viele Menschen freuen sich aber dauerhaft, dass sie nicht zu den Terroropfern z. B. in Paris gehören?

Natürlich sollte man sich auch Wünsche erfüllen, etwa eine Reise nach Paris oder dergleichen.

Andererseits gilt aber doch auch, was bereits Dietrich Bonhoeffer einmal sagte:

Es gibt ein erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche

Zumal "you can t always get what you want" ja nicht erst durch die Rolling Stones eine bekannte Wahrheit ist. Ebenso wie "nobody is perfect" - nur der Partner soll es bitte immer sein?

Natürlich sollte man sich nicht unter Wert verkaufen, sondern möglichst zufrieden stellende und passende Beziehungen, auch beruflich, eingehen - als mit wichtigste Faktoren für Zufriedenheit. Und einem ausbeutenden Chef oder Partner, der einen auffordert doch damit glücklich zu sein was man doch immerhin bei ihm hat sollte man mehr als kritisch hinterfragen.

Aber gerade auch zu Feiertagen, auch zum Jahreswechsel, ist traurig (auch in Medien) zu sehen wer von uns gegangen ist, was bzw. wen wir nicht mehr haben. Andererseits sollte das ja auch ein guter Anlass für uns sein um zu genießen, was man noch alles - auch an seinen Lieben und Leben - hat, entsprechend

Die Menschen sehen nur das, was sie noch alles haben und bekommen könnten, schätzen aber nicht was sie haben, bis sie es verlieren

(Jimi Hendrix).

Das ist wirklich ein ganz entscheidender Punkt - bzw. sollte motivieren möglichst früh das zu schätzen was man (noch) hat, z. B. an Familie, Gesundheit, Stärken usw.

Oft hetzen wir durchs Leben, obwohl ja wirklich (nach Cicely Saunders )

Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben

- und man hetzt sonst auch an Dingen (und Menschen) vorbei, die uns gut tun (könnten). Sein Glück so zu verpassen ist natürlich schade - und unnötig.

Denn ein Artikel in der Welt (vom 5.02.2012) mahnt wirklich auch dazu, in dem es heißt:

Einsichten

Fünf Dinge, die Sterbende am meisten bedauern

Eine australische Palliativpflegerin, die viele Menschen am Sterbebett bis zum Tod begleitete, hat darüber ein Buch geschrieben.

Was man dort liest ist wirklich aufrüttelnd, denn zu diesen 5 Dingen gehören demnach:

"Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben"

"Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet"

"Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken"

"Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"

"Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein"

Und in der Tat kann man sich gut vorstellen, dass das heute - nicht zuletzt auch in Deutschland - oft zutreffen kann, ebenso wie Anmerkungen der Autorin des Buches (Bronnie Ware) dazu:

Das bedauern fast alle Menschen. Es gibt so viele Menschen, die durchs Leben gehen und die meiste Zeit Dinge tun, von denen sie glauben, dass andere sie von ihnen erwarten

Ein gutes Beispiel dafür - und auch, dass man sich hier oft irren kann (bzw. auch für "Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet") -wird in dem Artikel auch beschrieben:

Über 15 Jahre wartet Margaret darauf, dass ihr gut verdienender Mann endlich in Rente geht. Als er nach vielen Streitereien einwilligt, blüht Margaret förmlich auf und beginnt hastig mit den Planungen. All die Reisen, die sie all die Jahre zusammen machen wollten! Doch dazu kommt es nicht mehr, Margaret wird krank und stirbt.

"Natürlich habe ich meine Arbeit geliebt", sagt John, als Bronnie Ware seine Pflegerin wird, "aber wofür? Das wirklich Wichtige - meine geliebte Margaret - habe ich aus den Augen verloren." Auch John bereut, dass er zu viel darauf gab, was sein Umfeld von ihm dachte, dass er zu viel auf seine Karriere gab. "Alle Männer, die ich gepflegt habe, haben das gesagt", sagt Bronnie Ware. "Fast alle haben zu viel gearbeitet und zu wenig gelebt - weil sie Angst hatten, nicht genug Geld zu verdienen, oder ihrer Karriere wegen."

Ja - und selbst mit weniger Geld hat man noch sehr Wertvolles, das man wirklich immer wieder mehr schätzen bzw. pflegen, genießen sollte - wie eben nicht zuletzt Kontakte zu Freunden, Verwandten usw

Oder auch sich einfach Zeit - heute ja so kostbar - zu nehmen für diese, mit diesen, für sich selbst und seine Interessen, sei es auch "nur" mal wieder ein gutes Buch, Musik oder was auch immer. Das ist heute sicher oft nicht leicht - aber möglich, wie auch aus den Interviews mit Sterbenden sehr eindrücklich zu entnehmen ist, wenn es dort z. B. heißt:

Viele Menschen unterdrücken ihre Gefühle um des lieben Friedens willen

sagt die Pflegerin. Und:

"Das führt dazu, dass sich viele in einer mittelmäßigen Existenz einrichten und nie zu dem werden, was sie hätten sein können."

Viele Krankheiten, die ihre Patienten über die Jahre entwickelten, rührten daher, glaubt sie.

Und viele Menschen erkennen leider erst zum Ende ihres Lebens, dass

Wir haben die Freiheit zu wählen

Es ist erschreckend, dass man an vielen Beispielen weiter sieht, dass das fast immer wirklich stimmt.

Man sagt oft "ich kann nicht", wenn man wirklich auch andere Möglichkeiten hätte. Vielleicht nicht einfache, bessere - aber vielleicht eben doch auch andere, bessere.

Sehr viele Sterbende bereuen so mit am Meisten, dass sie nicht andere Möglichkeiten probiert haben.

Das mag beispielsweise ein anderer Beruf, Job oder auch Partner sein - aber vielleicht auch die Möglichkeit, dass man z. B. einer Partnerschaft nochmals eine neue Chance geben kann (zumal man auch dort vielleicht, im Sinne von J. Hendrix, noch mehr schätzen lernen kann, was man hat ... Zumindest als Grundlage um daran, seinem Glück, zu arbeiten).

Nicht zuletzt hat man wirklich die Wahl (analog der Erkenntnis "Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein") sich einfach öfters zu erlauben zu genießen, was man sich wieder einmal gönnen möchte, kann bzw. was man noch hat.

So simpel das auch klingen mag, aber gerade das fehlt oft nur zum glücklicher sein.

Der australische Mentalcoach Nick Vujicic beschreibt (auch in Videos, die kostenlos im Internet zu finden sind) so beispielsweise, dass er sich als Teenager einmal umbringen wollte, wegen Hänseleien von Mitschülern. Bis er sich, auch mithilfe u. a. seiner Familie, auf das konzentrierte was er noch kann und was er noch hat - unter anderem einen hellen Verstand, ein schönes Gesicht, eine tolle Familie ... Heute macht er, obwohl ohne Hände und Beine aufgewachsen, teilweise Extremsport und ist ein glücklich verheirateter Mann, Vater, Dozent, Hochschulabsolvent ...

Man muss natürlich auch kein Hochschulabsolvent werden oder dergleichen, aber sich an dem zu erfreuen, daran anzusetzen was man hat - zudem ja auch noch Hände und Beine, mit denen man auch viel anfangen kann - ist wohl wirklich auch ein sehr wichtiger Tipp um zufrieden(er) zu werden.

Ebenso wie der Rat aus dem Lied "Make Someone Happy ", wo es am Ende heißt:

Make just one someone happy

And you will be happy too.

( gewidmet meinem Sohn, von dem alleine schon jedes Atmen mich wirklich "happy" macht - einfach, dass es ihn gibt!)

Studie: Das sind die glücklichsten Länder der Welt

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