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Warum soziale Chancenungleichheit unser größtes Problem ist

03/11/2015 10:40 CET | Aktualisiert 03/11/2016 10:12 CET
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Mit zunehmenden Flüchtlings- Zahlen wächst nun auch die Angst vor "Islamisierungen".

Und "Parallelgesellschaften". Oder auch Gewalt, Kriminalität von "Ausländern".

Und all das gibt es ja auch! Da etwas schön zureden - wie es wohl zum Beispiel in Kiel neulich von der Polizei versucht wurde ("einen Skandal" nannte das der bekannte FDP- Politiker W. Kubicki) hilft ja auch keinem

Denn es ist ein Teil der Realität, der man sich stellen muss. Sonst kann man ja auch nichts gegen Ursachen davon tun und auf Sorgen, Ängste eingehen.

Sonst nimmt man auch Sorgen vieler Menschen nicht ernst, was erst recht viele in die Arme zum Beispiel der Pegida- Führer treibt

Verschweigen und Stigmatisierung: Einstiegsdrogen für Pegida

nennt das, wohl nicht zu Unrecht, etwa ein ( FAZ-) Blog- Beitrag von "Don Alonso" am 25. 10. 15

Und natürlich gibt es auch von "Ausländern" Kriminalität. Das sind ja keine "Übermenschen" . Diese zu "glorifizieren" würde auch nur Menschen dienen, die diese verteufeln wollen. Es gibt überall "Gute und Böse"- auch Flüchtlinge und "Ausländer". Aber natürlich auch (Ur-) Deutsche:

So nun ja auch zum Glück unzählige Menschen in unserem Land, die sehr hilfsbereit sind - auch (aber nicht nur) Flüchtlingen gegenüber.

Aber wenn man andererseits etwa in der aktuellen Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung liest, dass es 1469 (!) rechtsextreme Straftaten alleine im August gab und dabei von nur 26 (!) Festgenommenen 25 wieder freigelassen wurden (!) - lässt das Vertrauen in den "Rechtsstaat" wachsen?

Die Bilanz alleine des letzten Wochenendes ( wie auch in der Huffington Post zu lesen): 30 Unbekannte gingen in Magdeburg mit einem Baseballschläger auf drei Flüchtlinge los. In Wismar schlugen 20 Männer 2 Syrer krankenhausreif. In Freital warfen "Ausländerhasser" einen Feuerwerkskörper in ein Haus mit acht Asylbewerbern.

Alleine 600 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte verzeichnete das BKA bereits in diesem Jahr, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr

Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte sind ja schon fast "Normalität" im Sinne bitterer Realität (das von Verantwortlichen mehr oder weniger hinzunehmen ist wirklich auch ein Verbrechen!).

Fast immer von Deutschen verübt.

Aus Deutschland gingen auch Diktaturen, Terrorregimes, barbarische Weltkriege hervor. Dass irgend etwas "genetisch" oder kulturell bedingt ist etwa an Kriminalität würde also nicht gerade gegen die "Ausländer" sprechen ...ist es da verwunderlich, wenn sich "Parallelgesellschaften" bilden, alleine schon zum Selbstschutz?

Wenn Flüchtlinge sich in Deutschland ansonsten nicht mehr geschützt fühlen - sich und ihre Kinder nicht? Weil sie auch kaum geschützt werden!

Das erinnert wirklich an Zeiten, als die "Titanic" Postkarten druckte mit (sinngemäß) "endlich handelt die Regierung: Helmtragepflicht für Ausländer" (mit dem Bild eines Mannes ausländischer Herkunft, der einen Fahrradhelm trägt während ein Nazi hinter ihm mit dem Baseballschläger auf seinen Kopf los schlägt).

Und das ist ja wirklich nicht lustig, sondern nur in der Tat angebrachter kritischer Zynismus.

Natürlich muss man nicht alles gut heißen, was dort läuft in "Parallelgesellschaften"- und Vieles auch dort ist auch nicht zu entschuldigen (ebenso wie auch in der "normalen" , sonstigen Gesellschaft).

Aber bei Vielem sollte man ja doch auch bitte nicht Ursache und Wirkung - oder zumindest Wechselwirkungen - verdrehen oder vergessen

Und diverse Studien haben ja nachgewiesen, dass viele der "Ausländer" sich in der Tat radikalen (Islamisten) zuwenden, weil sie sich sonst nirgends dazu gehörig fühlen. Auch ausgegrenzt, alleine schon mit Begriffen wie "Ausländern" oder gar "Asylanten".

Um "dazuzugehören" klauen auch viele teure Klamotten, Handys etc. Werden kriminell, ja. Aber die Frage ist eben warum das so ist!

Und wenn Ausgrenzung zu Kriminalität führt - ist dann weitere Ausgrenzung, Abschottung (der Grenzen aber auch nach neuen Gesetzen nun noch länger isoliert in Massenunterkünften) die Lösung? Oder vielleicht eher das Gegenteil?

Also: Integration, auch in den Arbeitsmarkt und in Schulen und so weiter?

Genau! Und wenn man Flüchtlinge endlich früher arbeiten lassen würde könnten die sogar Steuergelder zahlen, damit könnte das finanziert werden!

Und sie müssten auch nicht mehr in krank, depressiv oder aggressiv machenden "Massenmenschhaltungen" unterkommen.

Also alles gut. Dieser Artikel kann nun enden. Und wenn dann wieder unzählige Kommentare darunter stehen wie unter fast jedem "pro Flüchtlinge" - Artikel "und was ist mit den Deutschen, da gibt es auch genug Arme und Arbeitslose" tut man das halt einfach als "dummes Pack" ab. Fühlt sich als etwas Besseres?

DAS würde auch aggressiv werden lassen - denn in der Tat sollte man ja auch hier sehen, dass die Grenzen nicht zwischen den Völkern (oder Deutschen und "Ausländern" beziehungsweise Flüchtlingen), sondern zwischen "Oben und unten" verlaufen

Und in Deutschland, einem der reichsten Länder der Welt, ist die Schere zwischen armen und reichen Menschen und generell ChancenUNgleichheit ja eine der gravierendsten überhaupt!

Deshalb sollte aber auch in der Tat Vieles bitte nicht in "Verteilungskämpfen" enden, sondern im gemeinsamen Einsatz, Solidarität - auch Angehöriger besser verdienender Gruppen oder Herkunft- mit gering verdienenden, ärmeren Menschen in Deutschland unabhängig ihrer (auch sozialen!) Herkunft.

Für endlich mehr Chancen auch für alle Menschen in Deutschland bezüglich Bildung, Arbeit und (damit) auch Zukunft, endlich mehr und ausreichend (sozialem) Wohnungsbau und so weiter !

Denn der Satz "ich habe ja nichts gegen Ausländer/Flüchtlinge, aber ..." ist doch meistens nicht "Rechtsradikales Gedankengut". Sondern, hört man diesen Menschen einmal zu- und das Nicht- Zuhören, ernst nehmen kann eben auch hier radikalisieren- geht es ja doch oft "nur" darum, dass man die Deutschen nicht vergessen soll. Und das stimmt ja auch.

Im oben genannten Sinn geht es sogar um "Verteilungskämpfe". An die sollte man sich sogar wieder mehr erinnern.

Nur eben die entscheidenden:

Wenn beispielsweise UNICEF ja immer wieder feststellt, dass selbst ein Bruchteil alljährlicher Rüstungsausgaben reichen würde, damit jedes Kind auf der Welt genug Essen und Bildung haben könnte (und dann auch nicht in ein anderes Land fliehen müsste) - dann geht es auch um Verteilung.

Wofür Gelder eingesetzt werden. Auch in Deutschland, einem der größten Waffenexporteure, selbst in sehr heikle Gebiete. Wo auch ein Bruchteil der Bevölkerung über einen Großteil des Geldes verfügt, das die Gesamtbevölkerung erarbeitet. Mit anderer Steuerpolitik wäre da auch noch viel mehr zu schaffen für Flüchtlinge UND Deutsche.

Dass aber in Europa immer noch circa 5,1 Millionen Jugendliche ohne Arbeit sind bezeichnete zurecht zum Beispiel die Ökonomin Brigitte Unger in einem Interview (am 27. Mai 2015) in der ZEIT als "Armutszeugnis" für die Politik der EU - in der ja wiederum die deutsche Politik führend ist. Und sie antwortet auf die Frage, ob da mehr zu schaffen wäre:

Natürlich! Wir sind reicher, als wir jemals waren, und können uns plötzlich den Wohlfahrtsstaat nicht mehr leisten? Wenn Europa den Datentransfer von Bankkonten und Finanzämtern transparenter macht und die Daten verknüpft, kann es gelingen, die Steuervermeidungsgelder aufzuspüren. Dann wäre genügend Geld da, allen Jugendlichen Europas einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu geben

Ja - und DANN würden auch gut ergänzend Flüchtlinge integriert werden können, diese auch besser integriert werden können, auch den demografischen Wandel ausgleichend und nicht "nur" menschlich, sondern auch durch ihre Steuerzahlungen noch mehr zum Reichtum in Deutschland beitragen.

Und auch nicht mehr so oft kriminell werden (müssen). In richtigen Wohnungen untergebracht werden Flüchtlinge auch fast nie kriminell. Wenn sie auch arbeiten dürfen (und nicht vor Langeweile oder eben in "Massenmenschhaltungen" aggressiv werden- oder auch wegen "Residenzpflichten", die verbieten endlich Verwandte in anderen Teilen Deutschlands treffen zu können und so weiter)

In der Tat gibt es ja schon seit Jahrzehnten, nicht erst jetzt, enorme Versäumnisse, auch in der Steuerpolitik die in Deutschland immer mehr Arme einerseits und Reiche anderseits produziert, was auch ein moralisches Verbrechen ist, zumal in einem der reichsten Länder der Erde!

Und das ist ja nichts Neues, wird alljährlich selbst durch offizielle "Armutsberichte" der Regierung bestätigt und ChancenUNgleichheit ist ja gerade in Deutschland bekanntlich extrem.

Schon 1997 ergab zum Beispiel zudem eine durchgeführte Analyse für die Europäische Union zur Entwicklung der Jugendgewalt (und Erkenntnisse von Untersuchungen europäischer, auch deutscher, kriminologischer Forschungsinstitute) eine zentrale Schlussfolgerung :

„Die Zunahme der Jugendgewalt steht in engem Zusammenhang damit, dass unsere Gesellschaft immer mehr zu einer winner-loser-Kultur wird. Vor allem junge Migranten geraten dabei in ein soziales Abseits".

So sind demnach auch zum Beispiel die Eltern von Migranten doppelt so oft von Arbeitslosigkeit betroffen beziehungsweise beziehen Sozialhilfe und dergleichen ...

Je weniger privilegiert eine Gruppe ist (bezüglich Schulbildung, Zukunftsaussichten unter anderem), umso höher das Jugendgewaltrisiko- und am geringsten privilegiert sind sozial Schwache, vor allem Migranten.

Inklusive jungen, auch erwachsenen, Flüchtlingen. Wie ja auch PISA-Studien dann belegten haben also weniger privilegierte „Schichten", Menschen bestimmter Herkunft (auch sozialer) in Deutschland weniger Chancen. Das (!) führt - bei Deutschen und „Ausländern" - zu Kriminalität.

Da die meisten „Ausländer" in der Regel noch weniger Chancen haben werden sie auch noch (etwas) krimineller. Das hat ja aber natürlich nichts mit „genetischen" oder kulturellen Besonderheiten, Schwächen zu tun. Sondern oben genannte strukturelle beziehungsweise gesellschaftlichen, politischen Ursachen!

Und wohl in der Tat eines der größten Verbrechen ist, dass deutsche und EU- Unternehmer beziehungsweise Banken dank einer ungerechten nationalen und Weltwirtschatsordnung Milliarden Profite machen auf Kosten unzähliger Menschen- auch in Deutschland, aber nicht zuletzt auch in Herkunftsländern der Flüchtlinge- was diese zur Flucht zwingt und auch noch Unternehmern hier fast kostenlos Fachkräfte liefert (und hier dann an der Ausbildung von Fachkräften gespart wird, viele Menschen in Deutschland auf der Strecke bleiben, was natürlich Unmut schafft).

So werden viele Deutsche und Menschen in Afrika, dem Kosovo und so weiter ihrer Zukunft beraubt - obwohl es ja ganz anders ginge- zumal in und von Deutschland ausgehend, das ja auch mit internationaler Hilfe, wie zum Beispiel dem Marshallplan erst wieder aufgebaut wurde.

Leider hält aber auch die derzeitige deutsche Regierung Versprechen nicht etwa dem Kosovo Aufbauhilfen zu geben. Sind Waffenexporte selbst in mehr als sehr fragwürdige Gebiete mit Menschenrechtsverletzungen dort nochmals gestiegen ... Arbeitet die Bundesregierung bezüglich Kosovo, Syrien, Türkei, in Afrika und so weiter durchaus mit (zumindest moralisch) verbrecherischen Kräften zusammen.

Dies alles, diese Politik ist auch vor allem (moralisch) verbrecherisch, eine

Schande für Deutschland

- wie es auch G. Restle, der Leiter von Monitor (ARD) in einem Kommentar in den Tagesthemen bereits im August nannte. Was auch zumindest dazu beiträgt, dass zig Millionen Menschen ihre Heimat verlassen müssen.

Und natürlich auch einige davon kriminell werden, ebenso wie Deutsche auch. Nobody is perfect. Vor allem die deutsche und EU- Politik ist das aber nicht!

Luftaufnahmen zeigen Strom von Flüchtlingen auf ihrem Weg Richtung Deutschland

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