BLOG

Christliche Flüchtlinge in deutschen Asylunterkünften: Oft gemobbt und attackiert

02/02/2016 15:27 CET | Aktualisiert 02/02/2017 11:12 CET
Sean Gallup via Getty Images

In der RBB - Sendung "Klartext" vom 27.01.2016 gab es einen sehr interessanten - bzw. alarmierenden - Bericht über christliche Flüchtlinge in deutschen, Berliner und Brandenburger Asylunterkünften.

Beispielsweise über den in Templin untergebrachten Flüchtling Omid Afshar- der hier den christlichen Glauben angenommen hat, nachdem ihm schon in Afghanistan Zweifel am Islam kamen, als er sah wie die Taliban ihre Glaubensbrüder töteten. Er sagte dem RBB:

"Zwei Leute haben mich verprügelt, eine Flasche auf den Kopf zerschlagen, sie haben die die Tür zugehalten, ich hab versucht , die Tür aufzubrechen. Die hassen mich, weil ich mich vom Islam abgewandt habe, sie denken, dass ich ein Verirrter bin. Dann haben die Sicherheitsleute die Polizei gerufen."

Es wird weiter berichtet: In der Ermittlungsakte steht Aussage gegen Aussage. Das Verfahren ist eingestellt. Nach dem Eingreifen der Polizei gibt es keine tätlichen Auseinandersetzungen mehr.

Neben vielen solchen von Attacken, Mobbing und Beleidigungen betroffenen Flüchtlingen kommt dort u. a. auch Gottfried Martens, Pfarrer der ev.-lutherischen Dreieinigkeits-Gemeinde Berlin Steglitz zu Wort, der unter anderem aussagt:

"Es besteht immer wieder die Furcht, dass bei einer Thematisierung dieser Problematik man dann irgendwelchen rechtsradikalen Kräften dann eben Argumente liefert. Ich sehe die Problematik genauso, das ist das allerletzte was ich möchte, aber auf der anderen Seite löst man das Problem nicht dadurch, dass man es totschweigt."

In der Tat - zumal es anscheinend wahrlich nicht wenige Menschen betrifft, wie schon alleine die Erfahrungen von Herrn Martens zeigen - dazu heißt es in der Sendung:

Für ihn sind es keine Einzelfälle mehr. In seiner Gemeinde sind fast 1.000 konvertierte Christen. Jede Woche hört er ähnliche Geschichten, häufig handelt es sich um Mobbing. Er macht seinen Schützlingen Mut, sich dagegen zu wehren:

"Wir leben in einem freien Land und in einem freien Land muss es möglich sein, dass man frei seinen Glauben lebt."

Viele der konvertierten Flüchtlinge sind verängstigt und übernachten inzwischen in der Kirche, weil sie die Anfeindungen von den radikalen Muslimen nicht aushalten.

Herr Martens beschreibt dies weiter so:

"Das größere Problem ist, dass tatsächlich eine Atmosphäre der Angst in den Heimen herrscht, dass die Christen sich oftmals kaum noch aus den Zimmern trauen, dass christliche Frauen Kopftücher tragen in Heimen um nicht angegriffen zu werden und das sind alles Dinge, die unter der Schwelle des Anzeigbaren liegen."

Laut dem Bericht hat sich Pfarrer Martens schon oft an die zuständigen Behörden gewandt, doch er hat das Gefühl, dass seine Sorgen nicht ernst genommen werden.

Nachdem der RBB sich eingeschaltet hat besuchte Sascha Langenbach, Senatsverwaltung für Soziales, die Kirche und die Flüchtlinge dort und sagte dem RBB:

"Wir haben die Berichte des Pfarrers sehr sehr ernst genommen und werden jetzt einen Brief formulieren an die Betreiber von Notunterkünften und noch einmal darauf hinweisen, dass man diesen Anwürfen mit höchster Sensibilität zu begegnen hat ..."

Was wiederum in der Sendung vom RBB kommentiert wurde mit

Ein Brief allein wird nicht reichen. Was muss darüber hinaus getan werden, um die Konflikte zwischen den Flüchtlingen verschiedenen Glaubens in den Unterkünften zu entschärfen?

Darauf wird dort noch geantwortet, von einer anderen Pfarrerin, Silke Radosh-Hinder. Diese meint

es geht nur mit den hier lebenden Muslimen

Gemeinsam mit Ender Cetin vom Moscheevorstand war sie als muslimisch-christliches Tandem in Schulen, wenn es dort Konflikte zwischen Schülern unterschiedlicher Religion gab.

Frau Radosh-Hinder dazu:

"Wir haben die Erfahrung, dass allein da hin zu gehen und zu sagen: aber wir gehen zusammen, als Christen und Muslime sind wir hier und wir sind schon mal ein Team und wir arbeiten hier zusammen und das bringt mehr als gegeneinander zu arbeiten. Das ist ein Wert an sich und der strahlt quasi schon als solcher. Solche Modelle haben wir im Kopf, genauso diese Begleitung zu machen als Tandem in Flüchtlingsheimen oder in den Notunterkünften präsent zu sein."

Und Ender Cetin, der Moscheevorstand der Sehitlik-Moschee:

"Ich denke, dass wir Moscheevereine dort als Brücke fungieren können. Dass es dort ein friedliches harmonisches Miteinander gibt, aber auch vor allem in Zusammenarbeit mit den Kirchen. Um auch zu zeigen, als Muslime sind wir in Deutschland."

Doch bisher sind diese muslimisch-christlichen Tandems in Flüchtlingsheimen nur eine Idee. Personal und Geld für dieses Projekt gibt es noch nicht, im Moment existieren nur kurzfristige Lösungen wird weiter berichtet. Wie auch für einen betroffenen Flüchtling, Samuel, wozu es im Bericht abschließend heißt:

Wir begleiten ihn zum Betreiber seines Flüchtlingsheims. Er hat noch nie von den Problemen in Samuels Heim gehört. Nachdem er ihm seinen Fall geschildert hat, bietet der Betreiber ihm sofort eine neue Unterkunft an und verspricht Konsequenzen.

Samuel hofft, dass er erst mal zur Ruhe kommt. Bis zu einer langfristigen Lösung der Konflikte zwischen Flüchtlingen unterschiedlichen Glaubens ist es aber noch ein langer Weg.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplat

tform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Gesponsert von Knappschaft