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Chancen nach dem Wahldebakel: Gegen die AfD müssen endlich echte (Sozial-) Demokraten, Christen (auch in SPD, CDU) gemeinsam handeln!

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Die AfD im Bundestag, Reichstag - Stimmen, die zumindest Rechtsradikalen den Boden bereiten sind wieder dort gelandet, wo nach Hitler und Konsorten so etwas nie wieder eine Stimme haben sollte!

Groß ist das Geschrei- auch in der CDU, CSU, SPD und anderen "Volksparteien"- dass das ja schlimm sei. Und man etwas dagegen tun sollte.
"Volksparteien", die kaum noch als solche zu bezeichnen sind-

mit historisch niedrigen Stimmergebnissen wurden SPD und CDU, CSU abgestraft für eine Politik, die herzlich wenig im Namen, Interesse des Volkes ist und echte sozialdemokratische und christliche Werte oft nur noch pervertiert

Die zig Millionen Menschen, selbst nach offiziellen Armutsberichten, immer ärmer werden lässt, in einem der reichsten Länder der Welt - während einige, wenige, Menschen immer reicher werden. Während (auch soziale) Not zunehmend wächst, zum Profit weniger selbst Wohnen immer unbezahlbarer wird, Schulen und Bildung verrotten, auf dem Arbeits"markt" zunehmend mehr Menschen durch Hetze krank werden oder erst gar keine Chance bekommen. In Bildung, Gesundheitswesen und vielem mehr eine (zumindest) 2-Klassengesellschaft herrscht, vieles kaputt gespart wird bzw. nur noch Profitinteressen dient.

Und das alles gemeinsam von SPD, CDU , CSU verantwortet - oder besser gesagt verbrochen. Verständlicherweise haben zunehmend mehr Menschen solch eine Politik einfach satt und wollen eine Alternative haben. Millionen Menschen sehen diese nur in der AfD, da auch Grüne, Linke und FDP bisher keine echte abgeliefert haben, wenn sie mit regierten, einfach keine anderen Antworten auf dringende Fragen hatten.
Nicht zuletzt etwa zur "Flüchtlingsfrage". Warum nahmen zum Beispiel fast alle Mitglieder der SPD hin, dass die SPD-Spitze vorhergehende Versprechen brach- indem Waffenlieferungen in heikle Gebiete sogar noch gesteigert (statt wie versprochen reduziert) wurden? Warum hat auch nur eine kleine Gruppe von Christen dagegen mit einer Petition wirklich protestiert? Warum sind diese - und etwa auch Gewerkschaften- kaum zu sehen in "rechten" Dörfern?
Warum gibt es nicht Massenproteste (und Demonstrationen) von Christen, Muslimen, Sozialdemokraten und dergleichen in und außerhalb der Parteien etwa gegen solche Waffenlieferungen und auch für mehr soziale Gerechtigkeit, bessere Bildung, Gesundheitsversorgung, bessere Arbeitsbedingungen und so weiter in Deutschland - also eine gute Alternative?

Diese, wir, Demokraten, Christen und dergleichen haben es doch in der Hand, auch rechten Demagogen und nur scheinbaren Alternativen wie der AfD- Führung den Nährboden zu entziehen. Und (verständlicherweise) "Protestwählern" eine geeignetere Form für ihren Protest zu geben- zumal der Zuwachs der AfD ja nichts Neues ist, also schon lange Handlungsbedarf besteht.

Wahlen sind ein Weckruf - und damit eine Chance

Vieles, das zuvor subtiler vor sich hinbrodelte, oft auch unter der Oberfläche, aber viel zu oft auch sehr gefährlich vor sich hin köchelnd kommt nun immerhin mehr an die Oberfläche. Es kann so besser behandelt, bearbeitet werden.

"Gefahr erkannt, Gefahr gebannt" kann so besser gelingen, wenn jetzt wirklich - endlich! - bewusster und aktiver daran gearbeitet wird.

Denn was sollte denn zuvor noch alles passieren? Noch mehr Gewalt gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte ohne wirkliche Verfolgung dieser Taten? Noch mehr Hetze überall, gegen Flüchtlingsunterstützer oder "die" Ausländer, Moslems oder Nordafrikaner - aber oft auch gegen "die" AfD-Anhänger, Nichtwähler und so weiter.

Mit immer mehr Pauschalisierungen, Feindbildern, Sündenböcken: Zuletzt etwa den AfD- oder Nichtwählern, die wegen ihrer Faulheit oder zu wenig Einsatz für Demokratie schuld seien, wenn "die Rechten", das rechte Pack, in die Parlamente zieht.

Das war auch von führenden Politikern der SPD, CDU, CSU, FDP und Grünen zu lesen. Sind die Protest- / Nichtwähler also letztlich verantwortlich für die Eskalation, den "Rechtsruck" und den Niedergang der Demokratie?

Das politische System muss erneuert werden

Nun, die soziale Ungerechtigkeit, Ungleichheit, Chancenungleichheit, unsoziale Steuerpolitik in Deutschland und Abbau demokratischer Rechte wird doch seit Jahrzehnten nicht zuletzt von vielen Sozialverbänden, Gewerkschaften und ähnlichen kritisiert. Und zwar schon lange, bevor es die AfD überhaupt gab.

Es wird nun aber ständig nur die AfD kritisiert - wo bleiben aber mehr Kritiken an SPD, CDU, CSU, FDP und Grünen (die mit ihren AfD- Kritiken so auch vom eigenem Versagen ablenken können)?

Zurecht schrieb vor einiger Zeit auch Dr. Michael Lacour in seinem Artikel in der Huffington Post: "Lassen wir uns nicht unterdrücken und durch Ideologie verunsichern: Wir müssen wehrhaft und mutig sein. Unser politisches System muss erneuert werden. Es ist nicht mehr demokratisch und repräsentativ für das Volk, sondern autokratisch und von selbstzentrierten sowie eigenen Machtinteressen der Repräsentanten bestimmt."

Wie eben jene Repräsentanten, die Vertreter der Regierungsparteien. Die, oder deren potenzielle Bündnispartner wie Grüne und FDP, man wählen solle, um die Demokratie zu retten?
Vielmehr kann man so wirklich ein zunehmend undemokratischeres System erhalten und dessen Erneuerung blockieren!

Mehr demokratische Mitbestimmung für die Bürger

Und auch ich finde: "Wir müssen „mehr Demokratie wagen". Oder wie es Willi Brandt einst sagte: "Mehr demokratische Mitbestimmung für das Volk und mehr Demokratie innerhalb der Parteien selbst. Wir sind es unserer Menschenwürde schuldig"

Proteste müssen erfolgen

Sicherlich stimmt auch, was hierzu Herr Lacour berechtigterweise fragte: "Warum wehren wir uns nicht? Warum gibt es keine Großdemonstrationen gegen die verfehlte Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, die von gemäßigten, nicht radikalen Kräften getragen wird? Warum überlassen wir solche Demonstrationen der PEGIDA?"

Ja, es müssen dringend mehr Proteste erfolgen, gegen Extremisten, aber auch gegen die "etablierte" Politik, getragen von Gewerkschaften, sozialen Bewegungen, Mitgliedern von Kirchen, SPD und CDU, CSU, FDP, den Grünen und anderen Vereinigungen, die alternative, wirklich christliche, sozial- demokratische, liberale Politik wollen.
Gegen eine Politik, die tatsächlich alles andere als sozial, christlich, demokratisch und human ist.

Mit Parolen allein ist keinem geholfen

Dies kritisierte etwa auch bereits Georg Restle, Leiter von Monitor (ARD) in den Tagesthemen, bereits am 25. August 2016 in einem Kommentar:

"Aber wir sollten uns nicht täuschen: Klar, die rechtsextremen Gewalttäter und ihre brav-biederen Unterstützer sind eine Schande für dieses Land. Die eigentliche Schande aber ist die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik, die die Ursachen für die Flucht von Millionen Menschen nicht bekämpft, sondern sie immer wieder aufs Neue schafft."

Er belegte gleichfalls eindrücklich: "Zum Beispiel im Kosovo, wo auch diese Bundesregierung ihr Versprechen gebrochen hat, dem Land nach dem Krieg wieder auf die Beine zu helfen und stattdessen ein hochkorruptes Regime unterstützt, das die Menschen in die Flucht treibt.

Oder in Syrien, wo diese Bundesregierung die Politik eines türkischen Präsidenten unterstützt, der islamistische Mörderbanden mit Waffen versorgt. Mörderbanden, vor denen Hunderttausende nach Europa fliehen.

Oder Afrika, wo der deutsche Außenminister einen Pakt mit den schlimmsten Despoten des Kontinents schließen will. Einen Pakt, der verhindern soll, dass politisch Verfolgte ihr Land verlassen können und sie stattdessen ihren Verfolgern ausliefert.

Diese Politik ist eine Schande für dieses Land. Daran müsste etwas geändert werden. Mit kernigen Parolen allein ist jedenfalls niemandem geholfen."

In der Tat- auch nicht solchen von führenden Politikern der CDU/CSU und SPD (und FDP, Grünen und Linken) "gegen die AfD", um letztlich nur vom eigenen Versagen abzulenken, in der Innenpolitik und Außenpolitik

Und natürlich sollte man auch die AfD sehr kritisch sehen, aber eben nicht nur die, sondern auch die Politik der etablierten Parteien, die völlig zu Recht unzählige Menschen zunehmend kritischer und nicht mehr als "Alternative" sehen. Dagegen sollte aber wirklich aktiv an wirklichen Alternativen gearbeitet werden.

Im Bündnis der oben genannten Kräfte muss offenbar "Wir sind das Volk!" wieder zu einem Slogan einer Massenbewegung, im nun auch geeinten Deutschland, werden- für mehr Frieden und soziale Gerechtigkeit in Deutschland, Europa und der Welt.