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Warum wir anders über Burnout denken müssen

22/10/2015 08:40 CEST | Aktualisiert 22/10/2016 11:12 CEST
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Von Burnout und Mobbing - das gibt es nun schon etwa in jeder zweiten Schulklasse! - ist heute fast jede Familie betroffen. Der Focus titelte bereits 2011 mit "Generation Burnout" und beschrieb, dass dieses Phänomen wirklich jeden treffen kann.

Trotzdem, wie auch dort beschrieben:

Die meisten Opfer von Burnout und Mobbing - was auch oft zusammen auftritt - fühlen sich als Außenseiter, Versager, schlechte oder schwache Menschen. Das ist aber falsch und fatal, kann sogar tödlich enden

Natürlich gibt es überall "solche und solche", auch nicht jeder Betroffene ist ein "guter Mensch" (zumal was das ist ja auch schwer zu sagen ist). Und ja, es gibt wohl auch Betroffene, ebenso wie bei anderen Erkrankungen und Phänomenen, die man als "Simulanten" bezeichnen könnte. als Ausnahme von der Regel- die aber ganz anders aussieht!

Auch bereits 2011 war bekannt, dass in Deutschland sich in den sechs Jahren zuvor u. a. laut Angaben im Focus (37/11 vom 12.9.2011) die

Zahl der Burnout- Betroffenen fast verzehnfacht
( ! ) hat. Und ein Ende dieses Trends, wenn es zuletzt auch etwas rückläufige Zahlen gab (bei allerdings hohen Dunkelziffern und auch weiterhin gravierende Zahlen selbst bei Studierenden, Schülern, Kindern, Müttern usw. ) ist auch heute kaum in Sicht !

Wie auch- nach wie vor fehlt es bekanntlich auch an ausreichenden therap. Angeboten usw.

Alleine die Zahl der Betroffenen zeigt ja, dass es nicht nur wenige Menschen, Außenseiter, betrifft, sondern ganz viele in unserer Generation "immer schneller, weiter, erreichbar" schon fast die Regel ist.

Burnout und Mobbing - Opfer sind nicht schwach, dumm, hässlich oder „Versager"- im Gegenteil!

Obwohl die Betroffenen in der Regel enorm leiden, fühlen sie sich meist in irgendeiner Form schwach, dumm oder hässlich - als „Versager" und deshalb auch kaum der Unterstützung wert - z. B. der eines psychologischen Beraters, Therapeuten oder auch eines Anwalts, Personalrates, Gewerkschafters, Vertrauenslehrers, Verwandten bzw. von der Polizei.

Und viele wähnen sich auch nicht stark und klug genug, um sich zu wehren, zumal selbst in seriösen Medien - wenn auch in nette Worte gekleidet - verbreitet wird, dass die Opfer eben doch Außenseiter seien, Menschen mit irgendwelchen (negativen) Besonderheiten bzw. eben halt nicht so toll, hipp etc. wie der Rest.

Aber meistens ist das Gegenteil der Fall:

Gerade auch starke, schöne, herzliche Menschen sind heute betroffen

- obwohl sie eigentlich große Ressourcen haben, um sich zu schützen (zumindest mit passender Unterstützung). Erst wenn Betroffene das erkennen, sehen sie sich der Unterstützung wert und kommen dann auch in die Lage, sich gegen Überforderungen bzw. Mobbing zu wehren.

Gerade den (leistungs-) starken Menschen wird ja in Schule, Familie, Partnerschaft und vor allem der Berufswelt oft zu viel aufgebürdet, zu viel abverlangt - was zum Ausbrennen führen kann.

Gerade tolle, starke, schöne, helfende Menschen rufen zudem auch viele Neider hervor und werden so Opfer von Mobbing. Eigentlich logisch, nur für die Betroffenen selbst oft schwer zu erkennen, wenn ihnen ihre guten Seiten nicht genug von anderen Menschen bestätigt werden.

Dies können Vorgesetzte und Kollegen sein, aber auch Freunde, Partner, Familie und last but not least auch die Medien mit einem anderen Bild der Betroffenen. Und bei Bedarf auch psycholog. Berater oder Therapeuten, Pädagogen, Vertrauenslehrer und dergleichen, die sich auch oft diesbezüglich mehr beraten und fortbilden lassen müssen und auch Experten in z. B. Betriebe und Schulen holen, auch für präventive Arbeit!

Solange Betroffene hingegen vermittelt bekommen, dass die Ursache darin liegt, dass sie Versager, Außenseiter oder dergleichen sind, kann ihnen kaum geholfen werden - was manchmal bis zum Suizid führen kann.

Und das kann schneller gehen als man denkt und wirklich auch jeden treffen.

Selbst beispielsweise wunderschöne , schlaueste Menschen fühlen sich nach Mobbing oder auch "nur" ständiges Runtermachen von Partnern, Kollegen, Chefs usw. wie hässliche Entlein, total dumm und deshalb auch nicht besserer Partner oder Jobs wert, mit oft fatalen Folgen.

Und sich ausbeuten, ausnutzen lassen mit oft auch psychischer Gewalt, manchmal auch anderer - nicht selten auch von öffentlich als "Saubermännern" dastehenden Tätern.

Wie die Hilfe dann z. B. im Rahmen einer psychologischen Beratung aussieht, hängt natürlich von der konkreten Situation und Person (auch des Beraters und dessen spezieller Arbeitsweise) ab. Meistens geht es aber auch darum zu verdeutlichen wer überhaupt Opfer (und Täter) ist.

Es muss immer wieder ganz klar benannt werden, auch von der Öffentlichkeit, dass die Ausbeuter und Mobber die dummen, schwachen (bösen) Menschen sind - nicht die Opfer!

In diesem Sinn kann es Opfern von Burnout oft auch enorm helfen, deutlich zu machen, dass sie ja immerhin für eine gute Sache ausbrannten, sich aufopferten - z. B. für ihre Arbeit, ihre Firma bzw. die Familie, damit diese versorgt sein sollte.

Aber natürlich selbst auch dann aller Hilfe und Unterstützung wert sind. Ebenso hilfreich ist es aufzuzeigen, dass auch Mobbing und Burnout- Betroffene gerade wegen ihrer guten Seiten Opfer wurden, dass sie alles andere als schwach oder Versager sind und natürlich Unterstützung verdienen. Dann entdecken sie ihre großen Ressourcen, auch gegen Mobbing bzw. Burnout anzukommen.

Wenn Opfer zu (Mit-)Tätern gemacht werden

Wenn Betroffene beginnen sich zu wehren, Hilfe zu suchen - was ja schon ausgepowert eine Riesen-Leistung und sehr schwer ist- werden sie - manchmal selbst noch von Beratern oder Freunden, Verwandten, Pädagogen oder in Therapien!- sogar noch selbst verantwortlich gemacht, bzw. ihre Kindheit, also auch etwas das "in ihnen steckt". Dieses spielt aber oft nur (sehr) bedingt eine Rolle.

Jemand der etwa an starkem „Burnout-Syndrom" leidet, dem auch Entspannungsübungen und ähnliches nicht hilft, muss auch eine lange Aufarbeitung seiner Kindheit nicht helfen. Hätte er eine sehr schlimme Kindheit gehabt, wäre er sicher nun nahezu „re-traumatisiert" worden.

Und zwar z. B. von seinem ihn schlecht behandelnden und ausnutzenden Chef oder Partner mit ihm als quasi „gefundenes Fressen". Gerade als sehr leistungsstarker Mensch. Der äußerst pflichtbewusst eingestellt war und deshalb andere (Kollegen oder eben auch den Chef oder Familien- Mitglieder) bei der Arbeit nicht „hängen lassen wollte" (selbst wenn da noch so viele unbezahlte Überstunden verlangt wurden).

Also eigentlich besaß er ja sehr gute(!) persönliche, charakterliche Eigenschaften, wohl auch trotz oder dank einer recht guten Kindheit und Erziehung oder Entwicklung - bei der er aber wenig Erfahrung sammeln konnte, wie er mit ausnutzenden Personen umgehen könnte.

Ganz gleich wie gut oder schlecht die Kindheit war, letztlich wird jeder mit so einem Chef bzw. betrieblichen oder Familien- System Probleme bekommen. Hier (nur) an der Kindheit herumzudoktern oder auch Entspannungsübungen usw. erhalten letztlich das ungute System nur aufrecht und verhindern nicht das Ausbrennen. Trotzdem wird das noch viel zu oft gemacht ...

Oft ist viel mehr dadurch geholfen mehr mit seinen guten Seiten wertzuschätzen. sich auch verstärkt Hilfe bezüglich des Chefs, Partners usw. in der Gegenwart zu suchen, z. B. beim Betriebsrat oder Anwalt oder gutem Berater, z. B. auch in kostenloser psycholog. Beratung bei Städten oder Kirchen, Personal- oder Betriebsrat.

Sehr oft liegt das Problem heute auch in der "Arbeitswelt" begründet

- wo auch viel öfter das Problem liegt , manchmal auch mit "Mobbing von Oben" - mit in der Folge dann auch anderen (z. B. familiären) Problemen und - auch vorbeugend - dort gehandelt werden. Um Gefährdungen, auch psych. Art, besser vermeiden und diesen vorbeugen zu können.

Wozu auch Arbeitgeber verpflichtet sind, mehr dazu aufgefordert werden müssen (auch von Gewerkschaften, Personalvertretungen und Berufsgenossenschaften).

Das Arbeitsschutzgesetz -ArbSchG- verpflichtet alle Arbeitgeber, die Gefährdungen der Beschäftigten bei der Arbeit zu beurteilen. So lässt sich feststellen, welche Arbeitsschutzmaßnahmen erforderlich sind

Und auch z. B. in Schulen sind Leitungen verpflichtet zu helfen und auch vorbeugend tätig zu werden - können sich sonst, ähnlich wie Verantwortliche in Unternehmen, strafbar machen.

Etwa durch ein Schulbild, das alle zu gegenseitigem Respekt verpflichtet und das auch immer wieder mit Leben erfüllt wird, etwa auch durch einfache Rollenspiele. Wenn man selbst in der Rolle eines Opfers war , wenn auch nur im Rollenspiel, wird man meistens seltener zum Täter.

Allerdings gibt es in der Tat auch, warum auch immer, (charakterlich) dumme Menschen, die vielleicht auch Hilfe brauchen aber irgendwann - und nicht zu spät - auch klare Ansagen, Regeln und ggf. auch -durchaus mögliche - Strafen.

Denn dass der "Opferschutz" in Deutschland noch viel zu wenig entwickelt ist scheint gerade auf dem Gebiet offensichtlich. Viel zu oft müssen noch Opfer (!) von Mobbing die Schule oder Arbeit verlassen, Täter bleiben dort (manchmal sogar in leitender Position).

Manchmal geht es leider nicht anders, viel öfters ist es mit o. g. vereinten Kräften und Unterstützung aber auch ganz anders möglich. Einige Schulen, bei denen besonders viele Mobbing- Fälle vorkamen, gingen so etwa damit sehr offensiv, erfolgreich um. Bitte solch positive Beispiele nachahmen !

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