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Auch Männer brauchen ein staatlich gefördertes "Hilfe bei Gewalt - Telefon" und Männerhäuser

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Etwa 400 Frauenhäusern in Deutschland stehen bisher nur 4 „Männerhäuser" entgegen, kaum staatlich gefördert. Obwohl Männer auch nach dem Gender Datenreport des Bundesfamilienministeriums von körperlicher Gewalt in heterosexuellen Paarbeziehungen quantitativ in annähernd gleichem Ausmaß wie Frauen betroffen zu sein scheinen. Männer bedürfen auch Hilfe, auch bei Gewalt- und gerade diese brauchen niederschwellige Angebote, auch da Hilfe suchen für sie oft noch sehr mit Scham besetzt ist. Petitionen an den deutschen Bundestag (unter anderem eine aktuelle, Nummer 71014) und alle Landtage fordern deshalb inzwischen auch die Einrichtung von "Männerhäusern" (bzw. Familienhäusern), so wie es nun in Sachsen ansatzweise erreicht wurde, als auch ein "Hilfetelefon" (bei Gewalt) auch für Männer, so wie es diese für Frauen bereits gibt - mit öffentlichen Mitteln finanziert, auch für Werbung dafür in Medien- zumal bei Männern ansonsten kaum darüber geredet wird- vor allem nicht gegenüber Frauen - die aber oft Beratungen für Gewaltopfer leiten. Beim Berliner "Opferhilfe e.V" melden sich zum Beispiel. nur 5-10 männl. Opfer häuslicher Gewalt pro Jahr. Zahlen der Kriminalstatistik entsprechend müssten es aber etwa 1750 sein. Das bestätigte in Interviews (etwa. mit der Süddeutschen Zeitung vom 5.9. 2012) auch der Berliner Polizeisprecher Tönnjes, der dort ergänzte

Männer werden als Opfer nicht ernst genommen. Ein Mann, der sich meldet, weil er grün und blau geschlagen wurde, dem glaubt man nicht. Die Gesellschaft kann es sich nicht vorstellen, also gibt es das auch nicht

Wie aber auch schon die Kriminalstatistik 2011 belegt hatte

geht immer mehr häusliche Gewalt von Frauen aus, Tendenz steigend.

Fast jeder 4. Tatverdächtige war weiblich. Auch nach einer Studie der Bundesregierung, des BMFSFJ ("Gewalt gegen Männer") erfuhren bereits 23 % der dort untersuchten Männer körperliche Auseinandersetzungen oder sexualisierte Gewalt in Partnerschaften; 9% schon 4x oder öfters.

Wie auch dort zu lesen sind aber "Dunkelziffern" wahrscheinlich viel höher.

Das betrifft natürlich auch nicht „Weicheier" - als solche fühlen sich Betroffene leider auch oft, reden deshalb nicht darüber. Und auch im häuslichen Alltag werden auch starke Männer verprügelt, mit Pfannen beworfen, geschlagen, psychisch misshandelt (wie z. B. auch bereits in der "Zeit" vom 8.3. 2009 mit Beispielen und wissenschaftl. Untersuchungen belegt. Mit dem Fazit dort:

Männer sind Täter, Frauen Opfer. Dieses Klischee stimmt nicht mehr. Auch Frauen üben Gewalt aus. Die Bereitschaft, darüber zu reden, ist allerdings immer noch gering

Männer reden nur (noch) seltener darüber, wehren sich kaum- da „man Frauen nicht schlägt".
Ja. Aber natürlich muss auch betroffenen Männern und Frauen geholfen werden damit richtig umzugehen, Auswege zu finden - oft auch aus eskalierender, gegenseitiger Gewalt, Konflikten, hochgekochten Emotionen- auch solchen, die Männer (mit) gestartet haben (mit oft Selbstvorwürfen dafür, was Reden darüber weiter erschwert). Dazu bedarf es vieler unter anderem therapeutischer Angebote- aber eben auch Frauen-und Männerhäuser sowie "Hilfetelefone" auch für Männer (inklusive auch anonymer Nutzbarkeit), da andere Angebote zunächst kaum aufgesucht werden können.
Nach Peter Thiel, Initiator des Berliner Männerhauses, in einem Interview mit der SH.Z im Oktober 2012 liegt dort der Bedarf bei "rund 1000 Fällen im Jahr, in denen Situationen derart eskalieren, dass es für die Männer richtig gefährlich wird". Das Männerhaus dort ist seit Jahren, ähnlich wie das andere in Oldenburg, völlig überlaufen und zeigt so auch in der Praxis enormen Bedarf. Der auch erst richtig -
wie früher durch erste "Frauenhäuser" bei Frauen zu sehen - offensichtlich werden kann, wenn es solche Anlaufstellen gibt, Männer sich dorthin wenden bzw. auch (anonym) "outen" können. Die Scham sich an andere Stellen, auch Polizei, zu wenden ist sonst fast immer zu groß, zu große Schwelle.

In Sachsen wurden nun immerhin im ersten Bundesland am 01. Februar 2017 sowohl in Leipzig als auch in Dresden ein gefördertes "Männerhaus" für jeweils drei Bewohner, gegebenenfalls mit ihren Kindern, eröffnet. Die Projekte "MännerHaus Leipzig" und die "Männerschutzwohnung Dresden" werden durch den kommunalen Sozialverband des Freistaates Sachsen gefördert. Die anonyme "Männerschutzwohnung" soll erwachsenen Betroffenen von Gewalt in engen sozialen Beziehungen vorübergehend Zuflucht bieten. Eine psychosoziale Anamnese, Beratung und Nachbetreuung wird durch eine angestellte Fachkraft gewährleistet. Bereits seit 2012 arbeitete eine ehrenamtliche Gruppe des LEMANN e.V. - Netzwerk für Jungen- und Männerarbeit Leipzig an der Konzeption einer im sächsischen Landesaktionsplans zur Bekämpfung häuslicher Gewalt vorgesehenen Männerschutzwohnung.
In der Schweiz gibt es bereits seit längerer Zeit ein, auch aus kirchlichen Mitteln gefördertes, Männerhaus

Die genannten Petitionen fordern solche Männerhäuser in allen Bundesländern und weisen zudem auch darauf hin, dass (außer durch Männerhäuser zudem)

Außerdem wird durch so ein Telefon, mit entsprechender Werbung gegen das "Tabu-Thema" Gewalt gegen Männer angegangen

Zumal, wie dort weiter zu lesen "Auch Männer sind Opfer von (auch) häuslicher Gewalt, Stalking, Mobbing usw.- wofür das "Hilfetelefon " für (Gewalt gegen)Frauen eingerichtet wurde, mit Werbung dafür auch in Medien,WWW usw. Auch nach Gleichheitsgrundsätzen sollte es so etwas auch für Männer und Jungen geben, zumal diese oft sogar noch besonders von Gewalt div. Art betroffen sind, z. B. auch als Homosexuelle, bei der Bundeswehr, in Heimen usw. Aber eben auch z. B. bei häuslicher Gewalt (...). Dass auch männl. Opfer sich öfters Hilfe suchen können bedarf also solch eines Hilfetelefons und öffentl. Werbung dafür, auch damit dieses Tabu "so etwas gibt es nicht" gesellschaftlich mehr gebrochen wird und auch sonst Männer mehr Hilfe suchen, ihnen auch geglaubt wird wenn sie solche suchen und auch Diskriminierungen und Stigmatisierungen abgebaut werden, selbst von eigentlich zur Hilfe gerufenen, selbst staatlichen Stellen. So wies etwa ein Leipziger Strafrechtsprofessor und Kriminologe in der Sächsischen Zeitung vom 3. September 2011 darauf hin, dass sogar "Polizisten bei Untersuchungen über Einsätze bei häuslicher Gewalt gesagt haben:

„Natürlich nehmen wir erst mal den Mann mit, wenn wir Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt ergreifen sollen."

Viele sagen, dass das Diskriminierung im Sinne einer Voreinstellung über gesellschaftliche Rollenstereotype ist." Und das ist es auch, denn die genannten , auch offiziellen, Untersuchungen zeigen ja eine ganz andere Realität. Das"Hilfetelefon" auch für Männer (und "Männerhäuser") würde zu all dem natürlich nicht alleine reichen, wäre aber ein wichtiger Schritt in eine bessere Richtung.In einer Stellungnahme (vom 7.6. 2017) zu oben genannter Petition hat auch das Ministerium für Soziales und Integration in Baden-Württemberg bestätigt, dass entsprechender Bedarf besteht, zumal, wie auch dort zu lesen,

Aus der Polizeilichen Kriminalstatistik zur Partnerschaftsgewalt geht hervor, dass im Berichtsjahr 2015 knapp 20 Prozent der Opfer von Delikten der Partnerschaftsgewalt männlichen Geschlechtes waren

Auch wenn es Studien gibt, die von weitaus mehr Opfern und Dunkelziffern sprechen, reicht das ja aber schon - um nun auch in Stuttgart voraussichtlich noch 2017 eine "Schutzwohnung" für Männer zur Verfügung zu stellen. Auch um das Tabuthema "Gewalt gegen Männer" weiter aufzubrechen und mehr darüber reden können zu ermöglichen, auch Betroffenen aber auch der ganzen Gesellschaft- damit Betroffene sich auch mehr zum "Outen" trauen können. Den Bedarf dazu bestätigte in o. g. Schreiben auch nochmals das Ministerium in Baden- Württemberg, das abschließend bestätigt "Häusliche Gewalt gegen Männer ist leider oftmals noch ein Tabuthema für Betroffene. Daher ist es neben allen Unterstützungsangeboten umso wichtiger, ein öffentliches Bewusstsein für Ausmaß und Folgen der Gewalt zu schaffen. Es muss selbstverständlich werden, dass auch Männer über Gewalterfahrungen sprechen können". In der Tat!