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Warum werden nie süße Kinder auf AfD-Demos gezeigt?

08/02/2016 18:05 CET | Aktualisiert 08/02/2017 11:12 CET
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Gerade wurde wieder einmal davon berichtet, dass die AfD enormen Zuwachs hat - nach Hochrechnungen kommt sie bei den nächsten Landtagswahlen etwa auf 15 % (oder mehr).

Zudem wurde (bei Frontal 21 vom 2. 2. 2016) dazu ausgeführt:

So greifen AfD-Politiker bei ihren Wahlveranstaltungen in Ost und West Ängste auf, die viele Bürger angesichts der Flüchtlingskrise empfinden, bieten simple Lösungen und setzen die etablierten Parteien unter Druck. Und das kommt an, auch bei denen, die früher CDU oder Linkspartei gewählt haben. Ihre Wahlkampfveranstaltungen sind gut besucht und die etablierten Parteien wirken ratlos.

Dies wurde dann weiter aufgezeigt, unter anderem auch mit Interviews mit Vertretern der "Linken". Dass viele ehemalige Wähler selbst dieser Partei nun AfD wählen werden lässt ja wirklich aufhorchen!

Zudem wurde anhand von Wahlparolen der übrigen Parteien gezeigt, dass diese letztlich eine ähnliche Politik unter anderem zur "Flüchtlingskrise" verfolgen.

Wundert es da eigentlich wirklich, dass der Ruf nach einer Alternative für Deutschland lauter wird?

Gerade auch zu sozialen Fragen - denn dass diese natürlich viele Menschen besorgt zurück lässt wurde auch von "Linken" dort nochmals betont..

Das ist ja auch kein Wunder - in einem Land, das zu den reichsten der Welt gehört und wo Reiche zunehmend reicher werden. Und auf der anderen Seite immer mehr Menschen arm (bzw. immer ärmer) werden, wo es extreme ChancenUNgleichheit gibt- all dies auch schon lange, bevor es die AfD gab- und eine "Flüchtlingspolitik", die Georg Restle, der Leiter von Monitor (ARD) , bereits am 25. 8. 2015 in den Tagesthemen treffend kommentierte:

Aber wir sollten uns nicht täuschen: Klar, die rechtsextremen Gewalttäter und ihre brav-biederen Unterstützer sind eine Schande für dieses Land.

Die eigentliche Schande aber ist die deutsche und europäische Flüchtlingspolitik. Eine Flüchtlingspolitik die die Ursachen für die Flucht von Millionen Menschen nicht bekämpft, sondern sie immer wieder aufs Neue schafft.

Aber wer kritisiert diese Politik, Waffenexporte und auch eine wahrlich nicht soziale Politik in Deutschland, wirklich noch konsequent? Wenn das selbst den Linken von deren (ehemaligen) Wählern oft nicht mehr zugetraut wird ...

Ich bin wirklich kein Anhänger der AfD. Dass die anderen Parteien von ihrer Verantwortung für ihre schändliche und nicht soziale Politik und ihre Ratlosigkeit (oder mangelndes Können oder Wollen) für Antworten zu brennenden Fragen von zig Millionen Menschen damit ablenken wollen, dass sie nur noch auf der AfD herumhacken ist aber ja sicher auch keine gute, echte, bessere Alternative!

Man müsste der AfD ja INHALTLICH begegnen. Wenn man das überhaupt kann.

Denn was macht eigentlich die CSU, wenn sie ihre "Obergrenze" durchsetzt - und sich Flüchtlinge davon nicht abhalten lassen können, weil sie nicht nach Syrien, Afghanistan usw. zurück können?

Wird es dann nie Einsatz von Schusswaffen an Grenzen geben? Ganz sicher nicht?

Wieso wird, auch in Medien, nicht auch die Bundesregierung, CDU und SPD, kritischer zu ihrer von Herrn Restle beschriebenen Politik befragt- und ob Ankündigungen von Frau Merkel, dass sie alles tun möchte zur Vermeidung von Fluchtursachen überhaupt einigermaßen stimmen?

Warum wird so unkritisch zugelassen, dass Spitzenpolitiker von der Regierung nur noch gegen die AfD hetzen, weil die teilweise sagte, dass man eventuell zum Grenzschutz auch auf Flüchtlinge schießen muss - während mit Unterstützung der Bundesregierung doch bereits jetzt durch Waffenexporte unzählige Menschen deutschen Waffen zum Opfer fallen?!

Nach "Köln" wurden zwar nun auch Flüchtlinge öfters differenzierter dargestellt und teilweise auch die Verantwortlichen in der Flüchtlingspolitik sowie in Medien etwas kritischer hinterfragt.

Seither sind manchmal bei Bildern von Flüchtlingen mehr junge Männer zu sehen als Familien, Kinder.

Die Realität wird also etwas besser dargestellt, nach vielen Kritiken an diese oft verzerrenden Bildern.

Aber das geht wohl nicht weit genug. Denn eine weitere Frage ist doch,

warum Teilnehmer von AfD- Demos fast ausnahmslos eher "asozial wirkend" dargestellt werden. Aber warum wird die besagte Politik von SPD, CDU und CSU nicht öfters als wahrlich asozial dargestellt, entlarvt?

Und warum sieht man fast nie - wie nach wie vor oft bei Berichten über Flüchtlinge zu sehen - bei Berichten von AfD- Demos auch von dort öfters Bilder von teilnehmenden Familien inklusive Kindern, die auch süß aussehen?

Die gibt es sicher dort doch auch, unter (über) 15 % der Wähler, vielen ehemaligen Wählern etwa der CDU, Linken, ...

Selbst eine "Verteufelung" der AfD- Führer - anstatt endlich bessere inhaltliche Auseinandersetzung mit diesen, deren Argumenten - ist ja eher kontraproduktiv, bringt wenig. Und ist auch nicht objektiv (genug), wenn man nicht gleichzeitig auch die nicht soziale Politik anderer Partei- Größen genug kritisiert, entlarvt . Das ist sonst wirklich

viel zu einseitig!

Und ebenso wie bei der SPD, CDU und CSU sind auch bei der AfD nicht alle Mitglieder und Anhänger mit allem einverstanden, was die Führenden so tun (bzw. verbrechen). Trotz auch "asozialer" Politik der Führenden in den Regierungsparteien wird dort aber fast nie jemand, auch nicht von deren Anhängern oder auch von Flüchtlingshelfern, "asozial" dargestellt.

Nur AfD- Anhänger werden das ... Ob gewollt oder nicht - so führt das zu Vorurteilen, Vorverurteilungen und verhindert nötige Diskussionen, fördert auch Radikalisierungen. Denn alleine schon durch solche Darstellung hier die "Guten" (Sozialen?) und dort die "Schlechten" (Asozialen) abzustempeln ist sicher nicht zweckdienlich und auch nicht demokratisch.

Immer wieder wird betont, dass man aus der deutschen Geschichte lernen muss. JA!

Aber heißt das nicht auch eine streitbare Demokratie zu haben, das auszuhalten - natürlich in bestimmten Grenzen - und jegliche Stigmatisierungen zu unterlassen, ebenso wie Unterdrückung von Meinungsfreiheit?

AfD - Anhänger, auch wenn einem deren Meinung nicht passt, so "abzustempeln" und undifferenziert "asozial" darzustellen - und andererseits Anhänger von SPD, CDU, CSU und Flüchtlingshelfer fast immer sehr freundlich, vernünftig - verhindert aber freie Meinungsbildung. Denn wer möchte schon zu "den Asozialen" gehören?

Man sollte aber wirklich vorurteilsfreier hinhören, was Menschen auf deren Demos wollen. Dann kann man sehen, hören, was daran richtig ist oder nicht - und ob die AfD- Führer das wirklich faktisch vertreten. Außerdem kann man dann aber wirklich auch mehr hinterfragen, ob die Politik der Regierung wirklich christlich, sozial, demokratisch ist - und Konsequenzen aus all dem überlegen.

"Face to face" - vielleicht ja beide auch mit Kindern an der Hand - sieht man dann ja vielleicht auch mehr gemeinsame Anliegen, etwa Sorgen um die Zukunft unserer Kinder ...

Die uns auch mehr vereinen sollten im gemeinsamen Einsatz für deren Zukunft. Für eine sozialere Politik. Und gegen Heuchelei und Demagogie von Vertretern aller Parteien!

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