Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Mag. Wolfgang Ainetter Headshot

Sind die Österreicher die neuen Griechen?

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken
Getty
Getty

Was ist der Unterschied zwischen österreichischen und deutschen Politikern? Deutsche können rechnen.

Nach der Wahl am 29. September poppte im österreichischen Budget ein Milliardenloch auf. Kanzler Werner Faymann (SPÖ) und sein Vize Michael Spindelegger (ÖVP) zeigten sich „völlig überrascht". Immerhin fehlten im Haushalt unseres kleinen Landes (8,5 Millionen Einwohner) 40 Milliarden Euro. Nach zweiwöchiger Rechenarbeit gelang das mathematische Wunder. Die Regierungsspitze frohlockte: Hurra, in den nächsten fünf Jahren müssen „nur" 24 Milliarden eingespart werden! Zahlenakrobat Faymann: „Wer sagt, es gibt ein Loch im Budget, liegt falsch. Es ist alles in der Kassa, was drinnen sein muss." Aha!

Erste Konsequenz: Alle Wahlversprechen wurden abgesagt. Michael Spindelegger gab sich staatsmännisch und sprach in hoher Tonlage von einer „Mega-Aufgabe, die die Republik noch nicht gesehen hat". Polit-Sprech für verarschte Wähler: Die Große Koalition schürt ein Supersparpaket. Knapp vor Weihnachten kommt im Ski-Paradies Österreich die Steuer-Lawine. Werner Faymanns Motto könnte von Elmar Brandt stammen: „Ich erhöh' euch die Steuern, gewählt ist gewählt, ihr könnt mich jetzt nicht mehr feuern."

Die Ösi-Staatsrechner haben viele Zahlenrätsel vor sich: 8,7 Milliarden Euro müssen bis 2018 allein bei den Pensionen eingespart werden. Fiskale Zeitbomben wie die schwer maroden Banken Hypo Alpe Adria, Kommunalkredit und die Volksbanken-Gruppe dürften 5,8 Milliarden Euro verschlingen - schöngerechnet. Denn: Wie hoch die Haftungen des Staates in den kommenden Jahren tatsächlich sein werden, ist völlig ungewiss. Experten sprechen von bis zu 20 Milliarden.

Doch was kümmern einen Ösi-Politiker schon ein paar Milliarden mehr oder weniger. Hauptsache: Der Staatsfunk und die Boulevard-Tageszeitungen feiern mathematische Nullen als Sanierer.

Der österreichische Wirtschaftskammerpräsident hat unser Land kürzlich „abgesandelt" (österreichisch für "heruntergekommen") genannt. Fehlende Steuereinnahmen, schwaches Wirtschaftswachstum, Öster-arm. Die Bevölkerung stöhnt unter einer der höchsten Abgabelasten innerhalb der EU. Mehr als 400.000 Österreicher sind arbeitslos, im Winter könnte es bereits eine halbe Million sein.

Doch von längst nötigen Reformen, etwa einer Neustrukturierung der Finanzgebarung zwischen Bund und den neun Bundesländern, ist keine Rede. „Hättiwari", „tätikönnti" - Probleme lösen auf Österreichisch.

Laut einer „Nielsen"-Umfrage schätzen die Österreicher ihre finanzielle Situation sogar pessimistischer ein als die Pleite-Griechen. Da hilft nur mehr griechischer Wein zum Schönsaufen. Aber als Österreicher trinkt man lieber Grünen Veltliner. Und der schmeckt besser als jeder Retsina.