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Die Zukunft der Arbeit - drei Irrwege der Dystopisten, Naiven und Skeptiker und ein Heilspfad!

18/02/2017 10:54 CET | Aktualisiert 18/02/2017 10:54 CET
PeopleImages via Getty Images

Wohin entwickelt sich die Arbeit in der Zukunft? Natürlich ist es schwer, die Zukunft exakt vorherzusagen, da sie trotz der scheinbaren technologischen Determiniertheit gestaltbar ist. In diesem Beitrag werden aber die drei Scheinwahrheiten der Dystopisten, der Naiven und der Skeptiker kritisiert, die den öffentlichen Diskurs dominieren, und dann eine heilsbringende Alternative formuliert.

Wenn es uns nicht gelingt, jenseits der Effizienzoptimierungen die neue Logik der digitalen Wertschöpfung auch für neue Mehrwerte und eine Ausweitung der Wertschöpfungen zu nutzen, werden wir brennende Straßen erleben - da haben die Dystopisten Recht, weil dann durch Effizienz Arbeit sehr dramatisch abnimmt ohne das neue Arbeit dies ausgleicht.

Das ist aber keineswegs zwangsläufig wie allerdings auch eine 'Schöne Neue Welt' nicht zwangsläufig ist, auch wenn ein paar Startups Gegenteiliges transportieren. Am Ende werden wir erfolgreich sein, wenn neue Arbeit eine neue Wertschöpfung (mehr Innovation, mehr Service, neue Märkte) ermöglicht bzw. umgekehrt formuliert diese neue Wertschöpfung neue Arbeit erfordert. So einfach ist das eigentlich.

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Das Hagel-CIO-Modell: Wir werden nicht nur verlieren!

Alles andere müssen das Bedingungslose Grundeinkommen, die Besteuerung von Robotern (Bill Gates, s.u.) oder anderen Rahmenregelungen sicherstellen.

Vergessen ist die erste Bürgerpflicht für Zukunftsfähigkeit!

Wie ist das nun aber im Detail mit der Transformation?

Vergessen Sie zunächst besser alles, was man ihnen zur Zukunft der Arbeit erzählt hat. Leider ist die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass man Ihnen auf hohem Kompetenz-Niveau Unsinn vermittelt hat.

Schmerzend zieht im Kontext von Digitalisierung, Industrie 4.0 und New Work eine unheilige Trinität aus Dystopisten, Naiven und Skeptikern durch das Land und verbreitet Botschaften, die entweder wahlweise Chancen oder Gefahren ausblenden (Dystopisten und Naive) oder sich vom hohen Roß des Besserwissens dem Zugeständnis eines Wandels verweigern (Skeptiker). Vieles, was sie formulieren, mag sogar richtig sein, der Absolutheitsanspruch ist es aber nicht.

Das ist absolut sicher ;-).

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Die Freiheit führt das Volk Eugène Delacroix, 1830 Öl auf Leinwand

Denn viele der Irrlehrenden verstehen nicht nur nicht die neue Logik der neuen Wertschöpfung. Schlimmer noch - sie werden uns im Worst Case auf die ein oder andere Art durch Ihr Nicht-Verstehen auf schmerzhafte Pfade fehlleiten, den Geschichte ist nur in the long run - wenn wir alle tot sind - teleologisch, dazwischen müssen wir im schlimmsten Falll mit Pfadabhängigkeiten leben, die auch Irrwege einschließen.

Falsche Szenarien führen zu falschen Entscheidungen oder Nicht-Entscheidungen, deswegen sollten wir die Propheten besonders kritisch hinterfragen.

Im schlimmsten Fall werden Straßen brennen, weil wir nicht das richtige Zukunftsszenario erkennen und gestalten oder nicht rechtzeitig die notwendigen Fähigkeiten im Rahmen unserer Kompetenz-Entwicklungs-Plattformen ("Schule", "Universität", "Unternehmen", ...) sicherstellen können.

Mehr zum Thema: Hardware allein macht noch keine digitale Schule aus

Bevor es schief läuft, möchte der Autor dieses Beitrags zumindest einmal bemerkt haben, dass es schief laufen könnte. Wenn dann alles schief läuft, kann man dann rückblickend rechthaberisch die Hände in Unschuld waschen und zurecht ausrufen: "habe ich es Euch gesagt oder habe ich es Euch gesagt?".

Aber nun ernsthaft: Was läuft falsch und wie könnte es richtig laufen?

Eine neue Hoffnung vorweg

Bevor wir in den deprimierenden Teil dieses Beitrags einsteigen ("was läuft falsch") sei vorweg die hoffnungsvolle Botschaft eines Jung-Politikers vorangestellt, allerdings mit leichter Modifikation. Sattelberger sprach in "Das demokratische Unternehmen" von Unternehmensdemokratie.

Hier sei Unternehmensdemokratie durch den sperrigen Term "Neudenken / Neugestalten der Arbeit" in seiner Vielfalt ersetzt, da New Work und Arbeiten 4.0 zum Teil unglücklich bzw. einschränkend konnotiert sind.

Dann gelangt man zur folgenden frohen Botschaft Sattelbergers (erweitert verstanden):

Wenn die deutschen Unternehmen den Weg

des Neudenkens und Neugestaltens der Arbeit ... gehen,

können sie wieder innovationsfähiger werden,

jenseits von Effizienz- und Rationalisierungsinnovationen.

---

Ein Unternehmen, das die Arbeit neu denkt und gestaltet, kann

an technologischer und sozialer Innovationskraft gewinnen,

weil technologische und soziale Innovationen wie Zwillinge sind.

Mit anderen Worten: Dass wir nur Jobs durch mehr Effizienz verlieren, kann gerade durch ein Neudenken und Neugestalten von Arbeit verhindert werden.

Irrweg 1: #DigitaleDystopisten, ceteris paribus, sonst wird es kompliziert

Damit kommen wir direkt zu den Digitalen Dystopisten, die das eben allzuoft übersehen. Digitale Dystopisten wie der SPIEGEL & Co und viele der multiplen Copy-Cats der Oxford-Studie (s. hier) erkennen einen Wandel, verstehen aber nicht die neue Logik der Wertschöpfung, die sich am Horizont abzeichnet.

So können dann z.B. unsinnige Studienergebnisse diffundieren, deren Autoren durch falsche "ceteris paribus"-Annahmen (alles bleibt ansonsten gleich, nur Automatisierung und AI machen uns effizienter) nur eine Abnahme von menschlicher Arbeit durch Roboter sehen, aber nicht erkennen, wie im Rahmen einer neuen Wertschöpfungslogik (die sie nicht erkennen) ganz neue Wertpotenziale durch bessere Innovationen und smartere Services entstehen, wie es u.a. - s. oben - das CIO-Modell von Hagel transportiert, der eine Abnahme bei O (Operations) sieht, aber eine Ausweitung bei C (Customer) und I (Innovation).

Auf einer Konferenz zum Thema Lean führte die Management-Vordenkerin Stephanie Borgert die Halb-Wissenden beispielhaft vor, als sie Untergangsprognosen zur Zukunft der Arbeit aus SPIEGEL & Co zitierte - aber nicht aus Ausgaben von 2017, sondern aus den 80ern. Damit soll hier keine kritische Sicht auf die Zukunft kritisiert werden.

Kompetente Kritiker wie Professor Syska treiben sogar produktiv die ökonomische und gesellschaftliche Innovation. Syska erkennt aber zugleich bei aller Kritik auch die Potenziale, selbst wenn deutsche Unternehmen sie noch zu selten heben.

Mehr zum Thema: Viele Chefs wünschen sich jetzt Roboter - weil sie ihre Mitarbeiter fürchten

Irrweg 2: #DigitaleNaive, schöner Arbeiten als Hedonismus

Den Digitalen Dystopisten stehen die Digitalen Naiven gegenüber. Naiv sind nicht nur viele Pilger, die mit großen Kulleraugen ins silikone Tal pilgern und alles super "disruptive"und uneingeschränkt unnd unkritisch nachahmenswert finden, sondern auch die Futuristen und Transhuanisten im silikonen Tal selbst.

Geschichtsvergessen erkennen diese Naiven nicht, dass eine einseitige Glorifizierung der Technologie und eine Geringschätzung des Menschlichen, einst die damaligen Futuristen vor dem Zweiten Weltkrieg in die Arme des Faschismus Mussolinis trieben. Wer glaubt, dass alleine durch einen maximalen technischen Fortschritt und Everything Goes die Menscheitsgeschichte utopisch im besten Sinne verlaufen wird, handelt gemeingefährlich naiv.

Nur, weil im eigenen Büro ein Kicker steht und Inseln der Glückseligkeit aus Investorengeldern oder Monopol-Renditen finanziert werden, ist eine nachhaltige Verbesserung der Arbeitssituation in der globalen Perspektive nicht sichergestellt. Der Spaß an der Arbeit auf dem Campus von Apple & Co wird nicht selten mit dem Leiden an der Arbeit am Ende der Wertschöpfungskette bezahlt.

Irrweg 3: #DigitaleVerweigerer, unbegründete Skepsis ist keine Theorie

Die Irrwege der Dystopisten und der Naiven verleiten die Digitalen Verweigerer und Skeptiker dazu, davon auszugehen, dass sich Zukunft am Ende doch weitgehend linear ohne Brüche entwickelt. Da wird dann gerne und vorschnell von Gags, Hypes oder Buzzwords gesprochen und jede Neuausrichtung der Arbeit leichtfertig als irrelevant klassifiziert. Die abwertenden Begriffe sind dem Skeptiker seine ontologische Wolke und Waffe wie es "Gutmensch" und "Lügenpresse" für den AFDler sind. Manchmal haben Skeptiker partiell recht.

Es gilt oft eine Heuristik, dass Entwicklungen am Ende doch länger dauern als man anfangs denkt (schauen Sie sich einmal Zurück in die Zukunft II an). Diese Heuristik sagt aber zugleich, dass dann aber oft auch die Wirkungen am Ende sogar größer sind als man gedacht hat. Die Welt wird sich sehr fundamental Wandel, vielleicht braucht sie manchmal etwas länger als gedacht.

Heilspfad Humanzentrierung

So weit, so schlecht! Was ist dann die Alternative? Wir müssen die Chancen und Risiken einer neuen Logik der Digitalen Wertschöpfung erkennen, aber auch unsere Gestaltungsfreiheit jenseits scheinbarer Determinismen leben und uns dabei für eine radikale Humanzentrierung entscheiden.

Das silikone Tal hat doch nicht in seiner Gesamtheit die Welt zu einer besseren gemacht. Wer hier Markt, Profit und einseitige Freiheiten glorifiziert, sich vom Blink-Blink der Gadgets und Skalierungen täuschen lässt und nicht souverän humanzentrierte Gesellschaften und Unternehmen einfordert, der ist am Ende selber schuld.

Politik und Ökonomie erkennen das aber zum Glück, jedenfalls wenn man beispielhaft dem Beitrag von Staatssekretär Matthias Machnig folgt. Initiativen wie die Industrie 4.0 Human oder das Netzwerk der "Humanzzentrierten" um Kai Anderson (s. hier) ergänzen die Politik von der Graswurzel. Tobias Kollmann baut schließlich die notwendigen Brücken (s. hier).

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Bill Gates über neue Jobs und Roboter-Steuern, s. hier

Bill Gates, der Vater von Microsoft und dem Kreativen Kapitalismus, denkt darüber nach, wie die Roboter-Besteuerung zum Teil andere Jobs finanzieren kann. Götz Werner denkt über das BGM nach. Es tut sich also einiges auf dem Heilspfad.

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