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Industrie 4.0 - wie bewerten Experten die Relevanz und Chancen und Risiken?

26/05/2017 15:37 CEST | Aktualisiert 26/05/2017 15:38 CEST

Ist Industrie 4.0 nur ein Marketing-Begriff oder von wirklicher Relevanz? Wie sind Chancen versus Risiken zu bewerten? Drohen menschenleere Fabriken ... oder steht der Mensch im Mittelpunkt? Um das zu bewerten, sollte man eine Branche betrachten, die schon länger vom integrativen Industrie-4.0-Denken geprägt ist, auch wenn sie vielleicht nicht den Begriff verwendete: Die Intralogistik. Wohin entwickelt sich also die Intralogistik, die Branche der Logistik innerhalb eines Unternehmens, und ist Industrie 4.0 ein Thema / das Thema? Der beste Ort um dies zu erfahren ist das Branchen-Treffen, die LogiMAT in Stuttgart.

Ein Blick zurück ...

Vor fünf Jahren - 2012 - waren die Themen vielfältig, als sich Experten von SSI Schäfer, Still, Interroll, Xelog und dem Bundesverband für Einkauf und Materialwirtschaft auf Einladung von Competence Site und Interroll trafen.

  • Effizienz,
  • Nachhaltigkeit (Green Logistics),
  • Demographie,
  • Globalisierung ...

kein Thema dominierte damals die Diskussion.

Legendär war der ehrliche Ausspruch von Rainer Buchmann von SSI Schäfer:

„Grün alleine gewinnt Ihnen keine Aufträge".

Unerwartet offen machten die Experten klar, dass insbesondere in Schwellenländern wie China jenseits der Nachhaltigkeits-Ansprüche vor allem die Kosteneffizienz im Vordergrund stand.

Zugleich zeigten aber auch damals schon Hinweise auf den Augmented Operator und Software-Ergonomie wie wichtig Technologie sein kann, um z.B. Inklusion und Demographie-Anpassungen zu meistern.

Und wie sieht es heute aus?

... nach vorne

Fünf Jahre später hat nun ein Unternehmen der Runde, SSI Schäfer, den Ball aufgegriffen und den Gedankenaustausch in einer Let's-Talk-Serie mit prominenten Köpfen wie n-tv-Moderatorin Gesa Eberl und Thilo Jörgl, Chefredakteur LOGISTIK HEUTE, fortgesetzt. Auch diesmal waren die Themen vielfältig.

So wurden u.a. diskutiert:

  • Intralogistik 4.0/Industrie 4.0 - Chancen und Risiken
  • Megatrend Digitalisierung - IT in der Intralogistik
  • Die Rolle der Robotik und FTS in der Intralogistik
  • Wie flexibel ist die High Performance Intralogistik?
  • Green Logistics - Energieeffiziente Gebäude und Intralogistik aus einer Hand - Handel und Automatisierung - wohin geht die Reise?
  • Relevanz der Branchenkompetenz in der Intralogistik am Beispiel der Fashion-Industrie

Betrachtet man diese Themen genauer, so ist die neue Reelevanz klar.

Neben Branchen-Themen lag der Fokus deutlich auf Industrie 4.0 und Unterthemen der Digitalisierung, auch wenn natürlich wieder Green Logistics thematisiert wurde.

Die wichtigste Botschaft erfolgte dabei am Schluss: „Industrie 4.0 - Mehr Chancen oder mehr Risiken". Alle Experten als Vertreter von Anbietern, Medien und Anwendern waren sich einig:

„Mehr Chancen".

Da wo früher Kosten im Vordergrund standen, unterstützt Industrie 4.0 heute zwar auch Effizienz, zugleich aber eben auch eine deutlich höhere Flexibilität.

Es war dabei wieder die Rolle von Rainer Buchmann mit einem ehrlichen Statement die Diskussion zu bereichern, diesmal gleich zu Beginn. „Was ist Industrie 4.0 ...", fragte Gisela Eberl und erwartete wahrscheinlich eine Definition wie sie von der Plattform 4.0 und anderen veröffentlicht wurde. Rainer Buchmann desillusionierte stattdessen mit seiner Aussage:

„Alles und nichts".

In der Tat leidet die Industrie 4.0-Community unter einer großen Heterogenität des Begriffsverständnisses.

Buchmann machte klar, dass der Begriff vor allem allzu oft marketingtechnisch missbraucht würde, um Modernität auszudrucken. Sein Hauptfokus war M2M, die neue autonome Maschine-Zu-Maschine-Kommunikation. Es wurde aber schnell klar, dass über die Maschinen-Kommunikation hinaus insgesamt die Kollaboration von allen Akteuren, also auch von Mensch-Zu-Maschine und von Mensch-Zu-Mensch oder von Produkt-Zu-Maschine, zu verbessern ist. Die Technik ist dabei in fast allen Branchen kein Problem.

Besonders profitieren wird nach Buchmann vor allem der Transport bzw. der Versand, wenn Transporteinheiten den Güterfluss, aber auch z.B. die Beladung mit steuern. Thilo Jörgl zeichnete ein noch radikaleres Bild von leeren Hallen, die je nach Bedarf sich vollkommen fluide neu organisieren. Hier war Sven Göhring, Leiter Technik, KNV Logistik GmbH, für die nahe Zukunft skeptischer. Rainer Buchmann gelang der Brückenschlag. Danach würde der Flexibilitätsdruck die Linie nie vollkommen ersetzen, zugleich aber würden z.B. diskrete Elemente und Schwarm-Intelligenz auch jenseits der radikal leeren Hallen für eine deutlich höhere Anpassbarkeit sorgen.

So weit, so vielversprechend. Das klang fast zu schön. Die Experten machten aber auch klar, dass vor allem zwei Themen den breiten Erfolg erschweren: Fehlende Standards und Sicherheitsfragen. Hier war aber insbesondere Rainer Buchmann optimistisch, dass der Marktdruck heilsam sein wird.

Und was ist mit dem Menschen in der Intralogistik 4.0? Auch da war am Schluss die Meinung der Experten eindeutig. Dystopische Prognosen von menschenleeren Hallen waren und sind falsch. Es wird allerdings notwendig sein, Menschen durch Qualifikation für die Welt 4.0 mitzunehmen. Dann aber bedeutet 4.0 auch für die Mitarbeiter mehr Chancen als Risiken.

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