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Der Mensch und die Arbeit in der Industrie 4.0

Veröffentlicht: Aktualisiert:
INDUSTRIE 40
dpa
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Es wird immer deutlicher, zuletzt auch in Hannover: Industrie 4.0 bedeutet eine fundamentale (neudeutsch "disruptive") Änderung unserer Ökonomie und ihrer Wertschöpfung, die über eine lokale Optimierung von Technik hinausgeht.

Sie geht damit jeden an bzw. jeder wird direkt oder indirekt zum NutznieĂźer oder Betroffenen. Zugleich besteht groĂźe Verunsicherung ĂĽber die Auswirkungen 4.0, insbesondere was den Menschen und seine Arbeit im neuen Produktionskontext angeht.

Der nachfolgende Beitrag, der auf einem Beitrag im Industrie 4.0-Magazin von PSIPENTA basiert, beleuchtet daher diese Auswirkungen 4.0 anhand einiger der zentralen Thesen und Studien zum Thema.

Am Schluss wird eine neue Kompetenz-Partnerschaft formuliert, die nicht nur den Mitarbeiter und die Maschine kollaborativ verbindet, sondern alle Stakeholder mitnehmen wird. Die frohe Botschaft aus Hannover: Die führenden Köpfe setzen bereits auf Kollaboration!

Allgemeine Verunsicherung 4.0

Quo Vadis Mensch und Arbeit 4.0? Das war auch eine der zentralen Fragen der Hannover Messe Industrie 2015, insbesondere im Rahmen einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion beim Forum Industrie 4.0 auf der HMI. Die Verunsicherung ist dabei groß und deswegen war das enorme Besucherinteresse verständlich:

- Während die einen 50% der Jobs durch den digitalen Wandel verloren sehen, insbesondere aufgrund der Studie von Frey und Osborne, frohlocken andere wie Boston Consulting über Hundertausende neuer Arbeitsplätze durch Industrie 4.0.

- Während die einen eine neue Form der Ausbeutung erkennen wollen, schwärmen andere wie die Wissenschaftler vom Fraunhofer IAO über Humanisierung der Arbeit, bei der Arbeit zum Spaß wird.

- Während die einen uns mit „sozialen" Maschinen im Team arbeiten sehen, wo die Maschinen sozial werden und sich die Trennung von Mensch und Maschine in einer engen Kollaboration auflöst, sehen andere Roboter als unsere zukünftigen Manager.

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Bild 1: Allgemeine Verunsicherung bei Mensch und Arbeit 4.0

Wie aber wird sich der Wandel für Mensch und Arbeit tatsächlich auswirken? In diesem Beitrag wird aufgezeigt, dass prinzipiell quantitativ und qualitativ „alles" möglich ist. Daher wird aber jenseits von einer "passiven" Betrachtungsperspektive und der Annahme von einem schicksalhaften Technikdeterminismus dafür plädiert, unsere Gestaltungsfreiheit für ein Zielparadigma der neuen Kollaboration und für eine neue Kompetenz- und Werte-Partnerschaft zu nutzen.

Dieses Paradigma setzt auf das gemeinsame Schaffen von „mehr Werten" im Netzwerk statt nur auf eine gesteigerte Effizienz und den Abbau von menschlicher Arbeit als Kostenfaktor. Nicht nur Mensch und Maschine müssen dabei als Mehrwert-Partner mit ihren Fähigkeiten zusammenwirken, sondern auch Mitarbeiter, Management, Aktionäre und Bürger. Dafür müssen wir Industrie 4.0 als gesellschaftliches Thema erkennen und gestalten. So weit, so theoretisch ...


Video 1: Der Wandel ganz konkret: Industrie 4.0 bei Volkswagen

Die Roboter bei VW auf dem Vormarsch

Grau teuerer Freund, ist (aber) alle Theorie (Mephisto in Faust). Rechtzeitig zur Fertigstellung dieses Beitrags (für das oben genannte Industrie-4.0-Magazin) konnte man z.B. in der Wirtschaftswoche lesen, dass VW tatsächlich und konkret in großem Umfang Menschen durch Roboter ersetzen wird.

Zum einen könne man so Kosten senken und zum anderen nicht ergonomische Arbeit abschaffen, qualifizierte Arbeit verstärken und Beschäftigung sichern, so VW. Auch der NDR berichtete rechtzeitig zur Hannover Messe über Industrie 4.0 bei Volkswagen. s. Video 1. Mit diesem Entscheidungskalkül, das Wirtschaftlichkeit und Mitarbeiterinteressen harmonisiert, ist Volkswagen keine Ausnahmeerscheinung.

Wer den Wandel 4.0 verstehen will, muss generell vor allem die Interessen der Beteiligten als Treiber (bzw. Pull), aber natĂĽrlich auch die Technologie als System-Enabler (bzw. Push) verstehen.

Stakeholder-Interessen als „Treiber 4.0"

Das VW-Beispiel zeigt besonders deutlich auf, was bei einer realistischen Prognose unsere Zukunft jenseits aller Zahlenspiele ganz wesentlich ist: Die Veränderung geschieht nicht zufällig, vielmehr ist sie Ergebnis der Interessen der relevanten Stakeholder, vor allem auch der Aktionäre (und damit auch des Managements).

So müssen vor allem die Aktionäre von VW an der Senkung der Kosten interessiert sein, um auch zukünftig die Wettbewerbsfähigkeit sicherzustellen. Wenn eine „menschliche" Arbeitsstunde bei 40 € liegt und eine Roboter-Arbeitsstunde nur bei 3 bis 6 €, dann ist verständlich, dass Aktionäre bzw. neudeutsch Shareholder Kosteneinsparungen wünschen und nach Alternativen rufen.

In vielen Unternehmen ist diese Kostenorientierung aufgrund der einfachen Umsetzung ein dominierendes „Zukunftsparadigma" (Zukunft = weniger Kosten). Vor allem wenn ein CEO zuvor als CFO tätig war, wird er potenziell zu einer Fokussierung in diesem Sinne neigen.

Aber auch Arbeitnehmer als Stakeholder bzw. ihre Vertreter wie der Betriebsrat werden den Wandel natürlich aus ihrer Interessenslage begleiten. Wenn die heutigen Mitarbeiter nicht entlassen werden und belastende Tätigkeiten wegfallen, dann findet der Wandel der Arbeit - zumindest bei VW und sicher nicht untypisch - den Segen der Arbeitnehmer. Zukünftige Generationen werden aber darunter leiden, wenn verfügbare Arbeit systematisch und alternativlos abnimmt.

Technologien als „Enabler 4.0"

Droht also das Ende der Arbeit wie Rifkin schon 1995 prognostiziert hat und das sogar im Konsens? Auch Andrew McAffee, der Co-Autor von Second Machine Age, stimmt ihm hier zu, nicht nur im Rahmen seiner visionären Rede auf der TED-Konferenz (s. Video 2). Ein Stakeholder öffnet allerdings eine ganz neue Perspektive, der Kunde, aber dazu mehr später.

Zuvor ist für die gewünschte Prognose neben dem Verständnis der Shareholder als „Treiber" das Verständnis der Technologien als „Enabler" wesentlich.

Das VW-Beispiel suggeriert eine lokale Substitution durch Automatisierung als wichtigster Auswirkung von Industrie 4.0. Automatisiert wird aber eigentlich schon länger (= Industrie 3.0!). Was jetzt wirklich „paradigmatisch" an der Industrie 4.0 und ihren Technologien neu ist, ist vor allem das deutliche MEHR an kostengünstiger, vernetzter, dezentraler Intelligenz und dezentraler Kommunikations- und Kooperations-Fähigkeit.

Diese neue Befähigung betrifft nicht nur klassisch den RFID-Chip am Produkt oder teilautonome Fahrzeuge, sondern auch Mitarbeiter und soziale Medien und neue Steuerungssysteme, die Menschen und Maschinen übergreifend in neuer Qualität zusammenwirken lassen. Daraus erwächst eine neue Kollaborationproduktivität im Netzwerk als Paradigma für die Industrie 4.0 und eine so leistungsfähigere Wertschöpfung durch:

  • verbesserte („agilere", vernetztere, ...) und neue Services und Produkte durch
  • verbesserte („agilere", vernetztere, ...) und neue Strukturen und Prozesse!

Das erst ist jenseits der Cyber-Physical Systems wirklich Industrie 4.0 und bedeutet weit mehr als nur eine effizienzsteigernde Automatisierung. Wer ĂĽber die Zukunft der Arbeit 4.0 nachdenkt, muss also insbesondere die damit verbundenen neuen Wert-Chancen mit beleuchten und sich nicht in statischen Substitutions-Szenarien verlieren.

Die Kunst wird es bei der „kreativen Zerstörung" im Sinne Schumpeters sein, auf die "Zerstörung" menschlicher Arbeit durch Automatisierung auch die neue "Kreation" von Arbeit durch die "Wert-Kreation" für den Kunden anzuschließen und Rahmenbedingungen wie Qualifikationsmaßnahmen oder Steuerpolitik zu schaffen, die eine solche kreative Entwicklung wahrscheinlich machen.

Nicht umsonst setzt die Bundesregierung nun komplementär zu „Industrie 4.0" auf „Smart Services", und der Industrie-4.0-Kopf Kagermann ist auch sinnvoller Weise Co-Vorsitzender des Arbeitskreises Smarter Service Welt.

Auf dieser Analyse der Treiber und Enabler können jetzt die gegenläufigen quantitativen wie auch qualitativen Effekte auf Mensch und Arbeit in der Industrie 4.0 im Detail beleuchtet werden.


Video 2: Andrew McAfee: What will future jobs look like?

Quantitative Auswirkungen 4.0

Bei der Quantität ergibt sich das Gesamt-Delta aus mehreren Teilfaktoren, u.a. der veränderten Nachfrage, dem zukünftigen Anteil des Menschen an der Produktion und - national bzw. für Deutschland betrachtet - natürlich unserem Standortvorteil oder Standortnachteil. Also

Quantitative Zukunftsformel fĂĽr die Arbeit 4.0 (mit d# = Delta)

d#(Arbeit40 in D) =
d#(Nachfrage) * d#(Wettbewerbsfähigkeit D) * d#(Anteil Mensch in D)

In den Dystopien 4.0 sind alle Deltas negativ, zum Teil sogar selbstverstärkend:

  • Die Automatisierung fĂĽhrt zu menschenleeren Fabriken,
  • Menschenleere Fabriken fĂĽhren zu Dualisierung und Einkommens- bzw. NachfragerĂĽckgängen (s. den fast schon historischen Dialog Ford-Reuther, u.a. beim Ted-Vortrag von McAfee bzw. im Video 2).
  • Deutschland-Pessimisten fĂĽrchten zudem Silicon Valley (Google! Apple!) und/oder China und Indien als zukĂĽnftig ĂĽberlegene Wettbewerber.

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Tabelle 1: Alternative quantitative Auswirkungen der Industrie 4.0

Die Gesamtbilanz der drei Faktoren ist dann - wenn alle drei Faktoren negativ ausfallen - tatsächlich die Apokalypse der Arbeit in Deutschland. So weit, so schlecht, so alternativlos? Keineswegs!

Wenn wir, wie oben gefordert, in Deutschland alle Energie zukunftsorientiert darauf ansetzen, neue Potenziale der Wertschöpfung (Smarter Services!) zu realisieren und den Menschen als Flexibilitäts- und Zufriedenheitsgaranten in der Industrie 4.0 zu positionieren, dann müssen wir Wettbewerb und Entmenschlichung nicht fürchten. Jeder Technikdeterminismus, der den Menschen als Schöpfer unterschätzt, irrt systematisch.

Am Ende zählt natürlich die Netto-Bilanz. Ob sich die Automatisierung schneller als die neue Wertschöpfung und der Nachfragezuwachs auswirken wird oder nicht, ist umstritten (McAfee ist skeptisch), aber vor allem eins nicht: deterministisch (vielmehr gestaltbar!).

Zudem wird in Deutschland oft die demographische Entwicklung ignoriert. Selbst wenn die Arbeit netto abnehmen sollte, könnte trotzdem ein Mangel an Fachkräften entstehen, wenn zugleich die Zahl qualifizierter Arbeitnehmer schneller abnimmt.

Quantitative Zukunftsformel für die Beschäftigung 4.0 (mit d# = Delta)

d#(Beschäftigung 4.0 in D) =
d#(Arbeit 4.0 in D) * d#(demographische Entwicklung in D).

Qualitative Auswirkungen 4.0

Analog kann die Qualität der neuen Arbeit unter 4.0 leiden oder auch nicht. Wenn wir alle Mitarbeiter substituieren/ausschließen, die „minderqualifiziert" sind, wenn uns die neue Komplexität überfordert, wenn der Mensch zum Handlanger einer maschinellen Fremdbestimmung wird und Flexibilität vor allem Flexibilitätszwang bedeutet, dann ist Industrie 4.0 ein Bedrohungsszenario für die Qualität der Arbeit.

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Tabelle 2: Alternative qualitative Auswirkungen der Industrie 4.0

Aber auch hier ist dieses Szenario nicht alternativlos. Man muss nicht Utopist sein, um neue Technologien als Inklusions-Hilfe für Ältere oder Behinderte zu erkennen und auch Minderqualifikationen können durch Qualifikation, aber auch durch Technologie bzw. Vernetzung ausgeglichen werden.

Humanisierung der Arbeitsumgebung kann dazu fĂĽhren, dass Arbeit noch mehr SpaĂź macht, selbst wenn nicht jede Schnittstelle wirklich Gamification erleiden muss. Aber natĂĽrlich sind moderne mobile Technologien frĂĽheren Systemen deutlich ĂĽberlegen und unter der Forderung einer User Centricity werden auch die Prozesse positiv auf den Menschen ausgerichtet.

Wenn wir schließlich bei der Kollaborationsproduktivität in vernetzten System den Mensch in den Mittelpunkt der Gestaltung stellen, gelingen uns potenziell Selbstbestimmung/Souveränität und Work-Life-Balance besser denn je.

Ein zukunftsoptimistisches Zielszenario fĂĽr Mensch und Arbeit 4.0

Also auch hier gilt ein eindeutiges „sowohl als auch". Was aber bestimmt dann die tatsächliche Zukunft? Es ist unsere Gestaltungsfreiheit und das gemeinsame Ziel-Szenario. Wenn wir die Kollaborationsproduktivität durch eine neue Competence-Networking-Ökonomie 4.0 realisieren, wo mehr Werte und nicht nur weniger Kosten und der Mensch im Mittelpunkt stehen, dann ist eine positive Zukunft keine Utopie.

Ansonsten ist die Dystopie 4.0 sicher. Die Formeln für Utopie und Dystopie 4.0 finden sich in Tabelle 3. Wir entscheiden uns pointiert für „mehr Werte" oder „nur billiger" bzw. „nur effizienter" (s. Beitrag von Frau Dr. Constanze Kurz, IG Metall).

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Tabelle 3: Strategien 4.0 fĂĽr Dystopie oder Utopie

Wenn wir am gesellschaftlichen Positivszenario interessiert sind (was ja keine Frage sein sollte, aber im Konkreten u.U. eine mutige Entscheidung!), mĂĽssen wir auch aktiv die Zukunft/die Rahmenbedingungen gestalten, z.B.:

  • Ein kreatives und kollaboratives Arbeitsumfeld (FĂĽhrung, ...) schafft Raum fĂĽr Innovationen, insbesondere fĂĽr die Entwicklung neuer Produkte und Services
  • QualifizierungsmaĂźnahmen fĂĽr Mitarbeiter sichern die dafĂĽr notwendigen alten und neuen Kompetenzen von Mitarbeitern ab.
  • Technologie kann bei Ă„lteren, Behinderten etc. ein „Kompetenz-Partner" sein, um eine Inklusion möglich zu machen
  • Technologie kann auch generell ohne transhumanistische Wahnvorstellungen „menschliche" Kompetenzen wie Kommunikation, Flexibilität und Entscheidungsfähigkeit (Analytics!) erst zur neuen Reife „empowern".

Hier muss man an den Mitarbeiter denken, aber vor allem auch Aktionäre, Kunden und den Staat mitnehmen bzw. letztere sogar zu Treibern der gewünschten Wandlung machen. Aktionäre werden aus ihren Interessen heraus keine gutmenschlichen Maßnahmen als Selbstzweck befürworten.

Daher kommen den Kunden und dem Staat als treibende Stakeholder Schlüsselrollen für die Zukunft zu. Wenn solche fähigkeitsorientierten Maßnahmen zu besseren Services für Kunden und damit zu mehr Umsatz führen und Kunden dies auch wertschätzen bzw. bezahlen und staatliche Rahmenbedingungen (Förderung von Qualifizierung, neue Besteuerung, ...) menschliche Mitarbeit nicht mehr belastet, sondern empowert, dann sollten Mehr-Werte für alle Stakeholder in der Industrie 4.0 gelingen und insbesondere heutige und zukünftige Mitarbeiter vom Wandel profitieren.

Gewerkschaften (s. u.a. Beitrag von Frau Dr. Constanze Kurz, IG Metall) wie auch Unternehmensberatungen (s. Beitrag von Uwe Weber Detecon) setzen glücklicherweise zunehmend auf einen solchen wert-, service- und fähigkeitsbasierten Ansatz.

Zusammenfassung und Appell

Der Mensch und die Arbeit in der Industrie 4.0 ist ein gesellschaftliches Thema, bei dem wir eine Schicksalsgemeinschaft bilden. McAfee zitiert in in diesem Sinne den oben bereits erwähnten historischen Dialog zwischen dem Unternehmer Ford und dem Gewerkschafter Reuther:

Henry Ford II:
Walter, how are you going to get those robots to pay your union dues?

Walter Reuther:
Henry, how are you going to get them to buy your cars?

Diese Anekdote zeigt uns, wie wir in einer Netzwerk-Ă–konomie schicksalshaft verbunden sind (und schon immer waren). Ziel sollte daher eine Kompetenz-Partnerschaft aller Stakeholder sein, die kreativ im Netzwerk mehr Werte fĂĽr alle schafft, statt nur auf Kostenabbau zu schielen.

Wir haben als Mitarbeiter, Kunden, Aktionäre und Bürger eine Gestaltungsfreiheit und können mehr als nur Opfer eines scheinbaren Technikdeterminismus sein. In Anlehnung an einen sehr bekannten Zukunftsforscher aus Trier gilt auch hier: Philosophen haben Industrie 4.0 verschieden interpretiert; es kommt aber darauf an, sie zu verändern!

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Bild 2: Kompetenz-Partnerschaft von Menschen und Maschinen

Ein Nachtrag ausHannover: Die frohen Botschaften von der HMI 2015

Soweit der Beitrag des Autors vor der Hannover Messe 2015. Und was war los in Hannover? Hier bestätigte sich zum Glück doppelt, dass Deutschland mit der Industrie 4.0 auf einem guten Weg ist, was Mensch und Arbeit in der Industrie 4.0 angeht.


Video 3: Der Mensch im Mittelpunkt (oder der ĂĽberwachte Mensch)

  • Rainer Glatz, einer der Väter der Industrie 4.0, hatte das Who-Is-Who zu diesem Thema im Rahmen des Forums Industrie 4.0 zusammengerufen, d.h. Professor Henning Kagermann von der acatech, Frau Dr. Constanze Kurz von der IG Metall, Herrn Johann Soder von SEW Eurodrive und Professor Dieter Spath von Wittenstein (bzw. frĂĽher Fraunhofer IAO).

    Das Einspiel-Video von Rainer Glatz (s. Video 3) wurde von den Experten dahingehend bestätigt, dass in der Industrie 4.0 der Mensch im Mittelpunkt stehen müsse. Eine Überwachung und Fremdsteuerung des Mitarbeiters - wie sie im Video auch angedeutet wurde - lehnte man aber entschieden ab. Einem solchen Taylorismus 4.0 wurde die partnerschaftliche Kollaboration von Mensch und Maschine und der Mensch als Dirigent und kreativer Problemlöser der neuen Industrie 4.0 entgegengesetzt.

  • Aber nicht nur in der Theorie setzte man in Hannover auf die neue Kollaboration. Bei KUKA konnte man vor Ort sehen, wie neue "sensitive" Roboter und Menschen zusammenwirken können und SEW Eurodrive hatte eine ganze Demonstrationsproduktion 4.0 in Hannover realisiert. Assistenzsysteme unterstĂĽtzen bei SEW Eurodrive den Produktionsmitarbeiter und realisieren so völlig neue Produktionskonzepte, so Soder dann auch auf der Pressekonfrenz von SEW Eurodrive

Merken Sie sich die 71% und Frau Sabine Pfeiffer

Das waren aber nicht die einzigen frohen Botschaften. Rainer Glatz hatte als Eröffnungsvortrag auch Frau Professor Sabine Pfeiffer von der Universität Hohenheim eingeladen und sie verkündete - vom Autor dieses Beitrags unerwartet - eine der wichtigsten Botschaften in Richtung Mensch und Arbeit 4.0 für Deutschland:

Nach ihren Analysen sind 71 Prozent der Beschäftigten in Deutschland, insbesondere durch unsere duale Ausbildung, fit für Industrie 4.0 und dieser Wert ist wahrscheinlich weltweilt einmalig. Insofern: Wir sind gut aufgestellt, jetzt gilt es, auf dieser Basis die richtigen Maßnahmen zu realisieren und unsere Erfolge auszubauen!

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Bild 3: Deutschlands Beschäftigte sind gut aufgestellt für 4.0 (Quelle: Sabine Pfeiffer)

Video: Nestlé, Danone, Unilever, Pepsico: Diese Mega-Konzerne kontrollieren fast alles, was wir essen


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