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Digitalisierung - Transformation braucht Skalierung und was wir sonst von Meffert&Meffert lernen

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In diesem Beitrag wird eigentlich kein Buch besprochen, obwohl das eigentlich nicht besprochene Buch - Eins oder Null: Wie Sie Ihr Unternehmen mit Digital@Scale in die digitale Zukunft führen - jede Besprechung rechtfertigt (s. hier). Vielmehr wird vor allem die Essenz dieses Buches diskutiert, denn Deutschland braucht Digital@Scale statt nur Aktionismus im Rahmen digitaler Cargo-Kulte. So schön digitale Inseln & Co sind, retten werden uns solche Varianten der Digitalisierung alleine nicht. Das ist aber nicht das Einzige, was wir von Meffert & Meffert für die Zukunft lernen. Hier werden drei wichtige Kernbotschaften für die Transformation zusammengefasst.

Vorweg: Ein Buch, das eigentlich keine Empfehlung mehr braucht!

Dass mit Oliver Samwer (Rocket Internet) und Oliver Bäte (Allianz) zwei Ikonen der Digitalisierung im Kontext von New und Old Business das neue Buch von Meffert & Meffert empfehlen, ist eigentlich schon Grund genug, sich mit dem wichtigen Thema Digital@Scale auseinanderzusetzen und das Buch als Pflichtlektüre (Samwer) zu lesen.

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Bild 1: Innerhalb weniger Tage auf Platz 1 in diversen Listen

Zudem ist dem Rezensenten auf Amazon zuzustimmen, der schreibt:

"Meffert&Meffert - das alleine ist schon ein Qualitätsversprechen: Jürgen Meffert, Senior Partner bei McKinsey & Company, und Heribert Meffert, emeritierter Professor für BWL und "Papst" der Marketinglehre in Deutschland. Vater und Sohn haben sich zusammengetan, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen, das unser Leben und Wirtschaften aktuell und in den nächsten Jahrzehnten wie kein zweites bestimmen wird. Und für mich haben sie das Qualitätsversprechen ihres Namens eindeutig eingelöst."

In der Tat hätte man für diese Kollaboration nur schwer eine spannender Kombination gewinnen können als Marketing-Papst und Betriebswirt Heribert Meffer auf der einen Seite und McKinseys Digital-Chef und Ingenieur Jürgen Meffert, auf der anderen Seite.

Insofern brauchen wir eigentlich keine weitere Buchbesprechung. Vielleicht dann aber doch noch einige Sätze, bevor dann die wichtigsten Lessons Learned diskutiert werden:

Vater und Sohn haben ein Werk geschaffen, wo sie komplementär von ihrem Wissen und Perspektiven profitieren. Da, wo der Ingenieur vor allem Lösungen sieht und den Überblick über alle aktuellen Entwicklungen und Lösungskonzepte vermittelt, sensibilisiert der nachhaltige Betriebswirt für den Bedarf einer revitalisierten Wertorientierung in der neuen Ökonomie und greift bei der Reflexion gerne auf die immer noch relevanten Vordenker wie Innovations-Urvater Schumpeter zurück. So können beide gemeinsam in den weiteren sieben Kapiteln die Transformation im Detail diskutieren und dabei vor allem drei Fragen reflektieren:

- Warum müssen sich Unternehmen wandeln? (Kapitel 3)

- Was genau muss sich ändern? (Kapitel 4 - 6)

o Neue Ökosysteme bauen

o Geschäftsarchitektur entwickeln

o Fundament stärken

- Wie kann der Wandel organisiert werden? (Kapitel 7 -9)

o Entschlossen umsetzen

o Digitale Unternehmen scharfschalten

o Konsequent skalieren

So weit, so sehr gut.

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Lesson Learned 1: Wir brauchen eine andere Digitalisierung!

Vielleicht wichtiger als das Buch in allen Details, ist die Essenz dieses Buches - die Klarstellung im Titel und insbesondere in den ersten beiden Kapiteln. Sie ist als Botschaft im Strom der Digitalisierungsevangelisten unbedingt hervorzuheben:

Jenseits der Inseln der Digitalisierung und anderer Cargo-Kulte ohne nachhaltigen Effekt brauchen wir eine grundsätzliche Erneuerung - eine Transformation als Digital@Scale wie es Meffert&Meffert nennen, wobei diese Digital@Scale kein IT-Thema ist, sondern Strukturen, Prozesse und Produkte in ganzer Breite - at Scale - hinterfragen und optimieren muss.

Wenn allein das von den hoffentlich sehr vielen Lesern verinnerlicht wird, ist das Werk sein Geld schon mehr als wert, erst recht, weil es zugleich fundiert aufzeigt, wie dieses Wunder von Digital@Scale gelingt. Natürlich bedeutet der Anspruch „Digital@Scale" dabei nicht Masterplan und Big Bang und er steht auch nicht im Widerspruch zu Agilität, Scrummen, Minimum Viable Products, bimodalen IT-Systemen und Organisationen oder Graswurzel-Initiativen. Es nutzt uns aber wenig, wenn wir uns in Deutschland bei unseren Transformationen in Einzelinitiativen, Kleinklein verlieren, die am Ende nicht auf die Unternehmen und ihre Assets als Gesamtes einzahlen.

Digital@Scale steht damit für eine andere Art der Digitalisierung, deren Ziel es ist, eine wirkliche Unternehmenstransformation bzw. eine Transformation at Scale zu ermöglichen! Das ist "the difference that makes a difference", eine Botschaft, die der Verlag zurecht prominent auf dem Cover des Buches verankert hat.

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Bild 2: Die wichtigste Botschaft direkt auf dem Cover: Digital@Scale!

Für eine solche Forderung nach einem großen Bild bzw. Ziel, Vision .... - keinem Masterplan! - musste der Autor diese Beitrags zuletzt noch heftige Kritik ertragen. So ist es jetzt mehr als nur hilfreich, dass diese Klarstellung hier durch ein Autoren-Duo und Co-Autoren-Netzwerk erfolgt, das durch Erfahrung und nachgewiesene Erfolge den Anspruch erheben darf, mit besonderer Kompetenz zu sprechen. Und sie sind damit nicht alleine, vielmehr untermauern eine Vielzahl von Erfolgsbeispielen und von erfolgreichen Unternehmern ihre Perspektiven.

Thomas Sattelberger formulierte einst passend dazu:

„Ohne Vision bin ich nur digitaler Klempner. Experimenting alleine ist Hamsterrad. Die Idee, die sich zur Vision formt, ist das A&O."

Man hätte auch sagen können „ohne @Scale" gelingt keine nachhaltige Zukunftssicherung.

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Lessons Learned II: Digital Made in Germany ist erfolgreich!

Wir brauchen eine andere Art von Digitalisierung jenseits dessen, was oft propagiert wird - das ist zwar die wichtigste Botschaft, aber eine andere sollte komplementär ebenso verinnerlicht werden. Dass man mit der „phantasievollen" Beantwortung der drei Fragen und bei entsprechender „willensstarken Umsetzung" erfolgreich sein kann - auch und in gerade in Deutschland - zeigt der Tolino-Case schon auf den ersten Seiten:

„Egal, woher Du kommst und wie groß oder klein Dein Unternehmen ist: Wenn Du genug Phantasie und einen starken Willen hast, kannst Du bei der Digitalisierung genauso viel erreichen wie die Großen aus dem Silicon Valley",

so Thalia-Chef Michael Busch, der mit anderen Amazon nun schon seit Jahren in Deutschland und anderen Ländern erfolgreich im Kindl-Geschäftsfeld Paroli bietet.

Viele andere Erfolgsbeispiele zeigen, dass eine optimistische Einschätzung unserer Zukunftsfähigkeit nicht irrational ist. Dies ist als zweite Verinnerlichung in einem Land wünschenswert, wo wir verlorene Halbzeiten intensiver thematisieren als einen notwendigen Gesamtsieg in der Zukunft. Digitalisierung Made in Germany ist nicht nur möglich, sondern so erfolgreich möglich, dass Akteure wie Busch sich nicht verstecken müssen, sondern als Ermutiger hoffentlich noch viele andere inspirieren werden!

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Lessons Learned III: Ohne Sense of Urgency wird es schwer!

So weit, so gut - prinzipiell jedenfalls. Dabei sollte aber umgekehrt auch klar sein:

„Egal wie stark ein Unternehmen dasteht - wenn das Management das Veränderungspotenzial, das sein Geschäftsmodell durch die Digitalisierung betrifft, unterschätzt, droht höchste Gefahr. Und wer den Umbruch wahrnimmt, aber die Reaktion aufschiebt, ... handelt nahezu suizidal.",

so Meffert jun. und Meffert sen. untermauert, wenn er für Deutschland ein Innovators Dilemma und Verhaltenslücken im Management thematisiert.

Einen Sense of Urgency zu kreieren und im Unternehmen zu skalieren - das ist deswegen die zentrale Herausforderung, die es zu meistern gilt. Das ist die dritte Botschaft, die es unbedingt zu verinnerlichen gilt. Mit Hilfe von Meffert&Meffert schafft das hoffentlich nicht nur der Leser, sondern auch Deutschland@Scale. Die Basis dafür ist da, vor allem - auch das machen Meffert & Meffert klar - im oft gescholtenen Mittelstand, der viele Potenziale und engagierte Unternehmer und Mitarbeiter aufweist, während die „digitaler" erscheinenden Konzerne oft Anpassungen noch verzögern.

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Und was kann man persönlich tun?

Diese drei Lessons learned:

  • Digitalisierung muss skalieren
  • Digital Made in Germany ist erfolgreich möglich
  • Ohne Sense of Urgency wird es schwer

sind Kernbotschaften für die Unternehmen. Meffert + Meffert formulieren aber in ihrem letzten Kapitel 10 Ratschläge mit Hinweisen, die aufzeigen, wie sich jeder Einzelne auf die Transformation vorbereiten sollte. Hier werden die alten starren Ausbildungen nicht mehr tragen bzw. der Dynamik des Wandels gerecht.

So formuliert Jürgen Meffert z.B.:

Aus- und Weiterbildung müssen wie eine Playlist sein. Eine Playlist spiegelt wider, was für mich relevant ist ... und muss (immer wieder) aktuell angepasst werden.

und Heribert Meffert ergänzt wiederum komplementär:

Denksilos verhindern. Ich wäre dafür junge Menschen breiter auszubilden, z.B. durch ein Studium generale.

Wir sollten also einerseits eine breite Basis an Kompetenz für ein vernetztes Denken und gegen die Denksilos besitzen, zugleich müssen wir dann aber andererseits die Entwicklung unserer Kompetenzen so dynamisch wie unsere Playlisten gestalten.

So sind und bleiben wir fit für die Zukunft.

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6. PS: Kritik?

Gibt es denn gar nichts zu kritisieren? Der Titel „Eins oder Null - Wie Sie Ihr Unternehmen mit Digital@Scale in die digitale Zukunft führen" lässt in seiner Dramatik befürchten, dass das Werk dem Effekt mehr Wert einräumt als der Botschaft. Dem ist aber glücklicherweise nicht so, vielmehr ist ein Werk von großer Substanz entstanden, und die Pointierung ist am Ende gerechtfertigt.

Quelle: Eins oder Null: Wie Sie Ihr Unternehmen mit Digital@Scale in die digitale Zukunft führen

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