Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Dr. Winfried Felser Headshot

Deutschland und HR können Innovation - Vertrauen und neue Kollaboration sind dafür die Basis!

Veröffentlicht: Aktualisiert:
PEOPLE COMPANY STARTUP FILTER
Nick David via Getty Images
Drucken

In diesem Beitrag wird eine Zukunftsperspektive für Deutschland jenseits einer technologiezentrierten Digitalen Transformation formuliert. Vertrauen, Kollaboration und eine neue Management-Logik machen den Unterschied, so die frohe Botschaft von Nobelpreis-Kandidat Ernst Fehr und einem hochkarätigen Experten- und Innovatorenkreis auf dem Talent Management Gipfel in Berlin.

Das Allerbeste: HR auf der ewigen Suche nach dem eigenen Sinn, kann dabei eine Schlüsselrolle spielen, wenn HR bereit ist für die eigene Transformation und die Mitwirkung bei der Transformation des Unternehmens.

Dafür muss HR die Strategie des Unternehmens und des CEO glasklar verstehen und mithelfen, Strategie in eine neue Kultur, neue Strukturen und neue Kompetenzen münden zu lassen. Dass dies schon heute möglich ist, zeigen „Startups" wie Zalando (mit 11.000 Mitarbeitern) oder auch etablierte Player wie EY. Damit wird klar: Wer jetzt Zukunft verweigert, handelt fahrlässig.

_________________

1. Die Botschaft des Nobelpreis-Kandidaten

Wenn man ein Event hochkarätig schmücken will, dann lädt man einen Nobelpreis-Kandidaten oder einen Weltrekord-Träger ein. Der Standard nennt den Verhaltens-Ökonom Professor Ernst Fehr zwar den „ewigen" Nobelpreis-Kandidaten, weil er diesen Preis trotz seiner Jugend von erst 60 Jahren schon längst verdient hat.

2016-11-24-1479981639-1106131-Bild1.png

Bild 1: Professor Fehr auf dem TMG in Berlin über Managementpraktiken

Auf dem Talent Management Gipfel von Haufe - diesmal erstmalig in Berlin - war Fehr aber nicht als Dekoration dabei, sondern um die Essenz des Tages zu kommunizieren. Seine Lebens-Botschaft, für die der Wissenschaftler für Professor für Mikroökonomik und Experimentelle Wirtschaftsforschung an der Universität Zürich zuletzt eine 100-Millionen-Spende erhalten hat: Management-Praktiken, insbesondere neue Kollaboration und Vertrauensbasis können die Produktivität maßgeblich beeinflussen. Was für eine Botschaft: Deutschland fordert massiv die Digitale Transformation, die oft technikzentriert missverstanden wird, nun aber wurde durch Fehrs Vortrag klar:

Für den dringend notwendigen Produktivitätssprung
brauchen wir in Deutschland vor allem
neue Formen der Kollaboration und des Managements.

_________________

2. Neue Vertrauens-Kultur und Kollaboration

Mit dieser frohen Botschaft war er nicht allein, vielmehr belegte Fehr beeindruckend „nur" empirisch, was die durchgehende Botschaft des Tages war. Auch die Gestalter des Tages und die Architekten der neuen Betriebssystem-Logik von Haufe, Joachim Rotzinger, Marc Stoffel, Stephan Grabmeier und der leider abwesende Hermann Arnold, fordern diese essentielle Transformation in Richtung einer kollaborativen und vertrauensbasierten Kultur und Zusammenarbeit schon lange.

Man hatte nun aber sicher den kosmopolitischen Rahmen der Axica in Berlin direkt neben amerikanischer Botschaft und Brandenburger Tor bewusst gewählt, um den großen Aufbruch im Sinne Fehrs und des „New Rythm of HR" schon durch die neue Location zu signalisieren.

Führende Innovation und HR als Mit-Innovator
sind dabei nicht ferne Zukunftsmusik,
sondern gelebte Praxis in Deutschland!

Dass dieser neue Rhythmus einer zukunftsorientierten Arbeit und HR nicht nur Theorie ist, sondern gelebte Praxis zeigten in Berlin nicht nur diverse Workshops und die Podiumsdiskussion, sondern vor allem auch die Beispiele aus der Unternehmenswirklichkeit.

Das Zalando und EY hier den Reigen eröffneten, hätte nicht besser gewählt werden können. Das Startup und die etablierte Wirtschaftsprüfung, Schnellboot und Tanker, sie eint bei allem Unterschied der gemeinsame Wandel.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Die HR-Chefin von Zalando, z.B. rockte die Veranstaltung mit einer inspirierten Präsentation des Wachstums von Zalando, das so nicht hätte gemeistert werden können, wenn nicht Unternehmenssinn, -kultur und -kollaboration der Glue dieses Wachstums und der Transformation vom einem Startup zu einem 11.000 Personen-Unternehmen gewesen wären.

2016-11-24-1479981685-6053799-Bild2.png

Bild 2: Dialog Fehr-Grabmeier zu Technologien und Kultur/Vertrauen

_________________

3. Technologie als Enabler und "Betriebssystem-Plattform"

Das aber reicht alleine nicht. So wichtig die weichen Faktoren sind, eine entscheidenden Rolle spielt das Medium der Kollaboration bzw. die technologische Plattform als Betriebssystem. Dem stimmte Professor Fehr zu als Stephan Grabmeier diese entscheidende Nachfrage stellte. Technologie kann Kultur und Vertrauen fördern! Stephan Grabmeier ist eigentlich kein Technologe, hat aber früh die Bedeutung von Technologie als Enabler für den Wandel erkannt.

Als einer der anerkanntesten New Work- und Business-Transformatoren hatte er einst mit Thomas Sattelberger die Telekom in Richtung neue Business-Logik transformiert. Vor zwei Jahren trat er bei Haufe-umantis an, um gemeinsam mit dem Team um Joachim Rotzinger, Marc Stoffels und Hermann Arnold aus einem Software-Unternehmen eine Transformations-Company mit hoher technologischer Kompetenz als Basis zu entwickeln. Der Erfolg den Haufe-umantis mittlerweile am Markt erzielt, gibt ihm und dem umantis Management und seinem Rhythmus-Ansatz recht.

Technologie darf kein Selbstzweck sein,
ohne Technologie als Enabler gelingt die Transformation
aber nur sehr schwer.

So sehr eine technikzentrierte Transformation ein Irrweg ist, ist also sicherlich auch eine Transformation ohne „Digitalisierung" schwerer zum Erfolg zu führen. Fehr nannte ein Beispiel aus seinen eigenen Projekten. Dort konnte durch die Einführung von Technologie für die horizontale Abstimmung die Produktivität ganz wesentlich gesteigert werden.

Weder eine triviale Digitalisierung noch eine Digitalisierungs-Verweigerung sind die richtigen Heilsbotschaften. Der Heilsweg liegt in der human- und wertschöpfungszentrierten Transformation, die Digitalisierung als Enabler nutzt.

2016-11-24-1479981532-3188232-Bild3.png

Bild 3: Trivialisierungsfalle/Verweigerungsfalle vs. Insel der Glückseligen

_________________

4. HR kann innovativ!

Und was ist bei diesem Wandel mit HR? Wie gut, dass Professor Stephan Fischer, Jury-Vorsitzender des HR Innovation Awards der Zukunft Personal in Berlin mit dabei war und u.a. die Workshops zur Agilität moderierte. Seine Botschaft auf der letzten Zukunft Personal: „HR kann Innovation" wurde in Berlin beeindruckend belegt:

In den meisten Praxisbeispielen waren es innovative HR-Köpfe, die den Wandel vorangetrieben haben, wobei HR in Zukunft nicht mehr die Bezeichnung für einen Silo bzw. eine Abteilung sein sollte, sondern für eine Aufgabe („Berufung"), die den Menschen und die Humanzentrierung in den Mittelpunkt stellt.

Mehr denn je brauchen wir diese Aufgabe, ob wir weiterhin die Abteilung brauchen, wird die Zukunft zeigen. Das Wichtigste dabei: In Berlin wurden die Personalmanager nicht alleine gelassen mit abstrakten Heilsbotschaften. In Workshops konnten sie HR Innovativ selbst erleben und erlernen.

Design Thinking, Lego-Bausteine und Mitarbeiter-Reisen, um Visionen zu entwickeln und zu konkretisieren, bieten sich viele etablierte Methoden, so dass heute mit einem tragenden Fundament aufbrechen kann, wer aufbrechen will.

So muss die Botschaft Fischers erweitert werden:

HR kann Innovation und (!)
HR will Innovation.

_________________

5. Hoffnungsvoll der Zukunft entgegen ...

Bei den Personalmanagern in Berlin zeigte sich dieser Aufbruchswille. Wenn es dem Team um Grabmeier, Stoffel, Arnold, Rotzinger & Co, aber vor allem auch der Community der Innovatoren gelingt, weiterhin so beeindruckend wie in Berlin für ihr „Roll-In" zu werben, dann wird uns hoffentlich das Roll-In in der Breite gelingen ...

Und vielleicht wird Professor Fehr dann auch einige dieser Projekte untersuchen und auch im nobelpreis-fähigen Alter endlich seinen verdienten Preis erhalten ...

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.