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Option Libyen (oder die libysche Karte gegen die türkische)

Veröffentlicht: Aktualisiert:
LIBYA
Esam Al-Fetori / Reuters
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Im Hinblick auf die jüngsten Erfahrungen mit der Türkei in der Flüchtlingskrise stellen sich viele Europäer die Frage, weshalb sich die EU - Merkel und Co. - das überhaupt noch antut?

Immerhin zahlt die EU schon seit vielen Jahren an die Türkei sogenannte Heranführungsprämien in Höhe von Milliarden EURO und das Land entwickelt sich trotzdem - vor allem seit Erdogan - immer weiter weg von Europa.

Wäre es daher nicht wesentlich sinnvoller, sich in Libyen zu engagieren und die international anerkannte Gruppe in Tobruk sowohl wirtschaftlich als auch militärisch zu unterstützen?

Der vor allem von der damaligen Außenministerin und mittlerweile gescheiterten US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton betriebene Sturz von Oberst Muammar Gaddafi hat das ehemals reichste Land Afrikas in jenes chaotische Polit-Vakuum gestürzt, das heute Libyen zum Aufmarschgebiet für Millionen Schwarzafrikaner macht, die mit Hilfe hunderter, krimineller Schlepperbanden - und auch der italienischen Marine - den Sprung nach Europa wagen.

Libyen bietet neue und langfristige Über-Lebensbedingungen

Dass dabei hunderte, wenn nicht tausende Menschen samt ihren Hoffnungen und Träumen im Mittelmeer versinken, scheint für die herrschende Politik und die europäische Öffentlichkeit leider zu einer tragischen Randerscheinung geworden zu sein. Geheuchelte Anteilnahme bringt keine Lösung dieses Problems!

Dabei könnte die politische und wirtschaftliche Stabilisierung dieses Landes durch ein beherztes und konsequentes Eingreifen der EU - unterstützt von den Präsidenten Trump und Putin - für alle Beteiligten Vorteile bringen!

Die Fertigstellung des von Oberst Gaddafi geplanten und bereits weitestgehend ausgebauten Wasserprojekts ( GMMRP ) mit Hilfe von EU-Geldern würde eine wirtschaftliche Lebensbasis für Millionen Menschen schaffen.

Immerhin beträgt die Fläche Libyens rd. 1,8 Millionen qkm, was dem Fünffachen des Staatsgebietes der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Es leben jedoch nach der weitgehenden Zerstörung des Landes heute nur mehr knapp 6 Millionen Menschen dort, wo schon morgen viele Millionen Afrikaner - mit Unterstützung der EU - neue und langfristige Über-Lebensbedingungen finden könnten.

Die EU muss jetzt schnell handeln

Dies wäre eine echte win-win-win-Situation! Afrikaner würden in Nord-Afrika eine neue Heimat finden, wo sie Arbeit, Brot und ein menschenwürdiges Unterkommen hätten. Etwas, was ihnen Europa aus verschiedensten Gründen niemals wird bieten können.

Libyen selbst würde von einer Chaos-Region auf der Landkarte wieder zu einem stabilen Staatswesen und Partner Europas zurückkehren - vor allem in Energiefragen wie Öl und Solartechnik.

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Und wir Europäer wären den Einwanderungsdruck aus Afrika und die ständigen Erpressungsversuche durch die Türkei endlich los. Alle Flüchtlinge, welche die Türkei nach Europa durchlässt oder weiterschickt, könnten umgehend mit Schiffen in libysche Häfen gebracht werden, von wo aus diese vorerst in beruhigte Sicherheitszonen weitergeschickt werden.

Für die EU hieße es jetzt schnell zu handeln, um Erdogan den Wind aus seinen künstlich aufgeblähten Segeln zu nehmen! Ob die Brüsseler Bürokraten dazu jedoch in der Lage sind, muss leider bezweifelt werden. Zu sehr ist diese vermeintliche Friedensunion mit sich selbst und ihren eigenen, zum Teil selbstgeschaffenen Problemen beschäftigt.

Dann allerdings könnte 2017 wohl zum größten Krisenjahr ihrer Geschichte werden. Brexit, Banken= und Staatsschulden, EURO= und Flüchtlingskrise dürften die Kapazitäten und Möglichkeiten der EU bei weitem überspannen. Und vielleicht schon ihr baldiges Ende einläuten?

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