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Über diese besondere Art von Depression spricht kaum jemand - dabei sollten wir es tun

23/09/2016 16:37 CEST | Aktualisiert 24/09/2017 11:12 CEST
Pexels/Freestocks.org

Von außen betrachtet führt die College-Studentin Amanda Leventhal, die an der University of Missouri studiert, ein perfektes Leben. Sie hat hervorragende Noten, einen guten Freundeskreis und sie ist Mitglied im Uni-Chor. Man würde sie keinesfalls als "depressiv" beschreiben.

Und dennoch leidet auch sie an der Krankheit. Ihren Freunden wurde erst dann bewusst, dass mit ihr etwas nicht stimmte, als sie einen Blogbeitrag über ihren geheimen Kampf gegen ihre Angstzustände und Depressionen veröffentlichte.

Durch Werbeanzeigen für Antidepressiva und die Art, wie Depressionen in der Popkultur dargestellt werden, wird ein einseitiges Bild der Krankheit gezeichnet: die Betroffenen ziehen sich von ihren Freunden zurück und vernachlässigen ihre Hobbys. Außerdem schlafen sie schlecht und weinen viel.

All dies sind zwar typische Symptome von Depressionen, das Problem dabei ist jedoch, dass die Krankheit viele verschiedene Gesichter haben kann. Auch Menschen wie Kristen Bell können davon betroffen sein. Ebenso die Olympia-Schwimmerin Allison Schmitt. Dein Kollege, der gerade befördert wurde, kann genauso an Depressionen leiden wie dein Freund, der sich gerade verlobt hat.

Sie alle gehören zu der wachsenden Gruppe von Menschen, die an einer sogenannten hochfunktionalen Depression leiden. Und da nach wie vor ein Stigma auf der Krankheit lastet, verstecken viele Betroffene ihre Traurigkeit, damit niemand erfährt, dass etwas nicht in Ordnung ist. Manche warten sogar so lange, bis es zu spät ist.

Weiterhin gut zu funktionieren ist immer besser

Betroffene von hochfunktionalen Depressionen haben nach außen hin ihr Leben zwar im Griff, doch innerlich leiden sie unter extremer Traurigkeit. Carol Landau, Ph.D., ist klinische Professorin für Psychiatrie, menschliches Verhalten und Medizin an der Brown University. Ihrer Ansicht nach sind vor allem Frauen mit einem Hang zum Perfektionismus von hochfunktionalen Depressionen betroffen.

Und das sind genau die Kollegen und Freunde, die ein beneidenswertes Leben führen und zumeist auch persönlich schon viel erreicht haben.

"Ich höre oft, dass es besser sei, 'weiterhin gut zu funktionieren' als 'nicht mehr richtig zu funktionieren'. Das stimmt jedoch nicht, denn eigentlich ist es nur wichtig, dass depressive Menschen Hilfe bekommen - und Menschen, die trotz ihrer Depressionen gut funktionieren, nehmen meist keine Hilfe in Anspruch", so Landau.

Ein offensichtlicher Kampf, der dennoch nicht wahrgenommen wird

Leventhal brauchte mehrere Jahre, bis sie es schaffte, ihren Blogbeitrag über ihre inneren Kämpfe zu veröffentlichen. "Ich hatte bereits sehr lange darüber nachgedacht", erzählt sie. "Eines Nachts lag ich lange wach und konnte nicht schlafen. Irgendwann beschloss ich, all meine Gedanken der vergangenen Jahre in Worte zu fassen."

Sie erzählt, dass ihre Freunde schockiert auf den Post reagiert hätten. Inzwischen traut sie sich immer häufiger, mit anderen über ihre Depressionen zu sprechen: "Ich erwähne ganz beiläufig, dass ich einen Termin bei meinem Therapeuten habe. Genau so, als würde ich von einem Zahnarzttermin erzählen." Aus Angst vor negativen Reaktionen spricht sie jedoch noch immer relativ selten über das Thema.

Nach Aussage von Landau ist dies ein typisches Verhalten von Frauen. "Wir sehen uns noch immer in der Rolle der Versorgerinnen und dazu gehört es auch, dass wir selbst nur ungern zugeben, dass wir Hilfe brauchen", so Landau.

"Das ist jedoch ein großes Problem. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind Depressionen der Hauptgrund für persönliche Einschränkungen. Diese Einschätzung berücksichtigt die Tatsache, dass Betroffene häufig Fehltage in der Arbeit aufweisen, dass sie ihrem Alltag nicht mehr uneingeschränkt nachgehen können und dass sie [möglicherweise Gefahr laufen,] andere Krankheiten wie Diabetes zu entwickeln", so Landau weiter.

"Sobald man sich Freunden anvertraut, erhält man oft ähnliche Reaktionen, wie: 'Ich leide auch daran' oder 'meine Schwester hat das auch' oder 'das kenn ich von meiner Mutter' oder 'unserer anderen Freundin geht es genauso.'"

Auch das sind Anzeichen für Depressionen

Leventhal kann sich nicht mit den trübsinnig dreinblickenden Frauen aus Anzeigen für Antidepressiva identifizieren. Ihre Symptome äußern sich auf eine andere Art. "Ich war ständig gereizt", erklärt sie. Nach Aussage von Landau ist dies völlig normal.

"Wenn man eine Freundin hat, die ständig schlecht gelaunt ist oder als 'Zicke' gilt, kann es gut sein, dass sie eigentlich heftige innere Kämpfe austrägt. Es gibt noch eine weitere Verhaltensweise, die einen hellhörig werden lassen sollte: nämlich wenn jemand ständig ironische oder missmutige Kommentare von sich gibt, obwohl dieses Verhalten eigentlich gar nicht zu der betroffenen Person passt und oft fehl am Platz wirkt.

Wie sollte man also mit einer Freundin umgehen, bei der man den Eindruck hat, dass sie ihre Depression zu verstecken versucht? Landau empfiehlt, dass man seine Freundin einfach fragen sollte, ob bei ihr alles in Ordnung ist und dass man ihr sagen sollte, dass sie in letzter Zeit nicht sie selbst ist.

Leventhal sieht das ähnlich: "Das können kleine Gesten sein, zum Beispiel, dass man einfach mal fragt: 'Wie geht es dir?' Sei einfach da und höre deiner Freundin zu. Und frag sie, was sie braucht. Denn jeder braucht etwas anderes."

Nach Aussage von Landau wäre es gut, wenn man sich bereits im Vorfeld des Gesprächs eine Lösungsmöglichkeit ausdenkt. Man könnte seiner Freundin vielleicht einen guten Therapeuten oder eine Meditations-App wie Headspace empfehlen.

"Es gibt eine Vielzahl an Therapeuten, Medikamenten, Apps und anderen Hilfsmitteln", so Landau. "Und gerade deshalb ist es ja auch so schade, dass so viele Menschen sich keine Hilfe holen."

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

(juk)

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