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Fit im Schritt: Wissenswertes zum Urologen

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FIT IM SCHRITT UROLOGEN
Piper
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Fast alle für die Urologie relevanten Organe und Körperteile liegen entlang der Wege, auf denen Urin und Spermien den Körper verlassen.

Beginnen wir mit dem Urin. Den muss ja bekanntlich jeder Mensch produzieren und ausscheiden - jeder bis auf die nordkoreanische Diktatorenfamilie. Laut Legenden, oder vielmehr Propaganda, müssen die Kims nämlich nicht ausscheiden, weder Urin noch Stuhl.

Die einleuchtende Erklärung dafür: Sie verbrennen ihre komplette Energie, um ihre bewundernswerten Taten zu vollbringen, wie zum Beispiel Opern zu komponieren, im Alter von drei Wochen Laufen zu lernen oder während der ersten Versuche auf dem Golfplatz elf Hole-in- One hintereinander zu schlagen.

Bei uns normalen Menschen, männlich wie weiblich, wird der Urin in den Nieren gebildet. Hiervon haben wir üblicherweise zwei Stück, auf jeder Seite des Körpers eine. Von der Niere aus fließt der Urin durch den Harnleiter, nicht zu verwechseln mit der Harnröhre, in die Blase.

Hier muss er warten, bis sich in der Blase genug Flüssigkeit angesammelt hat, damit sich der Toilettengang auch lohnt. Irgendwann meldet die Blase an das Gehirn, dass sich nun das Aufsuchen einer Toilette empfehlen würde. Das geschieht bei 400 bis 500 Millilitern.

Gehen Gehirn und Blase d'accord, kann die Reise weitergehen. Bei der Frau ist nach zwei bis vier Zentimetern Harnröhre Schluss und der Urin in der Freiheit angekommen, beim Mann gelangt er über die angebaute, mehr oder weniger lange Rutsche nach draußen. Hier verabschieden wir uns fürs Erste von der Frau und machen bei der Samenproduktion weiter.

Die vorläufige Produktion der Spermien erfolgt im Hoden. Danach geht es zur Verfeinerung und Reife weiter in den Nebenhoden, das dauert im Gegensatz zu einem guten Rioja nicht zwölf Monate im Barrique, sondern acht bis 17 Tage, ohne Barrique versteht sich.

Die Spermien, die bei einem Orgasmus den Nebenhoden verlassen, machen übrigens nur drei Prozent des späteren Ejakulatsvolumens aus, also dessen, was vorne rauskommt. Den restlichen Anteil bilden Sekrete aus Samenblase und Prostata, die wichtige Stoffe enthalten, welche die Spermien außerhalb des Körpers überlebens- und fortpflanzungsfähig halten.

So ist das Ejakulat eines sterilisierten Mannes optisch und mengenmäßig nicht von dem eines fruchtbaren Mannes zu unterscheiden. Aber dazu kommen wir später. Ab der Prostata, die sich beim Mann direkt unter der Blase befindet und die Harnröhre ummantelt, nehmen Urin und Sperma durch die Harnröhre denselben Weg nach draußen. Dieser Weg ist natürlich deutlich länger als bei der Frau, was bei einer Blasenentzündung von großer Wichtigkeit ist.

Wir haben im weiblichen Körper also folgende für einen Urologen interessante Organe:

  • Nieren
  • Harnleiter
  • Harnblase
  • Harnröhre
  • Brüste ( äh, leider nicht )

Beim Mann kommen neben oben aufgelisteten Organen noch folgende hinzu:

  • Hoden
  • Nebenhoden
  • Samenblasen
  • Prostata
  • Penis

Es kann in allen aufgezählten Organen zu Entzündungen durch Bakterien oder Viren kommen, nicht nur in der Blase. Weiterhin können sich Steine in der Niere bilden und den Harnleiter verstopfen. Leider können auch alle Organe von bösartigen Tumoren befallen werden oder von Geburt an in ihrer Funktion eingeschränkt sein.

Sie sehen, es gibt zahlreiche Gründe, weshalb Sie irgendwann im Leben einmal an einen Urologen geraten könnten. Was stellen Sie als Patient nun konkret an, wenn es im Hoden zwickt, die Niere schmerzt oder der Harnstrahl schwächelt ?

Wie findet man seinen Weg zu einem Uro­logen ? Und, wenn man schon mal dabei ist, auch zu einem Guten, wenn es keine Umstände macht. Der klassische Weg führt immer noch über den Hausarzt, den Allrounder und Verteiler.

Er ist das Bindeglied zwischen Facharzt und Patient und sollte entscheiden, ob der Schmerz in der Niere nicht vielleicht doch eine Muskelverspannung ist oder das Zwicken im Hoden gar ein akuter Notfall, mit dem man sich schleunigst in die nächste Ambulanz begeben sollte.

Ist man sich sicher, urologische Hilfe zu benötigen, kann natürlich auch der direkte Weg in eine urologische Praxis gewählt werden. Nun steht man vor zwei Problemen: Zunächst gilt es, eine geeignete Praxis zu finden. Heutzutage wird die Lage meist im Internet sondiert: Wie weit ist die Praxis entfernt ?

Kann ich den Besuch mit nützlichen oder unnützen Einkaufsgängen verbinden ? Wohnt vielleicht ein Bekannter in der Nähe zum Trösten, falls der Arzt schlechte Nachrichten hat ? Falls die Praxis eine Homepage hat, finden sich dort weitere interessante Informationen.

Meist wird das Behandlungsspektrum aufgezeigt und einzelne Krankheitsbilder werden erklärt. Auch Fotos des Praxisteams und natürlich der behandelnden Ärzte samt Lebenslauf können einen ersten Eindruck vermitteln. Ja, Mama, dafür brauche ich den Doktortitel vielleicht doch noch.

Jetzt noch ein schneller Check bei einem Ärztebewertungsportal: » Gerne wieder ! «, » Schnelle Behandlung ... fünf Sterne «, » Top Urologin ! « - und es folgt der Griff zum Telefonhörer. Ähnlich verläuft die Suche nach einem geeigneten Krankenhaus, wenn eine Operation ansteht.

Meist hilft einem dann der behandelnde Urologe bei der Auswahl oder gibt nützliche Tipps. Im akuten Notfall, wie bei einer Nierenkolik, entscheidet ganz einfach die Di­stanz zur nächstgelegenen Klinik.

Vor Problem Nummer zwei stehen Sie, wenn es aus dem Telefonhörer schallt, ein Termin sei erst wieder in zwei Monaten zu bekommen, falls es sich nicht um einen Notfall handle. Dann beginnt der obige Ärztesuch-Algorithmus von Neuem. Wenn die Suche erfolgreich verläuft, stellt sich die Frage: Was muss man eigentlich alles mitbringen zu solch einem Termin ?

Es ist sehr beliebt unter Patienten, ihren beispielsweise rötlich verfärbten Urin in einem Behältnis in der Praxis zu präsentieren. Bewährt haben sich hier im Speziellen Marmeladen- und Gurkengläser. Davon würde ich aus hygienischen Gründen abraten.

In einer urologischen Praxis sollte die Möglichkeit bestehen, den Urin frisch in ein steriles Gefäß abzugeben. Ist das nicht der Fall, würde ich von der Praxis abraten. Und selbst wenn sich kein Blut mehr nachweisen lässt, wird der Urologe Ihnen glauben.

Viel wichtiger für die Mitbringliste ist der Körper, in welchem sich das befallene Organ befindet. Hilfreich ist natürlich außerdem die Kran... äh, Gesundheitskarte, eine Liste der Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen, und etwas Zeit. Falls Sie Gala und Bunte schon beim Friseur » gelesen « haben und die Miró-Kunstdrucke bereits vom Hausarzt kennen, empfiehlt sich eine kleine Lektüre für die Wartezeit. Vielleicht ja dieses Buch hier.

Nach dem Verlassen der Praxis ist ein Behandlungs­erfolg oft nicht direkt auszumachen. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis eine Therapie oder ein Medikament anschlägt. In jedem Fall wichtig ist aber: War der behandelnde Arzt freundlich und kompetent, und hat er mich ernst genommen ?

Handelte es sich um einen einmaligen Besuch, sind die Antworten darauf vielleicht gar nicht so wichtig, vorausgesetzt, Ihr Problem wird erfolgreich behandelt. So wie bei einem One-Night- Stand.

Falls Sie aber auf der Suche nach einer dauerhaften urologischen Bindung sind, spielt die Chemie zwischen Ihnen und dem Arzt oder der Ärztin eine große Rolle, auch hier ist natürlich der Behandlungserfolg Voraussetzung.

Zunächst können Sie aber auf dem Heimweg in Ruhe über den Arztbesuch nachdenken und zu Hause eine nette Bewertung auf den einschlägigen Portalen abgeben.

Dieser Beitrag ist ein Auszug aus dem Buch "Fit im Schritt. Wissenswertes zum Urologen" von Volker Wittkamp. Es erschien beim Piper Verlag.
Hier könnt ihr das Buch kaufen.

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