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Folgeschwangerschaften - einfacher oder schwerer?

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Ich ├╝berspringe hier mal den ganzen Gef├╝hlshype, der bei der ersten Schwangerschaft entsteht und ├╝ber den sicher sp├Ąter noch einmal geredet werden kann. Ich m├Âchte mich hier dem Thema der zweiten, dritten beziehungsweise Folgeschwangerschaft widmen. Sind diese Schwangerschaften einfacher oder schwerer zu bew├Ąltigen als die Erste? Was ist die Wahrnehmung des Umfelds und der Frau selbst?

Oft wird gesagt, dass die zweite Schwangerschaft einfacher ist, da die betroffene Frau ja wei├č, was auf sie zukommt. Sie hat bereits neun Monate erfahren, wie sich der K├Ârper ver├Ąndert, welche Wehwehchen auftreten, was Geburtswehen bedeuten, die Erstausstattung ist auch schon vorhanden und sowieso wei├č sie, was es hei├čt anschlie├čend ein Baby im Arm zu halten und schlaflose N├Ąchte zu erleben.

Weniger Aufmerksamkeit und Anerkennung

Die Sorgen und Gedanken zum Thema nehmen also mit jeder weiteren Schwangerschaft ab. Und tats├Ąchlich scheint die zweite Schwangerschaft nebenher zu laufen, da erste Kinder (sofern die Altersunterschiede nicht zu gro├č sind) volle Aufmerksamkeit bed├╝rfen. Die werdende Mutter kann sich eben nicht einfach mal ins Bett legen, wenn sie starke M├╝digkeit plagt, da, im Gegensatz zum ersten Mal, die Aufsichtspflicht der ersten Kinder nicht vernachl├Ąssigt werden kann. Also wird durchgehalten und mit Bauch auf dem Kinderzimmerfu├čboden rumgerobbt, um Spielsachen einzusammeln.

Doch was bedeutet dieser Denkansatz f├╝r die Betroffenen und ihr Umfeld? Oft entsteht der Eindruck, dass das Verhalten der Verwandten, Bekannten und auch Partner doch stark von der oben genannten Argumentation geleitet wird. Die Konsequenz ist, dass der Folgeschwangeren weniger Aufmerksamkeit und Anerkennung geschenkt wird als beim ersten Mal. Pl├Âtzlich m├╝ssen Dinge wie Erledigungen, Hausarbeit, Kinder von der Kita abholen etc, ohne zus├Ątzlichen ÔÇ×Ach Du musst Dich doch schonen, ich mach das mal f├╝r Dich"-Bonus erledigt werden.

ÔÇ×Ach ja, die Hormone"

Egal ob Schwangerschafts├╝belkeit oder gro├čes Kind im Bauch, das bei jedem Schritt in die Blase boxt, die Verpflichtungen werden nicht weniger und die Anstrengung steigt. Mutterschutz wird pl├Âtzlich zu ÔÇ×Du hast doch den ganzen Tag frei" und die Regel ÔÇ×Du darfst nicht schwer heben" entf├Ąllt, wenn das erste Kind mit Fieber auf den Arm genommen werden oder partout nicht nach Hause laufen will.

W├Ąhrend Stimmungsschwankungen und Gef├╝hlsausbr├╝che beim ersten mal noch l├Ąchelnd als ÔÇ×Ach ja, die Hormone" abgetan wurden, werden sie beim zweiten Mal noch weniger ernst genommen. Es bleibt die Frage, inwiefern sich dieser Umstand auf das seelische und k├Ârperliche Wohlbefinden des Ungeborenen auswirkt. Die Vorstellung des Umfelds, dass bei der zweiten oder weiteren Schwangerschaft alles f├╝r die Frau einfacher ist, f├╝hrt am Ende eben dazu, dass es f├╝r sie viel schwieriger wird.

Traumatisierte Erfahrungsexpertinen

Auch im Geburtsvorbereitungskurs, den auch Folgeschwangere noch besuchen, sei es um ein paar Stunden unter Gleichgesinnten zu sein, fern ab von Haushalt und vorher Geborenen oder um das Wissen zum Thema Geburt noch einmal aufzufrischen, ├Ąndert sich die Wahrnehmung der Teilnehmer, wenn gesagt wird, dass bereits ein oder mehrere Kinder vorhanden sind. Pl├Âtzlich ist die Schwangere Erfahrungsexpertin in Sachen wie sich denn Geburtswehen anf├╝hlen.

Dass viele Frauen aber auch traumatisiert sind von den Schmerzen oder Geburtsumst├Ąnden (zum Beispiel Notkaiserschnitt) wird oft nicht verstanden. Auch die Schuldgef├╝hle ├╝ber das eigene Versagen nach einer Geburt mit Komplikationen und den anschlie├čenden Folgen wie zum Beispiel Stillschwierigkeiten und der Druck bei der n├Ąchsten Geburt alles besser machen zu wollen, sind h├Ąufige Begleiterscheinungen, die eine Erstgeb├Ąrende noch nicht erfahren hat.

W├Ąhrend bei der ersten Schwangerschaft der Frau nicht bewusst war, was auf sie an Schmerzen und Leiden zukommt, sind diese diesmal durchlebt und somit real nachvollziehbar. Wer sich schon einmal mit dem Hammer auf den Daumen gehauen hat, wei├č, wie weh das tut und vermeidet diesen Umstand noch einmal. Das reine Wissen ├╝ber den bereits erlebten Schmerz reicht aus, um die Situation einsch├Ątzen zu k├Ânnen.

Arbeit, Bring- und Abholzeiten

Dagegen muss vor einem ersten Bungeesprung nur die Vorstellungskraft ├╝ber das bevorstehende Kribbeln im Bauch ausreichen, um eine Entscheidung ├╝ber Sprung oder Nichtsprung treffen zu k├Ânnen. Nur das die Schwangere eben keine Wahl hat und wei├č, dass sie Schmerzen erleben wird. Die Art wie sie sich darauf geistig vorbereitet ist v├Âllig unterschiedlich und f├╝hrt am Ende nicht dazu, dass die Zweitgeb├Ąrende weniger Angst hat. Sicher spielt die Natur hier ihr Zutun, was die Erinnerungen und den Umgang damit betrifft, sonst w├Ąren wir alle Einzelkinder.

Aber nicht nur das Umfeld, sondern auch die Frau selbst beeinflusst ihre eigene Wahrnehmung zur weiteren Schwangerschaft. Die Zeit sich intensiv mit dem eigenen K├Ârper und dem heranwachsenden Kind im Bauch auseinanderzusetzen und bewusst wahr zu nehmen, f├Ąllt ab dem zweiten Mal geringer aus. Durch Arbeit, Bring- und Abholzeiten der Kitas und die oft ung├╝nstig gelegenen Kurszeiten f├╝r Schwangerenyoga, Schwangerenschwimmen etc. machen die Vereinbarkeit von K├Ârper und Seele oft schwer.

Pl├Âtzliches Strampeln im Bauch l├Ąsst das Bewusstsein dann wieder f├╝r die eigene Situation ansteigen. Ein st├Ąndiger Begleiter sind die Gedanken um das erste oder die ersten Kinder, die bereits da sind. Es geht nicht mehr darum den schnellsten Weg in die Klinik auswendig zu lernen, falls es los geht, sondern die Gedanken drehen sich jetzt um Fragen zur rechtzeitigen Unterbringung der bereits vorhandenen Kinder.

Umgang mit Geschwisterkindern

Auch Gedanken dar├╝ber, wie es den Kindern ergeht, wenn unter der Geburt etwas schief l├Ąuft und der Mutter etwas passiert sind meist unausgesprochen, aber vorhanden. W├Ąhrend beim ersten Mal jede Woche im Schwangerschaftsbuch nachgelesen wird, was da eigentlich im K├Ârper und mit dem Gem├╝t passiert, sind jetzt B├╝cher zum Umgang mit Geschwisterkindern und die Vorbereitung derer auf die neue Situation Standardlekt├╝re.

Die Beantwortung der Frage, ob Folgeschwangerschaften einfacher oder schwieriger sind als Erstschwangerschaften h├Ąngt sicherlich auch vom eigenen Charakter und dem Umgang mit neuen Situationen ab. Viele Zweitm├╝tter tun die Sorgen und ├ängste der Erstgeb├Ąrenden mit einem L├Ącheln ab, obwohl jene diese selbst erfahren haben.

Dagegen denken Erstgeb├Ąrende und andere oft, dass Folgeschwangere bereits wissen, was zu tun ist und selbstbewusst genug sind, diese neue Lebenssituation zu meistern. Wichtig ist, dass beide ├╝ber die Gef├╝hle und ├ängste reden und sich nicht nur untereinander ernst nehmen, sondern auch das Umfeld ├╝ber die jeweils speziellen Umst├Ąnde und was wirklich dahinter steckt informieren.

Eine Zweitgeb├Ąrende muss dann eben leider ├Âfter sagen, dass sie immer noch Hilfe braucht und Verst├Ąndnis f├╝r ihre Situation erwartet, auch wenn es diesmal schwerer f├Ąllt. Die Natur tut hier, man kann sagen ÔÇ×leider" oder ÔÇ×Gott sei dank" ihr Zutun, in dem Frauen mit der Zeit vergessen. Viele M├╝tter der letzten Generation, k├Ânnen Ihre T├Âchter nicht mehr gro├č mit Ratschl├Ągen unterst├╝tzen, da sie selbst einfach nicht mehr wissen, was damals eigene ├ängste waren.

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