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Lone Wolf Terroristen - eine der gefährlichsten Entwicklungen unserer Zeit

Veröffentlicht: Aktualisiert:
ANSBACH
dpa
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Europa wurde erneut durch eine Reihe verstörender, terroristischer Anschläge aufgewirbelt, die von solidarischen Menschen zum Wohl des Islamischen Staates begangen wurden. Am 14. Juli tötete Mohamed Lahouaiej Bouhlel, ein Tunesier mit Wohnsitz in Frankreich, mehr als 80 Menschen und verletzte hunderte, als er mit einem 19 Tonnen - Fracht LKW durch eine Gruppe von Menschen raste, die sich am Nationalfeiertag in der südfranzösischen Stadt Nizza die Bastille angesehen hatte.

Arglose Tage nach dem Gemetzel von Nizza griff ein 17 Jahre alter, afghanischer Flüchtling, der in Deutschland um Asyl ersucht hatte, Touristen in einem Zug in Würzburg mit einer Axt und einer Klingenwaffe an, wobei er 4 weitere Personen verletzte, bis die Polizei ihn tötete.

Seitdem wurden zwei verschiedene Anschläge im Namen von ISIS begangen. Ein Selbstmordattentat am 24. Juli verletzte 15 Personen in der deutschen Stadt Ansbach, und am 26. Juli ließen sich zwei Angreifer, die dem IS die Treue geschworen hatten, an einem Publikum in einem Vorort der südfranzösischen Stadt Rouen aus, wobei sie einem 84-jährigen Geistlichen die Kehle durchschnitten und Geiseln nahmen.

Diese Ereignisse sind Teil eines größeren Musters sich häufender Grausamkeiten, die von solitären Menschen begangen werden. Experten, Autoren und Forscher beeilten sich, jeden Täter der jüngsten Attacken als Einzelgänger zu bezeichnen: Individuen, die keine substantielle Beziehung zu ISIS oder anderen jihadistischen Gruppierungen brauchten und ihre Operationen ohne die Hilfe anderer vollendeten.

Lone Wolf Terrorismus und die Schwierigkeit der Bekämpfung

Der Lone Wolf Terrorismus ist kein außergewöhnliches Schauspiel. Die jüngste Serie von IS-beseelten, solidarischen Einzelgänger-Attacken im Jahr 2014 weist darauf hin, dass islamistische Fanatiker das Risiko erhöhen, radikale Überzeugungen entwickeln und zu extremen Aktivitäten übergehen - ohne Möglichkeit zur Obstruktion oder Entdeckung.

Die jüngsten Angriffe von Man Haron Monis in Australien, Zale Thompson und Michael Zehaf B aus den USA wurden diskutiert. Mit dem Anstieg an Einzelgänger-Attacken geht eine Zunahme der Untersuchungen einher, die Antiterror-Organisationen momentan durchführen.

Gemäß Alex Shone von der Henry Jackson Society, sollten Antiterrorbehörden signifikant offener für Signale sein, so unbedeutend sie auch sein mögen, die jede Person mit einem Terrorplan bei der Planung ihres Anschlags tatsächlich aussendet.

Dies erfordert nicht bloß ein aktives Datenmanagement, autorisierte, großangelegte Sammlung und Zweckentfremdung von Informationen aufgrund der zusätzlichen Verflechtung zusammenhängender Erkenntnisse, sondern auch, dass Experten in wesentlich größerer Union zusammenarbeiten.

Ein Teil der Daten darüber, wo mit Antiterrormaßnahmen begonnen werden sollte, schließt Kommunikationsmethoden ein. Aus einer Perspektive ist das Kommunizieren von potentiell gefährlichen Einzeltätern mit relevanten Zielgruppen und Schaulustigen essentiell.

Gleichzeitig ist es wesentlich zu vermeiden, Letzteren eine allgemeine Showbühne zu geben, auf die sie sich stürzen können. Sich um Einzeltäter zu kümmern, ohne diesen irgendeinen positiv offenen Status zu geben, sollte eine Grundregel sein. Offensichtlich beruht vieles auf den Kanälen, die die Verbitterten benutzen.

Die innovativsten Terroranschlägen aller Zeiten

Sind die Abwesenheit einer Basis und eine Neigung zur Brutalität relevant, um frei zu handeln und Dinge zu tun, die wir uns nie hätten vorstellen können?

Fundamentalerweise ja, weil sie keine Billigung von Höhergestellten benötigen und auch nicht die Erfahrung von kooperativen Prozeduren zur Entscheidungsfindung brauchen. Es gibt eine solche Vielfalt an Individuen auf dem Planeten und besonders im Web, dass „Lone Wolves" sich über verschiedene Zusammenhänge informieren und diesen selbstständig nachgehen können.

Zahlreiche Einzelgänger haben vielfältige Probleme: sie sind oft rational schwach, haben Geldprobleme und sie können auf ein Glaubenssystem schauen und dieses nutzen, um ihre Aktivitäten zu legitimieren.

Es ist sowohl ein individueller Missstand, als auch Abscheu mit einem Grund. Was Einzeltäter so unberechenbar macht, ist ihr Vermögen, gänzlich neue Möglichkeiten zu erkennen. Da sie unabhängig von allen anderen arbeiten, bedarf es keiner Sinnfindung oder einer Führungsvorbereitung, die das Erfindungsreichtum unterdrücken könnte.

Sie können jedem Sachverhalt nachgehen, der ihnen in den Sinn kommt. Diese Flexibilität hat wahrscheinlich zu den innovativsten Terroranschlägen aller Zeiten geführt. Zum Beispiel waren Einzeltäter verantwortlich für die Fahrzeugbombe (1920), das Sprengen eines Flugzeuges während des Fluges (1955), eine Flugzeugentführung (1961) und die Anthrax Anschläge in den Vereinigten Staaten (2001).

Keine Verbindungen

Solitäre „Lone Wolves" haben zu dem nahezu null Anforderungen an ihr Niveau der Boshaftigkeit. Da sie nicht Teil einer Organisation sind, sind sie nicht darum besorgt, dass sich Unterstützer distanzieren (die entsprechende Anzahl von terroristischen Gruppen ist es), noch sorgen sie sich um ein potentiell hartes Durchgreifen von Regierung und Strafverfolgungsbehörden nach dem Anschlag.

„Lone Wolves" sind ebenfalls schwer zu erkennen und zu verhaften, durch das alleinige Arbeiten gibt es typischerweise fast keine Korrespondenzen, welche man abfangen könnte, oder Mitverschwörer, die man ergreifen könnte.

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Das ist die Motivation dahinter, warum Theodore Kaczynnski, der berüchtigte „Unabomber", 17 Jahre lang Briefbomben quer durch die Vereinigten Staaten schicken konnte. Der aktuelle Zufluss von Anschlägen durch „Lone Wolves" wurde durch den progressiven Effekt des Internets angestoßen, welches diesen die Türen weit öffnet.

Im Web kann ein schmachtender Terrorist alles entdecken, von Anleitungen für selbstgebaute Bomben bis hin zu Karten und Diagrammen von potentiellen Zielen. Punkt-für-Punkt Aufzeichnungen von terroristischen Vorfällen auf der ganzen Welt sind ebenfalls zugänglich, die Richtung und vielleicht auch Inspiration geben können.

In der Fortführung stellen Seiten, Webjournale, Facebook-Seiten und Foren allesamt schlichte Treffpunkte dar, um einen Radikalismus in einer Art und Weise zu entwickeln, die in persönlichen, sozialen Beziehungen nie so einfach gewesen wäre.

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