Huffpost Germany
Victoria Erickson Headshot

Ich mag dieses Foto meiner Cellulite: Wie eine 19-Jährige lernte, sich selbst zu akzeptieren

Veröffentlicht: Aktualisiert:

Ich bin nicht die süße Blondine auf der linken Seite dieses Fotos. Ich bin die auffällige Frau rechts, die Jeansjacke trägt und Cellulite hat.

2014-06-09-photo.jpg
Foto: © Atiim Jones Photography

Und trotzdem war das erste, was ich dachte, als ich dieses Foto sah: Ich sehe GLÜCKLICH aus. Ich bin überglücklich und freudestrahlend nach meinem ersten College-Jahr gerade nach Hause gekommen und bin bereit, mit meiner besten Freundin aus meiner Heimat zu feiern. Und ich hätte an dieser Stelle aufhören sollen. Ich hatte das Foto genug bewundert, die Fähigkeit des Fotografen, die Freude und die Sorglosigkeit von zwei Freundinnen einzufangen, die ein ganzes Jahr getrennt waren.

Stattdessen ließ ich mein Unterbewusstsein die Kontrolle übernehmen. Ein kleine Stimme in meinem Hinterkopf sagte, dass ich nicht gut genug war. Ich war mir nicht gut genug... oder besser gesagt, gab es viel ZU VIEL von mir.

Ich ließ es zu, dass diese Gehirnwäsche, diese Gedanken meinen Verstand überwältigten. Ich erlaubte ihnen, meinen Geist zu vergiften. Meine Stimmung ging von „Du sieht GLÜCKLICH aus" über zu „Yeah, du siehst glücklich aus... aber warum? Du bist fett", gefolgt von „Glaubst du mir nicht? Sieh dir nur diesen Klumpen voller Cellulite an, den du Bein nennst, und der dieses Bild vollständig einnimmt und ihm jede Schönheit raubt."

Und das Lächeln verschwand.

Das schlimmste daran? Ich ließ es zu. Ich zog meinen Bauch ein, ließ mein Kinn fallen, runzelte meine Augenbrauen - und meine Laune sank. Die negativen Gedanken brodelten, bis sie einen gefährlichen Siedepunkt erreichten und ich mich fragte, „Warum hat der Fotograf die Zellulite nicht wegretuschiert?" und dann: „Was soll ich tun?". Ich fragte mich, ob es das Beste wäre, die Cellulite selbst zu bearbeiten, das Bild ab der Taille abzuschneiden oder das Bild ganz aus meiner Timeline zu löschen.

Das waren eine Menge Sorgen und Nöte wegen eines Fotos. Ein Fotos, das nichts anderes zeigt als die Realität. Und das war der Moment, in dem ich realisierte, dass man, wenn man dieses Foto betrachtet, nur meine Unvollkommenheit sieht. Und dass der Betrachter den Eindruck gewinnt, dass ich zu oft in der "All-you-can-eat-Mensa" war.

ODER man sieht eine überglückliche junge Frau, die gesegnet mit Freundschaft ist, so wie ich es jetzt tue.

Das ist der wunderbare Teil daran! Ich beschloss, dass es ich es bin - ich, die Unabhängige, Starke und Mächtige- die entscheidet, was ich sehen, fühlen und glauben möchte.

Denn ich bin 19 Jahre alt und ich habe es satt. Ab jetzt gibt es keine Vergleiche mehr mit anderen Körpern und keine emotionale Bedrängnis! Kein Leid mehr wegen irgendwelcher Vorstellungen von Körperidealen, die einem von außen vorgegeben werden. Nichts mehr davon.

Was tat ich also? Ich beschloss, dass ich das Bild liebe. Es ist eine wunderbare Momentaufnahme von zwei Freundinnen während eines Spaziergangs im Regen. Also beschloss ich, das Foto zu teilen.

Ja, richtig. Ich beschloss, dieses ehrliche und fehlerhafte Bild zu lieben. So sehr, dass ich es begrüße, es feiere, wenn Sie es teilen. Ich beschloss, meine Dämonen zu bekämpfen. Denn ich hatte und habe keine Zeit und Energie,um mich von ihnen runterziehen zu lassen. Solche Dinge sind nicht mehr wichtig. Und ich hoffe, dass Sie, wenn Sie auf sich selbst schauen, genauso von sich denken.

Denn wir sind besser als die.

Und eigentlich ist es okay, ein Foto anzusehen und zu sagen: „Ja, ich mag dieses Bild meiner Cellulite."

Der Original-Text erschien aufThe Manifest-Station.