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Warum wir eine Lebensmittelrevolution brauchen

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LEBENSMITTELREVOLUTION
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Dieser Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit dem Food Innovations Netzwerk HERMANN'S.

2015 las ich einen Artikel in der New York Times zur Geschichte von Mehl. Ganze neun Seiten gewidmet einem Gut, an das ich, ebenso allgegenwärtig wie alltäglich, Zeit meines essenden Lebens noch nie einen Gedanken verschwendet hatte.

Urplötzlich erschien der globale Markt für Mehl wie der Schauplatz eines dystopischen Thrillers, in dem die große industrielle Maschine an den Schrauben der Natur dreht, und enorme Mengen einer billigen, weißen Droge für den täglichen Gebrauch ausspuckt.

Je mehr ich frage und lese, desto mehr erkenne ich unser Food System als Struktur, die so engmaschig mit unserer Gesellschaft verwoben ist, dass wir sie nicht mehr wahrnehmen.

Wir vergessen, dass sie komplett von Menschen gemacht ist, gestaltet einzig und allein, um Riesenvolumen gleichförmiger, billiger Produkte zu erzeugen.

Den Massenkonsum demokratisieren

Dieses System, das geschaffen wurde, um Massenkonsum zu demokratisieren und den Ausstoß zu maximieren, wurde nie unter den Aspekten der Langzeiteffekte betrachtet, die es auf unsere Märkte, Kultur und Umwelt hat.

Als Folge davon passieren furchteinflößende Dinge. Unser System ist nicht so ausgeglichen und selbsterneuernd wie das der Natur. Zwei Milliarden Menschen sind übergewichtig, fast eine Milliarde hungert.

Dieses Ungleichgewicht erscheint schleierhaft. Die Nährwertdichte unserer Nahrungsmittel ist um 50 Prozent gesunken im Verlauf der letzten 100 Jahre und die daraus resultierenden gesundheitlichen Auswirkungen auf Körper und Geist spüren wir jeden Tag.

Die „entwickelte" Welt, in der wir leben, ist gleichzeitig übersättigt und unterernährt, so verdreht das klingen mag.

Wir spüren die Einschläge unseres kaputten System ebenso wie unser Planet. Nachdem ich einmal angefangen hatte in den Fakten zu wühlen - von den überfischten Meeren über die tickende Zeitbombe unserer Wasservorräte zu den Langzeiteffekten, die Weißmehl auf die menschliche Gesundheit hat -, erschien es mir riskant, überhaupt irgendwas zu essen, wenn nicht sogar regelrecht verantwortungslos.

Wir versinken in einem Informationsstrom

Natürlich sind das alles keine neuen Fakten, wir werden von diesem Wissen gnadenlos belagert, versinken in einem unstillbaren Informationsstrom, der unsere Wahrnehmung abstumpft.

Was mich betrifft konnte der New York Times Artikel diesen Strom unterbrechen, indem er die schwer zu fassenden Mechanismen unseres Systems in Stücke strukturierte, die ich begreifen konnte.

Und genau darin liegt die eigentliche Herausforderung. Größere Kanonen bauen, um die Welt mit noch mehr schlechten Neuigkeiten zu beschießen bringt uns nicht weit.

Stattdessen könnten wir einen Schritt zurücktreten und uns erinnern, dass diese Maschine, das gesamte Food System von Menschen realisiert wurde. Wenn Menschen es gebaut haben, dann können Menschen es auch neu gestalten.

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Wie sähe das Food System aus, wenn wir von vorn begännen? Warum ist Mehl weiß? Wer entscheidet, was gesund ist und was nicht? Warum essen wir von 80.000 essbaren Pflanzen , die es auf der Welt gibt nur ein paar hundert?

Muss unser Fleisch aus Tierbestand kommen? Ist die Technologie wirklich nur ein Teil des Problems? Kann sie nicht vielmehr Lösungen ermöglichen und uns helfen einige der schwersten Aufgaben zu meistern?

Ich begann in die Details zu gehen, um herauszufinden wie ein neugestaltetes Food System aussehen könnte, eines, das den Herausforderungen gewachsen ist und kulturellen Anforderungen genügt.

Ich fand heraus, dass es überall Menschen gibt, die bereits daran arbeiten: von Biochemikern, Chefs, Farmern, Entrepreneurs zu kleinen Unternehmen, Universitäten und großen Food Brands.

Diese Leute arbeiten zum Beispiel daran Tomaten zu züchten in vertikalen Farmen, zehnmal schneller als in normaler Agrarwirtschaft, ohne Erde und ohne Pestizide.

Anderswo zerlegen Leute Grundnahrungsmittel

Solche Innovationen stellen jeden Aspekt des globalen agrarwirtschaftlichen Apparates in Frage. Und ließen mir eine Zukunft vorschweben, in der alle großen Städte ihr eigenes frisches Gemüse produzieren können.

Einer Zukunft, in der Lieferwagen und Pestizide veraltet sind. In der das gigantische Netz der heutigen „globalen Farm" in viele kleine, lokale, autarke, unabhängige Knotenpunkte aufgelöst werden kann.

Anderswo zerlegen Leute Grundnahrungsmittel wie Fleisch und Milcherzeugnisse bis hinein in die molekulare Ebene und erfinden Wege diese durch natürliche und sanfte Alternativen zu ersetzen.

Eines Tages werden sich unsere Kinder kaum noch vorstellen können, das „es war einmal vor langer Zeit", dass die Milch in ihrem Frühstück oder das Fleisch in ihren Burgern von Tieren kam.

Andere nutzen Technologie, um den Wasserkreislauf der Natur zu imitieren und eine Infrastruktur zu entwickeln, in der jeder Haushalt des Planeten eigenes Trinkwasser produzieren kann.

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Für jeden Defekt im System gibt es Innovatoren, die an möglichen Lösungen arbeiten: Menschen, die unsere Nahrungsversorgung in ihrer Gesamtheit betrachten, es hinterfragen und sich bemühen die einzelnen Komponenten neu zu formulieren.

Diese Menschen wollen eine langfristige, nachhaltige globale Versorgung ermöglichen und ihre Arbeit hat meine Sicht der Dinge drastisch verändert.

Mehr zum Thema: Viele Menschen übersehen, welch gravierende Folgen Billig-Fleisch auf ihre Gesundheit haben kann

Ich bin zu der Einsicht gekommen, dass unser Food System vor umwälzenden Veränderungen steht. Veränderungen, die wir in unserem täglichen Leben, in den Medien, in unseren Supermärkten und auf unseren Feldern erleben werden.

Wie auch immer sich solch ein neues Food System manifestiert, es birgt enormes Potenzial für Bildung, für den Planeten, und für unsere Geschäfte. Die Innovatoren und Pioniere sind diejenigen, die dauerhafte Veränderungen in den kommenden Jahrzehnten herbeiführen werden, wenn wir sie eben darin bestärken.

Unser Ziel bei Hermann's ist es rauszugehen und sie zu finden, sie zu bestärken, ihre Geschichten zu erzählen, und eine Landschaft zu hegen, in der Innovation gedeiht und in der wir gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten:

For a good future of food.

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Die Zahl der Menschen, die in einigen Jahren Burger, Steaks, und ja, auch Salat essen wollen, steigt dramatisch. Gleichzeitig sehen wir in vielen westlichen Gesellschaften die Folgen ungesunder Ernährung: Wir stehen vor einem Fett- und Zucker-Kollaps.

Doch es gibt längst Ideen und Lösungen für dieses globale Problem. Denen will sich die HuffPost in den nächsten Monaten mit Artikeln, Reports und Expertenbeiträgen widmen.

Dafür arbeiten wir mit der in Berlin entstehenden und von dem Kekshersteller Bahlsen finanzierten Plattform Hermann's zusammen, einer Art Denkfabrik für die Zukunft unserer Ernährung.

Die neue Plattform will die Köche, Wissenschaftler, Blogger, Unternehmer und Firmen zusammenbringen, die sich genau mit diesen Zukunftsfragen beschäftigen.

Die aktuellen Beiträge aus der Kooperation findet ihr hier.

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