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Heimat shoppen ja, offline nein

Veröffentlicht: Aktualisiert:
OLDER WOMAN SHOPPING
Paul Bradbury via Getty Images
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»Ich shoppe offline«, prangt auf dem Plakat der Aktion »Heimat Shoppen« am Ortsausgang. Ich stutze, als ich den Spruch im Vorbeifahren wahrnehme. Mein Bauch grummelt. Widerspruch keimt in mir auf. »Ich shoppe durchaus online«, protestiere ich innerlich. Mehr noch, der Begriff »Offline« klingt für mich negativ. Synonyme wie altbacken, abgeschnitten und rückwärts gewandt kommen mir in den Sinn. Schließlich bedeutet Offline, dass man nicht verbunden ist, quasi abgeklemmt vom Rest der Welt. Ist das wirklich der richtige Begriff, um damit zu werben? Eigentlich möchten die Macherinnen und Macher der Aktion doch ein positives Bild vom heimischen Einzelhandel schaffen. Ist es da richtig, mir das Gefühl zu geben, ich sei der Nagel am Sarg des heimischen Einzelhandels, weil ich gelegentlich online shoppe?

Ich shoppe gerne am Ort

Damit keine Missverständnisse aufkommen: Ich bin sehr dafür, den heimischen Einzelhandel zu unterstützen. Die Vorstellung, alle die schönen Läden würden verschwinden, macht auch mir Gänsehaut. Natürlich kaufe ich auch lokal ein. Ich käme beispielsweise nie auf die Idee, meinen Wein online zu bestellen. Da gehe ich lieber in den kleinen Weinladen am Ort, wo mir der Besitzer - ein älterer, netter Herr - gerne den passenden Wein empfiehlt. Natürlich kaufe ich auch meine Lebensmittel vor Ort. Dies tue ich schon aus reiner Bequemlichkeit, denn für mich als berufstätigen Menschen ist sehr schwierig, ein bestelltes Paket in Empfang zu nehmen. Dies bedarf oft mehrfacher Fahrten zu diversen Paketshops. Da fahre ich lieber gleich gezielt zum Geschäft meines Vertrauens. Also tue ich dies, weil in diesen Fällen das Angebot im Einzelhandel für mich attraktiver ist, als das im Netz.

Ist online böse?

Dennoch bestelle ich ab und zu online. Dies kann aus mehreren Gründen erfolgen. Beispielsweise muss ich mich bei speziellen Artikeln erst einmal informieren und klicke dann womöglich gleich auf den Kaufen-Button. Öfter wüsste ich auch gar nicht, wo ich den gesuchten Artikel vor Ort bekommen könnte, dann bin ich froh, ihn recht einfach bestellen zu können. Muss ich deswegen ein schlechtes Gewissen haben? Ich finde nicht. Das Internet mit seinen Einkaufsmöglichkeiten ist aus unserem Leben nicht mehr wegzudenken. Es zu verdammen, ist keine Lösung.

Zusammen kann es gehen

Es ist gerade einige Monate her. Am Pfingstwochenende wurde mir bewusst, dass es an der Zeit ist, mir einen modernen Fernseher zu kaufen. Also griff ich mein Tablet und surfte durch das Web, um mir klar zu werden, welches Gerät wohl geeignet wäre. Nach zwei Stunden Beschäftigung mit diversen technischen Begriffen machte ich mich auf die Suche nach passenden Angeboten. Ich stieß auf einen kurzzeitig geltenden Sonderpreis für mein Wunschgerät. Spontan klickte ich auf Kaufen. Interessanterweise war dies kein Online-Shop, sondern ein Einzelhändler, der seine Ware auch online präsentierte. Am Dienstag nach Pfingsten fuhr ich dann los und holte meinen neuen Fernseher ab. Leider war dies kein Einzelhändler an meinem Ort. Wie ich finde, ist dies dennoch ein ideales Beispiel, wie sich Einzelhandel und Internet ergänzen können.

Manchmal weiß ich gar nicht, welche tollen Angebote Geschäfte bei mir vor Ort haben. Aus großen Kaufhäusern kennt man die Schilder an den Rolltreppen, die zeigen, in welchem Stockwerk welche Waren zu haben sind. Gerade in kleinen Orten wäre eine kleine Infoseite oder gar eine App hilfreich, die mir zeigte, wo im Ort ich mein gesuchtes Produkt bekommen könnte. Gleich mit Angabe von Öffnungszeiten, weil ja bekanntlich der kleine Einzelhandel nicht durchgehend geöffnet ist. Gelegentlich stand ich nämlich vor verschlossenen Türen, weil das Geschäft am Mittwochnachmittag geschlossen hatte. Versuche, passende Geschäfte mit den bekannten Telefonbüchern zu finden, ließen mich schon manches Mal vor irgendeiner Garage in einem Gewerbegebiet landen.

Offline geht nicht mehr

Liebe Macherinnen und Macher von »Heimat shoppen« lasst es euch sagen, offline ist vorbei. Online ist angesagt, also macht doch einfach mit. Also statt sich die »gute, alte Zeit« zurückzuwünschen, wäre es doch viel besser, wir würden alle gemeinsam dafür sorgen, dass die aktuelle Einkaufswelt noch schöner wird. Denn Zukunft kann man bekanntlich nicht aufhalten, man kann sie nur gestalten. Am allerliebsten gleich bei mir vor der Haustür am Ort, in dem ich lebe.