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Frauennetzwerke im Beruf - wichtig oder unnötig?

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WOMEN AT WORK HEELS
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Es waren die Neunziger. Frauen müssten sich vernetzen, um sich gegenseitig zu stärken, war die große Botschaft. Überall entstanden solche Frauennetzwerke. Jede Stadt, die etwas auf sich hielt, initiierte einen Frauenstammtisch und man konnte fast jede Woche zu einer Frauenmesse gehen. Nun sind wir eine Generation weiter.

Wir haben eine Kanzlerin und die Frauenquote. Der Hype um Frauennetzwerke hat sich längst gelegt. Sind sie noch notwendig oder haben sie sich überlebt?

Junge Frauen sind selbstbewusst

Junge Frauen von heute sind mit der gesellschaftlichen Botschaft aufgewachsen, dass Frauen alles erreichen können. Natürlich ist es immer noch viel zu schwer, den Wunsch nach einer Familie mit Kindern und das Streben nach einer beruflichen Karriere zu verbinden.

Denn auch die aktuelle Frauengeneration sieht hier nach wie vor die Last auf ihren Schultern liegen. Aber spricht man mit jungen Frauen, so spürt man ein größeres Vertrauen in die eigene Kraft und ein stärkeres Selbstvertrauen, als dies vor Jahrzehnten der Fall war. Diese Generation glaubt daran, die Herausforderungen zu meistern.

Wozu also Frauennetzwerke, zumal es doch mit Facebook & Co. genügend Möglichkeiten zur Vernetzung gibt? Dadurch hat sich auch die Art und Weise geändert, wie sich Frauen das Netzwerken vorstellen. Carmen Reuter, Vorsitzende des B.F.B.M. - Bundesverband der Frau in Business und Management e.V., beschreibt es so: »Es gibt heute eine generelle Unlust sich in der Freizeit durch eine Mitgliedschaft zu binden. Beliebter ist das gezielte Aussuchen von Highlights.«

Männernetzwerke waren die Vorbilder

In den Gründungszeiten der Frauennetzwerke waren die geheimnisvollen Vereinigungen der Männer die Vorbilder. Diese Zirkel, in denen junge Männer nach skurrilen Ritualen beitreten, um dann ihr Leben lang im Berufsleben davon zu profitieren. Die Frauennetzwerke hatten und haben das gleiche Ziel.

Sie wollen Frauen in ihrem beruflichen Weiterkommen helfen. Doch von Anfang an haben sie auch einen entscheidenden Nachteil: Es gibt kaum Frauen in den entscheidenden Bereichen, die anderen Frauen den Weg ebnen könnten. Also anders als in diesen Männerbünden, wo der Kumpel gerne mal auf einen höheren Posten gehievt wird, besteht in reinen Frauennetzwerken kaum eine Chance dazu.

Frauen netzwerken anders

Vielfache Forschungen haben gezeigt, dass Frauen andere Anforderungen an ihr Netzwerk haben. Sie sind an emotionaleren Bindungen interessiert. Sie wollen sich tiefergehend austauschen. Einen Kontakt nur aus Kalkül aufzubauen, um ihn dann beruflich zu nutzen, fällt ihnen schwerer.

Zudem vernetzen sich Frauen lieber mit Gleichgesinnten, also Frauen auf der gleichen Hierarchieebene. Sie gehen sogar soweit, andere Frauen daran zu hindern, eine Ebene aufzusteigen. Dies wird gerne als Krabbenkorb-Metapher beschrieben., weil Krabben ihre Artgenossen daran hindern, den Korb zu verlassen.

Dies führte unter anderem dazu, dass in den Neunzigern eine ganze Welle von Frauennetzwerken und -Netzwerkchen entstand. Viele Frauen gründeten lieber ihr eigenes kleines Wohlfühlnetzwerk, als sich die Mühe zu machen, sich in einem größeren Netzwerk eine Position zu erkämpfen.

Wirklich schlagkräftige Vereinigungen konnten so nicht entstehen. Zwar gibt es auf politischer Ebene die Bemühungen, dies in Landesfrauenräten oder dem Deutschen Frauenrat zu bündeln, aber durch die Heterogenität dieser Vereinigungen bleiben die Themen Beruf und Karriere für Frauen dort zumeist ein Minderheitenthema.

Die Berufswelt ist männlich geprägt

Auch wenn Frauen in Führungspositionen selbstverständlicher geworden sind, die Regeln und Mechanismen sind nach wie vor eher männlich geprägt. Frauen, die aufsteigen wollen, sollte man also raten, sich nicht in einer reinen Frauenwelt zu bewegen, sondern den Kontakt zu den Männern zu suchen.

Vor diesem Hintergrund scheinen reine Frauennetzwerke im Geschäftsleben kaum noch Sinn zu machen.

Soll sich daran etwas ändern?

Man könnte also einfach sagen »Frauen macht es wie die Männer!« und alles wäre okay. Schließlich war dies anfänglich der Ansatz vieler Männer, die von Gleichberechtigung sprachen. So viel hat sich daran auch bisher nicht geändert. Aber es kann keine Lösung sein, Frauen zu sagen, sie müssten ihre Stärken aufgeben, um es den Männern gleichzutun.

Die Frauen von heute wollen dies auch nicht. Doch viel zu oft ist dann die Konsequenz daraus, sich lieber aus dem Berufsleben oder zumindest dem Streben nach Karriere zurückzuziehen. Dies kann nicht im Sinne unserer Gesellschaft sein. Um dies zu ändern, können Frauennetzwerke eine entscheidende Rolle spielen.

Stärkt die Frauennetzwerke

So lange Männer die Schaltstellen der Wirtschaft dominieren, wird es nötig sein, die Kraft der Frauen zu bündeln, um dies aufzubrechen. Für jede junge Frau, die heute ins Berufsleben einsteigt, sollte es Usus sein, sich einem Frauennetzwerk anzuschließen.

»Im weiblichen Netzwerk erhalten Frauen Informationen und Ermutigung, ihren Weg zu gehen. Und die selbstständige Unternehmerin findet hier auch Teamspirit und das Biotop, um aufzutanken«, meint Carmen Reuter.

Die Netzwerke müssen im Gegenzug lernen, sich etwas aus der Wohlfühlzone heraus zu bewegen. Statt kleinklein muss es Ziel sein, die Aktivitäten zu konzentrieren. Denn die aktuelle Herausforderung ist es, den Anforderungen der Frauen an das Berufsleben und die Karriere eine Stimme zu geben.

Frauennetzwerke können diese Stimme sein, aber sie müssen sich dahin bewegen. Schließlich haben Frauen eine weitere besondere Fähigkeit: Sie können sich flexibel auf Herausforderungen einstellen.

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