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Warum immer mehr Kinder Google wie Gott wahrnehmen werden

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Vor einiger Zeit sprach ich mit einem Arbeitskollegen, der mir etwas wirklich Erstaunliches berichtete: Er erzählte davon, wie seine Kinder heranwachsen und welche Rolle dabei elektronische Medien spielen. Die Kinder sind vier und fünf Jahre alt. Der wahrscheinlich sichtbarste Unterschied ist der, wie sie mit ihrem Tablet umgehen. Natürlich können sie noch nicht buchstabieren in dem Alter, aber sie können schon sprechen.

Diese Kinder nutzen etwas, was der Suchmaschinenriese Google in den letzten Monaten und Jahren auch mittels Fernsehwerbung immer wieder propagiert hat, was jedoch die meisten Erwachsenen ablehnen, da es für das Umfeld ja etwas komisch aussieht:

Sie halten das Tablet direkt vor ihren Mund und nutzen die Google-Sprachsteuerung. Die Kinder sprechen mit Google - so wie mit einem Erwachsenen. Denn Kinder haben ständig Fragen: Warum regnet es und warum werden die Blätter im Herbst bunt? Warum? Wieso? Weshalb? In der Kindergartenzeit löchern die Kleinen ihre Eltern mit endlosen Fragen.

Google ist allwissend und allgegenwärtig

Google ist nie genervt und beantwortet all diese Fragen mit einer ruhigen, sonoren Stimme. Wie bequem ist es für Eltern, dem Nachwuchs einfach ein Tablet in die Hand zu drücken und den Wissensdurst ihrer Sprösslinge durch Google stillen zu lassen. Die Gefahr liegt jedoch in der Beziehung, die Kinder in diesen Jahren zu der bekanntesten Suchmaschine aufbauen. Google entwickelt sich gefühlt für Kinder zu einer Bezugsperson, einer Person, der sie vertrauen, da sie immer die richtigen Antworten bereithält.

Kinder werden die Aussagen ihrer Eltern mithilfe von Google überprüfen - unter Umständen vertrauen sie Google noch mehr als den Erwachsenen aus ihrem Umfeld. Eltern und Google treten damit in eine Konkurrenzsituation und Eltern laufen Gefahr, dass sie die Chance verpassen, über solche scheinbar einfachen Informationsfragen die Beziehung zu ihren Kindern aufzubauen. Folglich kann hier eine Generation heranwachsen, die Google als übergeordnete Macht wahrnimmt, ja als Gott-gleich.

Google - Gott-gleich in der Wahrnehmung

Google ist für sie wie Gott - unsichtbar, allwissend, gütig - nie genervt. Diese und kommende Generationen werden Google in Zukunft vermutlich noch weniger infrage stellen, als dies die Generationen der Gegenwart tun, denn Google war und ist weiterhin in wichtigen Jahren ein vertrauensvoller Partner auf dem Weg ins Erwachsenendasein.

Die Neutralität von Google ist kritisch zu hinterfragen und Eltern sollten sich überlegen, bei welchen Fragen sie Google als Ansprechpartner zulassen sollten und bei welchen ein persönliches Gespräch für das Kind und dessen Entwicklung hilfreicher ist. Eine gewisse Form der Dependenz von Google ist auch bei uns Erwachsenen, unabhängig von Kindern, schon heute schwer zu leugnen.

Google wird zwangsläufig eine noch größere Rolle in der globalen Gesellschaft zuteil werden. Man darf gespannt sein, in wie weit sich der Suchmaschinenriese dieser gesellschaftlichen Verantwortung stellt beziehungsweise wie der Konzern dieser Rolle im Sinne einer besseren Zukunft für folgende Generationen gerecht wird.


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