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So viele Sexualitäten, was ist nun normal?

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EROTIC FILTER
John Slater via Getty Images
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Ich stehe in einem Gang. Rechts und links Türen, die ich wohl öffnen soll. Ich setze einen Schritt nach vorne, öffne eine Tür rechts von mir.

Ich sehe zwei Männer. Sie stehen vor dem Spiegel, Arm in Arm, reden über ihre Zukunft. Sie wollen sich ein Haus kaufen mit einer großen Küche und einem gemütlichen Schlafzimmer. Drei Zimmer für drei Kinder, die sie adoptieren wollen. Es ist wohl kaum zu übersehen, dass sie einander unglaublich lieben.

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Ich gehe zur nächste Tür: Zwei Frauen, ein Mann. Alle halbnackt sehe ich sie vor mir, wie sie einander küssen - ein Dreier. Es ist beinahe unmöglich, alle drei dabei vollkommen einzubinden, sodass sich keiner benachteiligt fühlt. Hier sehe ich ganz eindeutig, wer hier die „schlechteren Karten" hat: Der Mann. Die Frauen haben eine andere Bindung zueinander, viel intensiver und inniger, als wären sie schon mal miteinander intim gewesen.

Sie klebt ihre BrĂĽste ab, nimmt sich die Schere und kĂĽrzt ihre langen Haare

Hinter der nächsten Tür sehe ich ein junges Mädel. Nein, halt. Biologisch scheint sie es zu sein. Sie klebt ihre Brüste ab, nimmt sich die Schere und kürzt ihre langen Haare bis zu den Ohren. Sie zieht sich einen lockeren Pulli über, weite Jeans und Turnschuhe. Sie ist kein Mädchen, er wurde im falschen Körper geboren.

Ein paar Schritte weiter: Ein Mann. Groß, breite Statur und Muskeln. Er pudert sich, schminkt sich mit Lidschatten und Lippenstift. Dann ein hautenges Glitzerkleid, hohe Schuhe - wow, er kann in ihnen besser laufen, als ich. Er bewundert sich im Spiegel, er fühlt sich wohl und findet sich schön.

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Was verbirgt sich hinter der letzten TĂĽr? Mann und Frau nebeneinander. Sie nimmt Abstand zu ihm, er versucht diesen Abstand jedoch zu verringern. Er will sie, sie will ihn aber nicht - nicht auf diese Weise. Sie will keinen Sex, mit niemandem, sie will aber dennoch eine Beziehung mit ihm, denn sie liebt ihn.

Ich schließe die Tür wieder, stehe am Ende des Ganges und sehe eine Frau. Mittellange Haare, blaue Augen, normal groß würde ich sagen. Sie scheint heterosexuell zu sein. Sie erzählt mir von ihren Interessen, ihrem Berufswunsch, ihrem Leben - alles scheint so untypisch zu sein, so unnormal. Ich bemerke, dass ich in einen Spiegel schaue. Die Frau bin ich.

Was ist also normal? Der Durchschnitt?

Jeder von uns weicht in gewisser Hinsicht vom Durchschnitt ab. Ich mit meinen Interessen und Ansichten, andere durch ihre sexuelle Orientierung.

Niemand ist normal, wenn man es so betrachtet. Wieso ist es demnach wichtig, zu entscheiden, wer normal ist und wer nicht? Wer von uns ist denn normal? Wer von uns möchte es überhaupt sein?

Do what you want. Do it with love, respect and condoms.

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