Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Vanessa Stephan Headshot

„Ich bin HIV-Positiv" - wie man mit der Diagnose lebt

Veröffentlicht: Aktualisiert:
MAN SERIOUS FILTER BERLIN
fotografixx via Getty Images
Drucken

Als die Krankheit in den 1980er Jahren ausgebrochen ist, sagte man, dass das HI-Virus die „Rache Gottes gegen die Homosexualität" sei. Aber auch heutzutage steht man dem Thema teilweise intolerant gegenüber.

In Amerika zum Beispiel wurde jemand von seinem Partner angezeigt, weil er ihm seinen HIV-Status verschwiegen hatte. Nun steht in seinen Papieren: „Sexualverbrecher". In Namibia wurde eine HIV-Positive Frau zwangssterilisiert und von der Gesellschaft ausgegrenzt. HIV-Positive Menschen werden einfach eingesperrt.

Das möchte Björn Beck ändern. Er bekam 2010 die Diagnose, dass er HIV-Positiv sei und lebt nun seit sechs Jahren mit dem Virus. Sein Leben hat sich bezüglich seiner Gesundheit kaum verändert, doch erleben HIV-Infizierte im sozialen Leben immer wieder Diskriminierung.

Umso wichtiger ist es für ihn, das Thema offen zu bereden und vor allem die Vorurteile und Gerüchte zu klären. Wie er nun mit seiner Diagnose umgeht und wie sein Umfeld auf ihn reagiert, erfahrt ihr in diesem Artikel.

2010 ließ sich Björn auf HIV testen, er wollte mit einem befreundeten, lesbischen Paar Vater werden. Zuvor hatte er regelmäßig einen Test gemacht, alle negativ. Da er Medizin studiert hatte, wusste er also ganz genau, wie so ein Test abläuft.

Nachdem er dann nun etwas länger warten musste, wurde er schon stutzig, also fragte Björn nach und wurde am Telefon direkt an einen Arzt weitergeleitet. Ihm wurde schnell bewusst, was der Arzt sagen wird: „Der Test war positiv."

Im ersten Moment schien es, als würde er „den Boden unter Füßen verlieren"

Nach diesem Diagnoseschock fing er sich jedoch recht schnell wieder, denn er wusste, dass er durch den Virus zwar täglich eine Tablette einnehmen muss, dennoch muss diese keine Nebenwirkungen aufzeigen. Ihm wurde bewusst, dass er nicht gleich „am nächsten Tag umkippen wird". Durch HIV-Positive aus seinem Freundeskreis wusste er zum Glück, wie er mit dem Virus umzugehen hat.

Mittlerweile geht es ihm gesundheitlich gut. Er nimmt einmal pro Tag eine Tablette ein, sein Immun-Status ist mit 1200 T-Helferzellen mit dem eines gesunden Menschen zu vergleichen und zudem: Er kann den Virus nicht übertragen, er ist nicht infektiös. Björn lebt ein normales Leben, er hat einen Vollzeitjob, engagiert sich, geht aus, macht Sport - alles ohne Einschränkungen.

Mehr zum Thema: Ich bin nicht schwul, ich verliebe mich auch in Frauen

Jetzt könnte man doch denken: „Durch das Medikament kann AIDS erst gar nicht ausbrechen, die HI-Viren können sich nicht weiter vermehren, die Krankheit schreitet nicht voran. Wäre doch nicht schlimm, wenn es nun mich treffen würde, oder?"

Björn stimmt dieser Aussage in erster Hinsicht zu. Natürlich ist die Krankheit gut behandelbar und sein Leben hat sich im Großen und Ganzen kaum verändert. Wenn man jedoch genauer hinschaut, dann verändert sich ein ganz entscheidendes Detail im Leben: Die Reaktion der Gesellschaft.

„Zahnärzte wollen einen nicht behandeln, es werden blöde Fragen über das Sexualleben gestellt, manche reagieren übertrieben empathisch, Menschen wenden sich ab, oder haben auf einmal Berührungsängste", sagt er.

Viele Leute reden hinter seinem Rücken über ihn

Björn erzählte mir auch ein paar unangenehme Geschichten, wie einige auf seine Diagnose reagiert haben. Einer hatte zum Beispiel aus seinem Glas getrunken und fragte dann prompt: „War das deins?". Viele Leute reden hinter seinem Rücken über ihn: „Da musst du aufpassen. Bei ihm brauchst du ein Kondom".

Andere schreiben direkt über die sozialen Netzwerke: Jemand postete einen Kommentar von einer „leckeren Pizzeria" und Björn schrieb, dass man dort doch mal eine Pizza zusammen essen könnte. Als Antwort kam dann: „Ne, du bist ja positiv".

Umso wichtiger ist es, einen Vertrauten zu haben, mit dem man über solche Ereignisse reden kann. Besser noch, mit jemanden, der einen versteht. Jemand, der die sozialen Probleme eines HIV-Infizierten selbst kennt. Diesen Vertrauten hat Björn in seinem, mittlerweile, Ehemann gefunden. Beide sind HIV-Positiv.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Björn meint, dass Vertrauen das oberste Gebot in einer Partnerschaft sei. Vor allem in seiner wäre es ohne gar nicht möglich, denn sie führen keine monogame Beziehung und haben auch außerhalb ihrer Ehe Sex mit anderen Männern. Für beide ist das kein Problem. Gerne erzählen sie gegenseitig, wie sexy ihr letzter One-Night-Stand oder wie aufregend ihre Nacht gewesen sind.

Nicht jeder kann offen mit dem Thema umgehen

Björn rät jedem in einer Beziehung, ehrlich über seinen HIV-Status zu sprechen. Natürlich wird nicht jeder einfach offen mit dem Thema umgehen können. Auch werden manche denken, dass es zu riskant sei; das HI-Virus könnte ja doch mal durch ein geplatztes Kondom übertragen werden.

Hier kann das Wissen helfen, dass HIV bei einer gut funktionierenden HIV-Therapie nicht mehr übertragbar ist. Es kann sehr hilfreich sein, alles offen zu besprechen, bei Bedarf auch mit einem professionellen Berater.

Heutzutage wird das Thema HIV und AIDS zur Seite geschoben, man begibt sich in eine Art „Pseudosicherheit" und verdrängt es, da viele an falsche Fakten glauben: Die Pharmazie entwickelt ständig neue Medikamente, die das Leben eines HIV-Infizierten immer weiter verbessern.

Auch verwechseln viele die Krankheit AIDS mit dem HI-Virus. AIDS ist sozusagen das Endstadium, das man erreicht, wenn man die Diagnose zu spät erhält und dementsprechend die Therapie nicht früh genug beginnen kann.

Lasst euch also testen, wenn ihr ein HIV-Risiko hattet! Der Test ist anonym und kostenlos und vor allem erhaltet ihr dadurch Gewissheit.

Do what you want. Do it with love, respect and condoms.

2016-11-18-1479469023-7447078-JGA_Logo_pos11.jpg

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2016-07-11-1468249306-1333267-umfrage.jpg

Hier geht es zur Umfrage.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.