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Gastblog von Saskia: Das Wort "Hund" kann auch nicht bellen - Lana del Rey

01/03/2017 15:44 CET | Aktualisiert 01/03/2017 15:45 CET
Getty

Heute geht's mal um ein ganz persönliches Thema. Wer sowieso das Gefühl hat, das Leben begriffen zu haben und es eh immer besser weiß, sollte den Tab jetzt schließen. Wer allerdings eher unsicher durch Leben tapert, sich viel mit anderen vergleicht und ständig das Gefühl hat, vor allem irgendwie nicht hübsch (genug) zu sein, genau mit euch würde ich gerne ein Erlebnis teilen.

Fangen wir mal ganz von vorne an: Mit einer sehr erfolgreichen Sängerin die im Dezember 2011 ihren großen Durchbruch hatte, Lana Del Ray.

Als ich ihr Video „Video Games" das erste Mal sah, war ich berührt davon, wie schön jemand überhaupt sein kann. Diese Augen, diese Lippen, diese Haare. Wow. Kämpfte ich bis dato immer damit, lieber blond zu sein (wieso überhaupt? Weil Barbie blond ist? Weil „Blondinen bevorzugt sind"? ), war ich von diesem Moment auf an stolz auf meine braunen Haare.

Die liebe Lana, sie war von dem Moment auf an meine Ikone, mein Style-Vorbild. Ich bekam immer mehr von ihr mit. Zuerst das übliche. Langer und steiniger Weg ins Musikbusiness, mehrere Identitäten bevor es Lana wurde und mit gemachten Lippen kam dann der Erfolg.

Ich fand das alles okay, alles verständlich. Fing eher an zu überlegen, wie teuer so eine Hyaluron-Lippen-Behandlung ist. Ob das Geld für meinen kommenden 18. Geburtstag im April wohl reichen würde. Bei dem Gedanken an meine Mutter verwarf ich den Gedanken allerdings wieder. Die würde mich nämlich auf die Straße werfen, wenn ich so etwas unter 35 Jahren machen würde. Und na ja, solange ich meine Füße unter ihrem Tisch habe, ihr kennt das Spiel. (Tatsächlich war es meine Mutter, die meinem eigenen Gedankenkarussell später einen Denkanstoß gab.)

Mit der großen H&M Kampagne im kommenden Jahr, wusste nun auch der letzte Alm Öhi wer diese Lana mit dem Schmollmund ist. Irgendwie sprach ich eines Abends mit meiner Mutter über das Thema Schönheitsideale. Ich zeigte ihr Lana und das erste, was meine Mama sagte, war: „Das ist doch voll gephotoshopped. Zeig mal bitte ein normales Bild." Wir googleten uns durch, ich öffnete Instagram. Meine Mutter drehte komplett durch. „Das ist doch alles aufgespritzt! Ihr Gesicht! Was ist das? Und sowas findest du gut?! Wie dumm bist du eigentlich? Das ist doch nicht echt!"

Ich war verdutzt. In dem Moment realisierte ich das erste Mal ernsthaft, dass man Lana Del Rey mehr als Mensch sehen darf, der sich selbst zur Kunstfigur gemacht hat. Irgendwie ging Lana für mich dann ein bisschen unter, bis sie Weihnachten 2016 wieder in meinem Leben auftauchte. Mittlerweile habe ich schon mein Abi und bin in der Lage, Dinge kritisch zu hinterfragen. Doch anstatt Kafka zu analysieren, analysierte ich die gute Lana.

Erster Schritt: Fragen stellen aka Interview auf Youtube. Was ich fand, konnte ich nicht glauben: Eine Lana, die sehr interessante Dinge erzählt, dass sie immer noch babysitted und sowieso, irgendwie waren ihre kompletten Antworten sehr skurril und sie wirkte wie in einer anderen Sphäre.

Egal dachte ich, sie ist ja Sängerin, sie darf auch Quatsch erzählen. Doch was ich bei „How Lana Del Rey sings" zu boten bekam, erstaunte mich. Allerdings nicht positiv. Und wieder wirkt sie wie in einer anderen Sphäre. Doch was sie im Interview zu diesem Auftritt sagte, haute mich endgültig vom Hocker:

„Ich bin eine Kunstfigur. Die Leute kommen nicht für meinen Gesang, sie kommen für meine Show".

Unwillkürlich musste ich an meine Mutter und ihre Worte denken („Und das findest du gut? Wie dumm bist du eigentlich?"). Mir war es ein Rätsel, wie jemand mit diesen Künsten auf die Hochzeit von Kims und Kaynes Hochzeit geschafft hat - als Sängerin wohlgemerkt. Google flüsterte mir später zu, dass ihr Vater nicht viel, sondern sehr viel Geld in ihre Musikkarriere investiert hat.

In dem Moment checkte ich es endlich. Mit Geld kann man nicht nur Schönheit kaufen, sondern auch Ruhm. Mit Geld kann man auch Sängerin sein, obwohl man nicht singen kann. Und in den gleichen Reihen wird das Schönheitsideal von Morgen geschneidert. Wer bestimmt es, wer wählt es aus und wie überhaupt? Warum können nicht Sängerinnen für ihren Gesang bekannt sein und Menschen für ihre Vielfältigkeit. Für ihre Einzigartigkeit? Und nicht dafür, dass sie dem Durchschnitt entsprechen?

Liebe Mädels (und Jungs!), wenn ihr durch die Stadt lauft und wieder ein Bekannten Menschen auf einer Werbetafel hängen seht, hinterfragt kurz wie diese Person es dahin geschafft hat und wer ihre Eltern sind. Ändert sich eure Meinung nun? P.S. das Wort Hund kann auch nicht bellen.

Do what you want. Do it with love, respect and condoms.

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