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"Eine unbeschnittene Frau wird verstoßen!" Ein Lehrer kämpft in Kenia gegen die weibliche Genitalverstümmelung

06/05/2017 20:18 CEST | Aktualisiert 06/05/2017 20:18 CEST

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Egal, ob Sie ein Mann oder eine Frau sind, schließen Sie bitte kurz die Augen und stellen Sie sich vor, man würden Ihnen Teile Ihrer Genitalien abtrennen.

Die Schmerzen müssen unfassbar und unerträglich sein! Und dennoch wurden bereits über 200 Millionen Mädchen weltweit Opfer dieser barbarischen Prozedur - und zwar bei vollem Bewusstsein ohne Betäubung.

Da die weibliche Genitalverstümmelung (Female Genital Mutilation, FGM) häufig in irgendeinem Hinterzimmer oder mitten in der Wüste mit einer Rasierklinge und nicht etwa mit einem sterilen Skalpell durchgeführt wird, reichen die körperlichen Schäden von schlimmsten Entzündungen bis hin zum Tod durch Verbluten. Von den seelischen Schmerzen, welche die Frauen ihr Leben lang begleiten, ganz zu schweigen.

Dennoch wird diese Art von Körperverletzung trotz Gesetzen dagegen sowie internationalen Bemühungen von Politikern und Hilfsorganisationen wie den SOS-Kinderdörfern weltweit weiterhin praktiziert. Hauptsächlich in Afrika, Asien und dem Mittleren Osten, aber auch in Europa ist FGM verbreitet.

Die SOS-Kinderdörfer versuchen mit Aufklärungsarbeit den Mädchen dieses Schicksal zu ersparen und bieten Betroffenen medizinischer Hilfe.

Doch noch immer gibt es zu viele Opfer.

Dagegen kämpft der Lehrer Christopher Oloishuroh Murray* aus Kenia. Er erklärt mir im Interview, warum der weiblichen Genitalverstümmelung nur mithilfe und einem Umdenken der Männer ein Ende gesetzt werden kann .

Wieso bestehen Männer darauf, dass ihre zukünftige Braut beschnitten ist?

Murray: Männer wollen eine beschnittene Frau, weil ihre Dorfgemeinde ihnen suggeriert, dass dieses Ritual dringend erforderlich ist! FGM wurde früher von älteren Männern gefordert, um den Sexualdrang der Frauen zu reduzieren oder zu unterdrücken. Viele wollen das noch immer.

Was passiert, wenn eine Frau nicht beschnitten ist?

Murray: Viele glauben, das Blut einer unbeschnittenen Frau wäre unsauber. Wird eine unbeschnittene Frau schwanger, wird sie zum schwarzen Schaf der Familie und auch von der Gemeinde geächtet! Niemand würde sie unterstützen - noch nicht einmal bei der Geburt des Kindes.

Da muss sie alleine durch. Außerdem wird sie keinen Mann finden, der sie danach noch heiraten würde.

Ist FGM ein Gesprächsthema unter Männern? Und wissen sie über die Folgen von FGM Bescheid?

Murray: FGM ist kaum ein Thema zwischen Männern. Die meisten von ihnen haben keine Ahnung, welche negativen Auswirkungen und schlimmen Gefahren FGM birgt. Aber ab und zu sprechen sie über Frauen, die beschnitten sind und solche, die es nicht sind und bewerten sie - vor allem, wenn sie aus einer anderen Gemeinde kommen und noch ledig sind.

Wollen nur Frauen oder auch Männer in Kenia FGM abschaffen?

Murray: Wenn man die Männer aufklärt und für das Thema FGM sensibilisiert, sind die meisten Männer für die Abschaffung von FGM. Immer mehr Männer beteiligen sich am Kampf gegen FGM, der lange Zeit nur von Frauen vorangetrieben wurde. Sie unterstützen nun Mädchen, die Nein zu FGM sagen.

Wie stehen die Männer zu FGM, wenn es um die Beschneidung ihrer eigenen Töchter geht?

Murray: Der moderne, aufgeklärte Kenianer möchte in der Regel nicht, dass seine Töchter beschnitten werden. Aber ungebildete Männer, die immer noch den Großteil vor allem in ländlichen Gemeinden ausmachen, sind für eine Beschneidung

*Christopher Oloishuroh Murray lebt in Narok, einer Stadt im Westen Kenias, in der die Beschneidung der Frau praktiziert wird. Der 48-jährige Lehrer engagiert sich gegen FGM. Viele Männer in Kenia verlangen hingegen noch immer, dass ihre Ehefrau in spe beschnitten ist.

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