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Eines Tages werde ich jeden frustrierenden Elternmoment vermissen

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FRUSTRATED MOM
Gedanken einer verzweifelten aber glĂŒcklichen Mutter. | Jamie Grill via Getty Images
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Das Erwachsensein und all die Aufgaben eines Erwachsenen können durchaus herausfordernd sein. Ein Elternteil sein und all die Aufgaben eines Elternteils können gleichermaßen sehr herausfordernd sein.

Diese Aufgaben, kombiniert mit den Herausforderungen, die mit einem Kleinkind und einem Baby einhergehen, können zu einem exponentiell ansteigenden Anspannungslevel fĂŒhren, das sich so schnell manifestiert wie die Geduld verpufft ist. Das Resultat ist unvermeidbar eine Explosion irgendeiner Art.

Dann kam die riesen große Explosion

Nach einer Explosion findet sich in unserem Haus verbales Schrapnell im Raum verteilt, eingedrungen ins Innere von Plastikspielzeug und der ĂŒber den Boden verstreuten BĂŒcher, wieder.

WĂ€hrend einer besonders harten Woche, in welcher die ZĂ€hne des kleinen Matzes zu wachsen anfingen - er krank, die Mutter noch unausgeschlafener als sonst- stand ich inmitten des Schutts einer besonders schlimmen Explosion und schrie innerlich: „WIE VIEL LÄNGER MUSS ICH DAS NOCH AUSHALTEN? WIE VIEL MEHR KANN ICH DENN NOCH ERTRAGEN?"

Auswirkungen sind stundenlang bemerkbar

In diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich mir diese Frage hÀufig stelle. Meist allerdings nicht so lautstark. Meist handelt es sich dabei eher um einen vorbeiziehenden Gedanken, der so schnell wieder verschwunden wie er aufgetaucht ist.

Wie lang noch bis sie dem zuhört, was ihr BEIM ERSTEN MAL gesagt wurde?

Wie lang noch bis er die Nacht durchschlÀft?

Wie lang noch bis sie selbststÀndig aufs Töpfchen gehen kann?

Wie lang noch bis er aufhört, sich auf mir zu ĂŒbergeben?

Wie lang noch bis sie fĂŒr ein paar Stunden in die Schule gehen kann?

Wie lang noch bis er mich nicht mehr fĂŒr ALLES braucht?

Diese flĂŒchtigen Gedanken verweilen nur einen kurzen Moment, aber ihre Auswirkungen auf meine Verfassung können sich stundenlang bemerkbar machen.

Diese Gedanken nĂ€hren die ĂŒbermĂŒdete Version von mir und fĂŒhren dazu, dass ich mein daraus resultierendes schlechtes Verhalten rechtfertigen muss.

Die Zeit geht viel zu schnell vorbei

Ein paar Tage nach dieser besonders schlimmen Explosion saß ich gemĂŒtlich mit meinen beiden Kindern, die beide ganz still am Lesen waren, und dieselben Gedanken schossen mir durch den Kopf: „Wie lang noch bis... sie keine Geschichten mehr mit mir lesen wollen?"

GĂ€nsehaut machte sich auf meinen Armen breit und mein Geist umkreiste diese Frage im Achterbahntempo.

Wie lang noch bis er aufhört, in meinen Armen einzuschlafen?

Wie lang noch bis sie aufhört, aus mir spontan fĂŒr eine Umarmung in den Schoß zu krabbeln?

Wie lang noch bis er sich selber ernĂ€hren kann und mich nicht mehr dafĂŒr braucht?

Wie lang noch bis sie aufhört, mich 'Mama' zu nennen?

Wie lang noch bis es ihm zu peinlich ist, mich ganz doll und lang zu umarmen?

Wie lang noch bis sie zum Schlafengehen keine Lieder mehr mit mir singen will?

Wie lang noch bis sie mich nicht mehr brauchen?

Auf herausfordernde Momente folgen ganze besondere

Ich betrachtete meine Kinder und mir wurde bewusst, wie sehr sie in den letzten sieben Monaten, in denen ich durchgÀngig mit ihnen zu Hause war, gewachsen waren. Mir wurde bewusst, wie schnell diese Zeit vorbeigegangen war... scheinbar schneller als dieser Gedanke, der alles ins Rollen gebracht hat.

Ich weiß, dass es noch viele, viele weitere herausfordernde Momente geben wird, in denen ich mich fragen werde, wie lang ein gewisses Verhalten meiner Kinder noch andauern wird oder wie lang ich noch besonders frustrierende Phasen ertragen muss.

Aber fĂŒr jeden einzelnen dieser herausfordernden Momente, deren Ende ich mir herbeisehne, gibt es unzĂ€hlige besondere Momente, die ich mein Leben lang nie vergessen möchte.

„Wie lang noch?"

Schlussendlich weiß ich einfach nicht, wie lange diese Momente noch andauern mögen. Also werde ich die schlechten Momente aus-, und die guten einatmen. WĂ€hrend jeder schwierig und unmöglich erscheinenden Situation werde ich mir die Frage „Wie lang noch?" mit „Auch dies wird vorĂŒberziehen" beantworten.

WĂ€hrend jedem unertrĂ€glich kostbar erscheinenden Augenblick werde ich die Frage „Wie lang noch?" mit „Nicht lang genug" beantworten. Und ich werde mich daran erinnern, dass ich eines Tages zurĂŒckblicken werde und alles darum geben wĂŒrde, all dies noch einmal erleben zu dĂŒrfen- Explosionen miteingeschlossen.

Dieser Artikel erschien zuerst in der Huffington Post Kanada und wurde von Virginia V. Hartmann aus dem Englischen ĂŒbersetzt.

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