BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Vanesa Sherifi Headshot

Ich bin 15 Jahre alt, 13 davon verbrachte ich in ständiger Angst - helft mir, sicher zu bleiben

Veröffentlicht: Aktualisiert:
VANESA SHERIFI
vanesa sherifi
Drucken

Ich bin 15 Jahre alt. 13 davon verbrachte ich in ständiger Angst. In Angst, eingesperrt zu werden, von meiner Familie getrennt zu sein oder meinen Vater sterben zu sehen.

Heute leben wir in Deutschland und zum ersten Mal in meinem Leben ist meine Familie sicher. Noch. Denn die deutschen Behörden wollen uns abschieben.

Wir flüchteten vor unserer eigenen Verwandtschaft

Meine Eltern, meine zwei kleinen Schwestern und ich kommen nicht etwa aus einem Krisengebiet. Wir kommen aus Serbien - und doch sind wir Flüchtlinge. Wir flüchten vor unserer eigenen Verwandtschaft.

Was banal klingen mag, bedeutet für meinen Vater Lebensgefahr. Denn die serbische Familie meiner Mutter akzeptiert ihn nicht. Er kommt aus dem Kosovo und wurde deshalb schon immer von ihnen abgelehnt.

Mehr zum Thema: In Deutschland geboren und trotzdem abgeschoben: 14-Jährige während des Unterrichts abgeholt

Ihr Hass steigerte sich mit der Zeit und seitdem meine Eltern zusammen sind, versucht Mamas Verwandtschaft unsere kleine Familie zu zerstören.

Nur wenige Tage nach meiner Geburt hielten sie meine Mutter und mich gefangen - ein ganzes Jahr lang. Sie wollten sicherstellen, dass meine Mutter ihren Mann und meinen Vater nicht wiedersehen konnte.

Mein erstes Lebensjahr verbrachte ich also im Hause der Menschen, die meine Eltern entzweiten und meine Mutter in die Verzweiflung trieben.

Der Alptraum war noch nicht vorbei

Schließlich gelang ihr die Flucht. Und trotzdem war der Albtraum noch lange nicht vorbei. Mit 13 musste ich mitansehen, wie Mamas Angehörige meinen Vater verprügelten. Wir wandten uns nach diesem Vorfall an die Polizei, doch die half nicht.

"Es gäbe keine Zeugen", sagten sie. Es stand Aussage gegen Aussage.

Keiner wollte uns helfen.

Auch dann nicht, als mein Opa, der Vater meiner Mutter, mir mit einer Glasflasche hinterherrannte und mich schlagen wollte. Ich konnte mich zwar noch rechtzeitig verstecken, jedoch geht mir dieses Gefühl nicht mehr aus dem Kopf - das „Gejagt werden".

Meine Eltern haben es wohl schon ihr halbes Leben lang.

Deshalb haben sie sich im Jahr 2015 dazu entschieden, mit mir und meinen Schwestern nach Deutschland zu fliehen. Die Familie meiner Mutter darf dort nicht mehr einreisen.

Mehr zum Thema: Für die Bundesregierung sind deutsche Leben wertvoller als Afghanische

Deutschland wurde in der dunkelsten Zeit zum sicheren Hafen. Dort konnten wir zum ersten Mal durchschnaufen und - zumindest ein wenig - vergessen.

Heute wohnen wir in einer Sozialwohnung in einer Stadt in Baden-Württemberg. Ich und meine jüngere Schwester gehen in die Schule, meine kleinste Schwester in den Kindergarten.

Das Ausländeramt hindert meine Eltern am arbeiten

Ich bin sehr gut in der Schule - in Englisch und Mathe sogar Klassenbeste. Mir gefällt es hier.

Meine Eltern versuchen ständig, Arbeit zu finden. Oft hätten sie auch schon eine Stelle bekommen, hätte das Ausländeramt nicht die Genehmigung verweigert.

Meine Eltern haben sich deshalb an einen Anwalt gewandt, der daraufhin einen Härtefallantrag stellte - jedoch ohne unsere persönliche Notsituation zu berücksichtigen. Es fielen die Begriffe "Roma" und "Sicheres Herkunftsland" und damit war das Ergebnis auch fast schon beschlossene Sache.

Der Antrag wurde abgewiesen.

Wenn jetzt nichts mehr passiert, müssen wir bis zum 30. Juli 2017 unsere neue Heimat verlassen.

Unsere letzte Hoffnung ruht auf einer Petition. Wir sammeln dort Unterschriften und wollen so erwirken, dass sich die Härtefallkomission erneut mit unserem Fall beschäftigt.

Pointiert und meinungsstark: Der HuffPost-WhatsApp-Newsletter

2016-07-22-1469180154-5042522-trans.png

Denn selbst wenn wir aus einem auf dem Papier "sicheren Herkunftsland" kommen, ist für uns die alte Heimat überhaupt nicht sicher. Mein Vater und wir Kinder wären dann in Lebensgefahr. Wir lieben unser Leben in Deutschland. Wir sind angekommen. Und wir haben zum ersten Mal in unserem Leben keine Angst mehr. Bitte helft uns, dass das so bleibt.

Hier könnt ihr Vanesa helfen

______

2017-06-20-1497947758-6552597-HHPHOTOGREECEREFUGEES5348814HH.png

Mehr zum Thema: