BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Valerie Mocker Headshot

Gaming - das missverstandene Potential

Veröffentlicht: Aktualisiert:
BOYS PLAYING VIDEOGAMES
Hero Images via Getty Images
Drucken

Diese Woche wird Köln zum Zentrum Europas. Jedenfalls für die mehr als 350.000 Gamerinnen und Gamer die zur Gamescom strömen, der europäischen Leitmesse für Video- und Computerspiele. Gaming ist schon längst kein Nischenthema mehr. Mehr als 40 Prozent der Deutschen spielen regelmäßig Computerspiele. Allein in Deutschland ist der Markt 2,9 Milliarden Euro groß. Trotzdem halten sich Assoziationen, wonach Videospiele faul, dumm oder aggressiv machen. Dabei belegen zahlreiche Untersuchungen und Beispiele, dass Gaming eine wachsende positive Rolle in vielen unserer Lebensbereichen spielt.

So zeigt eine neue Studie der Innovationsstiftung Nesta, dass Menschen, die schon in ihrer Jugend gespielt haben, später oft besser ausgebildet sind. Der durchschnittliche Gamer - kein Jugendlicher, sondern im Schnitt 43 Jahre alt und eher weiblich als männlich - nimmt auch eher als Nichtspieler an anderen kulturellen Aktivitäten wie Museums- und Theaterbesuchen teil.

2017-07-23-1500833626-3203653-DerHuffPostWhatsAppNewsletter6.png
Die wichtigsten News des Tages direkt aufs Handy - meldet euch hier an.


Die wachsende Verknüpfung des Gamings mit anderen Lebensbereichen bringt unter anderem neue Berufsbilder hervor, von e-Sport Profispielern bis hin zu Youtube Gamern. So betreibt Pietsmiet, einer der bekanntesten Gamer in Deutschland, heute hauptberuflich einen Youtube-Kanal, auf dem er täglich mit Freunden aufgenommene Spielturniere veröffentlicht: "Als nach dem Abitur mein Freundeskreis quer durch Europa verteilt war, haben wir abendliche Gaming-Sessions gestartet und einfach irgendwann angefangen, unsere Erlebnisse auf Youtube zu teilen. Heute haben wir mehr als 2,1 Millionen Abonnenten!"

Aber auch tradierte Berufsgruppen profitieren von der sogenannten "Gamification", also der Anwendung von Spielelementen in Bereichen, die mit Gaming per se nichts zu tun haben. Chirurgen etwa verfügen über bessere motorische Fähigkeiten, wenn sie bisweilen Videospiele spielen.

Außerdem wird Gaming immer mehr als Instrument genutzt, um andere wichtige gesellschaftliche Bereiche wie Gesundheit und Stadtentwicklung innovativer zu gestalten.

Ein Beispiel: Altersbedingte Krankheiten wie Demenz betreffen zukünftig immer mehr Menschen und Familien in unserer alternden Gesellschaft. Es gibt bereits erste vielversprechende Videospiele sowohl zur Behandlung als auch für die Demenzforschung. Ob Depressionen, Autismus oder die Therapie von PTBS (posttraumatischen Belastungsstörungen) unter Soldaten - die Liste der Pilotprojekte, in denen Gaming und Gesundheit zusammengebracht werden, wächst.

Auch im Städtebau schaffen Videospiele bereits wichtige und wertvolle Erkenntnisse, etwa mit dem Kassenschlager Minecraft. Mit diesem Spiel bauten Jugendliche gemeinsam mit Programmierern und Storywritern beim Berliner 'Baukraft' Wettbewerb 2016 ihre eigenen Visionen für ungenutzte Freiflächen der Gropiusstadt. Jetzt prüfen die Wohnungsbaugesellschaften die Umsetzung der besten Vorschläge.

Tatsächlich wird Minecraft, eines der zehn meistverkauftesten Spiele aller Zeiten, für die verschiedensten gesellschaftliche Zwecke wie die Integration von Flüchtlingen genutzt. So zeigen Initiativen wie Project Hope, dass die Einbindung von Minecraft in den Sprachunterricht diesen nicht nur interessanter machte, sondern auch zu besseren Lernergebnissen führte.

Zahlreiche Beispiele belegen also die wachsende gesellschaftliche Bedeutung von Videospielen. Die Gamescom ist ein guter Ort, um über die breitere Nutzung, Wahrnehmung und Akzeptanz von Gaming zu sprechen.

Denn auch die Politik nimmt das Thema Gaming zunehmend ernster: Dorothee Bär, die als Staatssekretärin im Verkehrsministerium den diesjährigen deutschen Computerspielpreis vergab, sieht viele Anwendungsmöglichkeiten für wichtige gesellschaftliche Fragen - und die Politik selbst. "Das Potential von Gaming ist in der Gesellschaft positiver als medial dargestellt. Computerspiele sind nicht nur ein integraler Bestandteil der Digitalisierung. Sie sind auch ein wichtiges Werkzeug (z.B. Kommunikationswerkzeug), um den Bürgerinnen und Bürgern diese gesellschaftliche Umwälzung spielerisch näher zu bringen".

____

Lesenswert:

Leserumfrage: Wie fandet ihr uns heute?

2017-03-08-1488965563-6721107-iStock482232067.jpg

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die HuffPost ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blog-Team unter blog@huffingtonpost.de.

googletag.pubads().setTargeting('[cnd=cld]').display('/7646/mobile_smart_us', [300, 251],'wxwidget-ad');