Huffpost Germany
BLOG

Eine offene Plattform für kontroverse Meinungen und aktuelle Analysen aus dem HuffPost-Gastautorennetzwerk

Valerie le Fiery Headshot

Küssen verboten ...

Veröffentlicht: Aktualisiert:
Drucken

... oder warum wird man Stricher?

Vor allem abends sieht man sie in den Städten. Die „Jungs", die an manchen Ecken lehnen, in Parks warten - und ab und zu in einem Gebüsch, einer Bahnhoftoilette oder einem Hauseingang verschwinden. Es sind oft Halbwüchsige, die sich unruhig umschauen, ob auch keine Polizei in der Nähe ist, denn wenn sie aufgegriffen werden, droht vielen von ihnen eine Rückkehr ins Heim oder zu den Eltern. Etwas, dem sie gerade eben mühselig entflohen sind. Eben diese Halbwüchsigen verkaufen sexuelle Dienstleistungen, zumeist an schwule Männer oder solche, die zumindest bisexuell sind und zuhause den braven Ehemann spielen, weil sie zu ihrer Homosexualität nicht stehen wollen oder können.

Doch was treibt die Jugendlichen dazu, sich ausgerechnet in ein solches Milieu zu wagen? Warum harren sie nicht wenigstens bis zur Volljährigkeit zu Hause aus, schließen ihre Schul-und Berufsausbildung ab und stellen sich damit auf eigene Füße? Wieso nehmen sie in Kauf, mehr oder minder auf der Straße leben zu müssen?

Es beginnt oft in der Pubertät, einer Zeit, in der man seelisch und körperlich weder Fisch noch Fleisch ist und somit auch nicht sicher, was man fühlt. Und wenn das, was an Gefühlen auftaucht, nicht der alles gleichmachenden Norm entspricht, ist es schnell passiert: Ein junger Mensch, oft männlichen Geschlechts, entdeckt, dass er homosexuell ist, versucht, es zu verbergen oder outet sich mutig und - wird in vielen Fällen ein Opfer von Mobbing, Verachtung, Misshandlung und sogar Missbrauch. Zudem wird er oft genug sogar von denen, die ihn eigentlich schützen sollten, nämlich den eigenen Eltern verstoßen. Die Gründe dafür sind vielfältig und lassen einen manchmal am gesunden Menschenverstand eben jener Personen zweifeln, dennoch geschieht es immer wieder.

Hin und wieder kommt es zu ganz abstrusen Versuchen, den „Fehlgeleiten" von seiner „Krankheit" heilen lassen zu wollen, sei es mittels Medikamenten, Gebeten oder gar körperlicher Züchtigung. Verwundert es da, wenn sich der eine oder andere überlegt, dass alles besser ist, als das zu erdulden?
Betrüblich ist es nur, wenn er dann wirklich auf der Straße leben muss, eventuell auch noch drogenabhängig oder - meiner Meinung nach am Schlimmsten - mit einer mitunter unheilbaren Krankheit infiziert wird. Denn gerade in diesem Bereich ist es oft der Wunsch der Kunden, sich ohne jeglichen Schutz „bedienen" zu lassen, selbst wenn das Risiko damit eigentlich unkalkulierbar wird und die Chance, sich gerade mit HIV zu infizieren, deutlich höher ist, als im Lotto zu gewinnen oder den Jackpot im Casino zu knacken.

Im Gegensatz zu den weiblichen Prostituierten werden junge Männer, die ihren Körper verkaufen, nicht so häufig mit Versprechungen gelockt, die später nicht gehalten werden, stehen normal auch nicht unter dem „Schutz" eines Luden, sondern arbeiten auf eigene Rechnung und Gefahr. Und nur, wenn sie wirklich gut sind und nicht abrutschen, können sie sich irgendwann einmal als „Callboy" ihr Geld außerhalb der Straße verdienen - bis sie irgendwann zu alt für diesen Job sind, doch dieses Schicksal teilen sie mit den Damen des horizontalen Gewerbes, die müssen früher oder später auch in der letzten Ecke stehen oder ein eigenes Bordell eröffnen.

Doch bei allen Unterschieden gilt der Grundsatz der Prostituierten auch für Stricher und Callboys:

KÜSSEN VERBOTEN

***

Sollten Sie tiefer einsteigen und sich mit dem Schicksal eines Jungen auseinandersetzen wollen, der irgendwann den Aufstieg zum Callboy der Upperclass geschafft hat, dann empfehle ich Ihnen, Jacques einen Tag lang in seine Erinnerungen zu folgen.
Den Roman "Jacques - Erinnerungen eines Callboys" finden Sie hier:
https://www.amazon.de/Jacques-Erinnerungen-Callboys-Valerie-Fiery-ebook/dp/B01IB6NGOQ?ie=UTF8&qid=1468432773&ref_=la_B00B1O9P6O_1_51&s=books&sr=1-51