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Was Jugendliche über Sex wissen, lernen sie meist aus Pornos - und das hat verheerende Folgen

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Zum ersten Mal gekommen bin ich beim Porno-Schauen. Ich war damals 13. In diesem Alter fangen wohl die meisten Jungs damit an, sich Pornos anzusehen. Damals, am Anfang meiner Pubertät war noch der größte Reiz dabei, etwas Verbotenes zu tun. Ein paar Jahre später sah das jedoch ganz anders aus.

Ich bin jetzt 19 Jahre alt. Die meisten Jungs in meinem Alter sehen regelmäßig Pornos. Und das schon lange nicht mehr nur aus dem Reiz des Verbotenen heraus. Was ganz harmlos mit einem Film beginnt, endet oft in einer falschen Vorstellung von Sex, einer tiefen Gewöhnung an die Bilder und manchmal auch in einer Sucht - wie in meinem Fall.

Sex muss wie im Porno sein

Das Problem am Pornokonsum ist die Abstumpfung, die ganz langsam mit dir passiert. Sie vermitteln ein komplett falsches Bild von Sex. Es muss dabei immer schneller und immer härter zugehen. 13-jährige Jungs, die oft noch nicht einmal Sexualkunde in der Schule hatten, sehen das dann und halten es für die Realität.

Sie denken, so muss Sex sein, so sollen die Frauen aussehen und das sollen sie tun. Haben sie dann ihre erste sexuelle Erfahrung mit einer Frau, suchen sie genau nach diesem Kick, den sie aus den Pornos kennen. Wenn es in der Realität nicht so aussieht wie im Filmchen von der Streamingwebsite sind sie entweder überfordert oder enttäuscht.

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Die Gewalt in den Filmen vermittelt vielen Jugendlichen ein falsches Bild von Sex. Es gibt viele Personen die harten Sex mögen, jedoch muss das ganze mit beiden Partnern abgesprochen sein. Es es ist nicht selbstverständlich, dass jeder Mensch harten Sex möchte.

Die Unterdrückung vieler Frauen in den Pornos vermittelt ebenfalls ein falsches Bild der Realität.
Ich habe aufgehört Pornos zu schauen, da ich mich von dieser stark süchtigmachenden Droge abwenden wollte. Ich wollte Herr über mich sein und meinen Alltag nicht von Pornos bestimmen lassen.

Der Sexualkundeunterricht reicht nicht

Durch das Masturbieren habe ich mich antriebslos und unproduktiv gefühlt. Ich habe nie das geschafft, was ich wollte. Aus diese Gründen habe ich damit aufgehört. Ich habe mich der "No-Fap-Bewegung" angeschlossen. "To fap" heißt auf Englisch zu masturbieren und die Bewegung besteht aus Menschen, die genau das nicht mehr tun wollen.

Auf meinem Youtube-Kanal "Vackurah" spreche ich seitdem über die Vorteile, von Pornos und Masturbation abstinent zu bleiben.

Ich möchte jungen Menschen die Augen öffnen, was es mit ihnen macht, regelmäßig gewaltverherrlichende, unrealistische Pornos zu schauen. Ich möchte ihnen erklären, wie es zu Impotenz führen und wie unglücklich man damit werden kann.

Ich möchte genau da ansetzen, wo unser deutsches Schulsystem versagt. Was lernen wir denn in der Schule über Sex? Dass man verhüten sollte und ein Kondom nicht so sicher ist wie eine Anti-Baby-Pille. Soll das etwa reichen?

Antriebslosigkeit, Erektionsprobleme, Impotenz

Jungen Menschen sollte gesagt werden, dass Pornos nicht die Realität sind, dass Sex auch gefühlvoll und bedeutend sein kann und dass auch Frauen daran Spaß haben sollen.

Dass häufiger Pornokonsum Erektionsprobleme und damit Impotenz verursachen kann, dass Masturbation diese Antriebslosigkeit verursacht und die gesamte Lebensqualität einschränken kann - das hat mir keiner gesagt.

Oft geht es außerdem unter Teenagern nur darum, möglichst früh und oft Sex zu haben. Es ist eine Art Gruppenzwang, vor dem man sich in dem Alter dringend verschließen müsste.

Das Psychische, das was Sex und Masturbation mit uns macht, das haben wir in keiner Stunde Sexualkundeunterricht gelernt. Da hat die schulische Aufklärung versagt. Und das bei einem so wichtigen Thema.

Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Franziska Kiefl.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

Diskutiert mit und schickt uns eure Erlebnisse an Blog@huffingtonpost.de.