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Ich habe jeden Tag mehrmals masturbiert und jetzt damit aufgehört - das hat es mit mir gemacht

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Als ich 13 war, hat es angefangen. Damals war ich unglücklich und hatte keinen Kontakt zu Frauen. Also habe ich begonnen, zu masturbieren. In den schlimmsten Zeiten habe ich mich bis zu fünfmal am Tag selbst befriedigt.

(Im Video oben erzählt euch Vackhura persönlich, was ihn dazu gebracht hat, sich der "No-Fap-Bewegung" anzuschließen.)

Dazu habe ich mir einen Porno nach dem anderen angesehen. Das war wie ein Dopamin-Kick für mein Gehirn. So viele Reize auf einmal bekommt das Gehirn ja normalerweise nicht. Das bringt das ganze Belohnungssystem durcheinander. Wenn man dann wirklich mal was mit Frauen haben will, klappt es nicht mehr.

Auch mein Frauenbild hat sich durch die Pornos komplett verändert. Ich habe angefangen, Frauen runterzumachen und zu unterdrücken. Aus Überzeugung. Damals fand ich das lustig. Aber eigentlich habe ich das nur gemacht, weil ich wusste, dass ich keinen echten Kontakt zu Frauen aufbauen kann. Das hat mich fertig gemacht.

Das Masturbieren hat mir meine Energie geraubt

Irgendwann kam der Punkt, an dem ich wusste: Ich muss etwas verändern. Meine ganze Weltsicht war durch die Pornos kaputt. Und ich war süchtig danach, zu masturbieren.

Ich habe begonnen, mich zu hinterfragen. Ich fühlte mich so antriebslos, hatte im Leben nicht das erreicht, was ich erreichen wollte.

Wenn man so oft masturbiert wie ich zu diesen Zeiten, raubt einem das die ganze Energie. Für zwei Tage habe ich es vielleicht mal geschafft, damit aufzuhören. Dann ging es wieder los. Schließlich habe ich im Internet nach Tipps gesucht, um mich von der Sucht zu befreien. So bin ich auf die "No-Fap-Bewegung" gestoßen.

"To fap" heißt auf Englisch zu masturbieren. Die Bewegung besteht aus Menschen, die das nicht mehr tun wollen. In den USA ist die No-Fap-Bewegung richtig groß. Nach und nach habe ich mir immer mehr Videos von YouTubern aus den USA angesehen, die der Bewegung angehören.

So etwas hatte ich mir all die Jahre gewünscht: Aufklärung und Hilfe bei Suchtproblemen mit Masturbation und Pornos. Durch die Youtuber war das endlich möglich.

97 Tage dauerte meine längste Enthaltsamkeit

Heute bin ich 19. Seit eineinhalb Jahren bin ich jetzt schon bei der Bewegung dabei.

97 Tage habe ich es mal geschafft, kein einziges Mal zu masturbieren. Das war die längste Zeitspanne, die ich bisher ausgehalten habe. Zuletzt habe ich vor vier Wochen masturbiert.

Es gibt bei uns zwei verschiedene Modi, in denen sich die Mitglieder befinden. Im "low-Modus" versucht man, nicht mehr zu masturbieren und keine Pornos mehr anzusehen.

Mehr zum Thema: Verstörend, aber wahr: Mehr als 40 Prozent deiner Kollegen masturbieren während der Arbeit

Im "Hard-Modus" hat man außerdem keinen Sex mehr.

Ich finde allerdings, dass man ruhig Sex haben kann. Das verbietet einem auch keiner. Für mich ist es nur wichtig, dass es sich dabei auch um bedeutungsvollen Sex handelt und es nicht allein darum geht, seine Triebe zu befriedigen.

Meine Erfahrung ist, dass man es ohnehin nicht mehr als 50 Tage ohne Sex aushält. Dann verkehrt sich das Ganze ins Gegenteil und man wird wieder antriebsloser.

Masturbation war für mich eine Sucht, die ich bekämpft habe

Masturbation an sich sollte natürlich auch nicht verteufelt werden. Für manche funktioniert es, für manch andere eben nicht.

Ich kann nur für mich sprechen und ich habe einfach viel mehr Energie, seitdem ich nicht andauernd masturbiere. Jetzt habe ich wieder einen Drang, etwas im Leben zu erreichen. Dadurch, dass ich keine Genugtuung mehr durch das Masturbieren finde, suche ich mir andere Dinge, die mir Genugtuung verschaffen. Zum Beispiel lese ich jetzt viel.

Mein Selbstbewusstsein ist dadurch viel größer geworden. Ich habe nicht mehr das Gefühl, etwas verstecken zu müssen. Ich habe auch versucht, das anderen klar zu machen. Dass es eine Sucht war, die ich bekämpft habe.

Zu 85 Prozent stoße ich auf Abneigung. Die meisten nehmen mich nicht ernst, weil sie sich noch nie damit auseinandergesetzt haben. Aber ich stehe da drüber. Es gibt immerhin auch andere Menschen. Menschen, denen es genauso geht und die mich motivieren, weiter zu machen.

Über meinen YouTube-Kanal versuche ich, so viele dieser Menschen wie möglich zu erreichen. Mir ist es einfach wichtig, dass jeder von sich und seinen Erfahrungen erzählen kann, ohne dafür fertig gemacht zu werden.

Ich jedenfalls bin froh, dass ich nicht mehr an dem Punkt bin, an dem ich noch vor zwei Jahren war.

Hier kommt ihr zu Vackhuras YouTube-Channel, auf dem er regelmäßig Videos veröffentlicht.

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(jg)