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Erst nach meinem Selbstmordversuch verstand ich, worauf es im Leben wirklich ankommt

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HIPSTER NATURE
Annie Tsukanova via Getty Images
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Es begann bereits in der Schulzeit. Ich fühlte mich irgendwie fremd, irgendwo in einem Land, einer Zeit, einer Gesellschaft, die so gar nicht die meine war.

Es waren noch nicht einmal die üblichen Spiele, die man als Kind spielt. Lego, Modellautos. Fangen und Klettern im Freien. Klingelstreiche. Es war das Gefühl, nicht dazu zu gehören. Tief im Innern etwas zu haben, das anders arbeitet, anders tickte, als bei all den anderen um mich herum.

Meinen Eltern versuchte ich, es zu erklären, aber sie waren so sehr wie „die anderen", dass sie das ganze nicht begreifen konnten. Also schützte ich diese Besonderheit. Ich zog mich zurück, auch begünstigt durch die Krankheit meines Vaters, die mich auch noch die letzten Freunde kostete.

Ich blieb lange der Aussenseiter

Im Nachhinein betrachtet formte mich diese Zeit zum positiven, aber auch zum besonderen, zum etwas schrägen, etwas anderen Menschen. Ich tauchte ein in Literatur. Ich entwickelte mich zum extremen Bücherwurm.

Heute sind es weit über 3000 Bücher, die uns auf einem Umzug, sicher und sortiert in schweren Kartons begleiten würden. Ich konsumierte Bücher wie andere Nahrung. Ein Tag ohne ein Buch war ein trauriger, schmerzhafter Tag.

Lange blieb ich der Außenseiter, war der komische Kauz, den man auch schon mal verprügelte, weil man wegen dessen Vorliebe für klassische Musik auf dem Schulausflug Bachs Brandenburgische Konzerte hören musste.

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Eine neue Klasse, neue Mitschüler wandelten mich langsam. Nicht, dass ich nicht weiterhin der seltsame Freak blieb, der sich mittlerweile intensiv mit Computern befasste, nachdem ein kreatives Intermezzo ihn hin zu einer Spiegelreflexkamera und einer Menge von Fotografien brachte.

Die neue Klasse, eine Konglomerat von zwei Mittelstufenklassen trug mich aus der Rolle des Außenseiters in die Rolle des besonderen Menschen. Und wie mein ganzes Leben waren es schon damals Frauen, die meinen Lebensweg nachhaltig und positiv beeinflussten (mit der einzigen, dafür aber dramatischen Ausnahme meiner Mutter. Aber das ist eine andere Geschichte)

Ich lernte Freundschaft kennen, die nicht nur an guten Tagen existiert. Erfuhr, dass ich vermisst werde, wenn jemand im Krankenhaus auf meinen Besuch wartet. Ja und ich erfuhr den ersten Kurs, die erste körperliche Liebe, suchend, willens zu lernen, es gut zu tun, gut für beide.

Letztlich landete ich in der Psychatrie

Ich war und bin ein Mensch, der zwar nicht mit, aber auch nicht ohne Menschen kann. Die Distanz eines Raums genügt, damit ich mich sicher fühle, die Distanz einer Stadt kann mich in einen emotionalen Tornado an Gefühlen stürzen.

Zivildienst. Nachtschichten. 7 Nächte, dann 7 Tage frei. Für mich eine traumhafte Zeit, ein Traumzeit. Wach sein, wenn andere schlafen. Leben in einer ruhigen, dunklen, aber irgendwie wärmenden Parallelwelt.

Ich begann zu malen, bereitet sogar eine Kunstmappe blieb aber letztlich beim Computer, den ich besser zu beherrschen meinte. Ich verkannte damals meine emotionale Seite. Das war es, was mich letztlich in die Psychiatrie gebracht hat.

Mein Studium ein weiteres Erleben von andersartig sein, diesmal aber unter Gleichgesinnten. Künstliche Intelligenz, Computerlinguistik. Verstehen, wie der Mensch tickt um vielleicht zu verstehen, wie ich ticke.

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Das Ende meiner Schonzeit, meiner selbstgewählten Parallelwelt kam am Ende meines Forschungsstipendiums. In Heidelberg durfte ich drei Jahre forschen.

Ich lernte die Frau meines Lebens kennen und verliebte mich unsterblich in sie. Und ja, ich liebe noch heute die Frau, die mir im wörtlichen, im elementarsten Sinne das Leben gerettet hat.

Der Knall des Suizidversuchs

Mit dem Eintritt ins normale Berufsleben kam der tiefe, der harte, der laute und schmerzhafte Absturz. Unterwerfung. Gehorchen.

Tun, was gesagt wird, ob sinnvoll oder nicht. Die nun mit brutaler Klarheit in mein Leben eindringende Prämisse meines Handelns. Erwachsen sein. Für mich ein Horrorgedanke. Vernünftig, langweilig, gehorchend und sich selbst verleugnend. Ich schaffte es lange Jahre, auf Kosten meines eigentlichen Wesens.

Kleine Refugien erhielt ich mir. Die Liebe meiner Frau, unsere wundervollen Kinder stützten mich, aber ich stützte mich auch auf sie, belastete, erschwerte, überschattete deren Leben.

Dann kam der laute Knall, der Knall meines Suizidversuchs. Das letzte, das finale Aufbäumen meines eigentlichen Selbst. Wäre da nicht die Liebe, die Intuition meiner Frau gewesen, ihre Geduld und Klugheit. Ich wäre heute tot.Es ist so hart, so klar, einfach nicht zu leugnen.

Der Weg zurück in mein Leben

Der Weg zurück in mein Leben beginnt gerade. Ich habe wenige, aber gute Begleiter. Und neue Wege haben sich eröffnet: Das Buch, das im Januar erscheint. Die Doku über mein Einhorn, die Depression, die mich seit meiner Jugend begleitete, weil mein Anderssein mich mehr schmerzte, als ich mir selbst eingestehen wollte.

Ich musste mich zurück kämpfen auf dem falschen Weg, um die richtige Abzweigung zurück in mein Leben, in mein besonderes Leben, zu finden. Für viele andere ist das falsch, für mich aber genau das richtige.

Es ist anders, schräg, manchmal anstrengend oft aber glücklich machend. Und das mir meine Familie wiedergegeben hat. Andere werden weit weniger glücklich sein über meinen Wandel.

Aber er muss sein. Weil es um mein Leben geht. Weil es um mich geht. Und weil ich nicht mehr bereit bin zu tun, was andere für mich als richtig erachten.

Die Masken sind gefallen

Die Masken sind gefallen - und ich habe sie tief unten im Keller meiner Seele in einer alten, großen Truhe mit vielen Schlössern weggesperrt, bis auf ganz wenige, die mein neues Leben schützen. Kleine Lügen brauchen wir alle. Die Lebenslüge aber, die ruht da unten, tief, in dieser Kiste.

Dieses Jahr werde ich einen Film mit besonderer Freude und Aufmerksamkeit sehen. Er trägt die Botschaft in sich, dass Anderssein nicht schlecht, sondern etwas besonderes sein kann. Etwas, dass einem das Leben besonders schön, aufregend, neu machen kann. Wenn man sich darauf einlässt.

Ich rede von Tim Burtons "Miss Peregrine's Home for Peculiar Children".

All ihr, die ihr da draußen euch anders, ausgeschlossen, unverstanden fühlt. Das ist gut so. Ihr seid besonders, ihr seid ungewöhnlich. Und es wird immer Menschen geben, die das Ungewöhnliche schätzen. Wenn es bis dahin das "gewöhnlich-sein-müssen" überlebt hat.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf Living the future.

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Oft schauen wir auf gesellschaftliche Entwicklungen nur aus einer abstrakten Perspektive: Experten sprechen über Probleme anhand von Studien. Politiker loben, was gut läuft, anhand von grauen Statistiken - all das hat mit dem Alltag der Menschen, die von diesen Entwicklungen betroffen sind oder sie prägen, oft wenig zu tun.

Diese Menschen kommen jetzt in der Huffington Post zu Wort. Denn wie fühlt sich Armut in einem reichen Land jenseits der Statistiken an? Wie sieht Deutschland aus der Perspektive eines Obdachlosen aus? Vor welchen Problemen steht ein gerade angekommener Flüchtling? Wer hat mit seiner Initiative ein gravierendes Problem gelöst? All das ist Thema in HuffPost-Voices.

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