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Depression und Familie: "Plötzlich war der Mann weg, den ich geheiratet hatte"

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DEPRESSION RELATIONSHIP
vm via Getty Images
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Ich bin nicht alleine mit meiner Depression. Meine Frau, meine Kinder. Sie haben es miterlebt, miterleben müssen. Wer Angehöriger eines depressiven Menschen ist, kennt das Gefühl der Hilflosigkeit.

Man liebt die Person, aber sie verschwindet immer häufiger im Nebel depressiven Denkens. Dann ist da ein anderer Mensch, traurig, motivations- und freudlos. Und früher oder später beginnt man als Partner anzunehmen, man trage ein Mitschuld.

Die Krankheit hat aber nur einer. Mit den Auswirkungen müssen alle leben. So ist Depression oft auch ein Zerreißprobe für die Beziehung.

Meine Frau hat mir das Leben gerettet

Auch ich hatte Ängste, meine Familie an mein zickiges, nachtragendes, divaeskes Einhorn "Depression" zu verlieren. Und fast wäre es geschehen, hätte ich nicht eine Frau geheiratet, die so sensibel, so feinfühlig, so hartnäckig und so liebend ist, dass sie mir sogar aus einer Intuition heraus wortwörtlich mein Leben gerettet hat: Sie hat meinen hoffentlich einzigen ernsthaften Suizidversuch vereitelt.

Damit hat sie mich zurück gebracht, zurück ins Leben und zu dem Schritt, nachzusehen, wo ich falsch abgebogen bin. Wo mein Leben eine falsche Wendung nahm und mich schlussendlich beinahe in den Tod stürzen wollte.

Meine Frau hatte Zeiten, da ging sie davon aus, sie habe etwas falsch gemacht, würde sie nur dies oder das verändern, würde alles gut. FALSCH. Wirkliche Änderung kann nur vom depressiven Menschen selbst kommen.

Das Umfeld sollte sich, sobald das eigene Leben, die eigene Zufriedenheit darunter leidet, externe Hilfe holen. Sollte der Partner bereit dazu sein, kann dies auch eine Familientherapie sein, aber auf jeden Fall ist es wichtig, eine realistische Sicht auf die Dinge zu behalten.

Der Mensch ist an Depression erkrankt, er ist nicht die Krankheit. Und vieles vom Verhalten, dass der Familie Schwierigkeiten bereitet, ist in der Krankheit begründet.

Distanz zur Depression des Partners

Hier ist die Herausforderung, den Betroffenen auf dem Weg hin zur Heilung zu begleiten, Stütze zu sein, die bedingungslos da ist ohne zu drängen.

Und es ist wichtig, die Distanz zur Erkrankung des Partners zu waren. Nicht das ganze Leben nur noch abstimmen darauf, was dem Depressiven gut tut, sondern gerade mit Kindern ein weitgehend normales Familienleben führen. Und gerade wenn die Kinder schon etwas größer sind rate ich auch zu Offenheit ihnen gegenüber, was die Erkrankung des Elternteils angeht.

Sonst droht auch dort ein Beziehen auf sich selbst und eine Schuldzuweisung, die so gar nicht berechtigt ist. Es wäre gelogen würde ich behaupten, die Begleitung eines depressiven Patienten durch seine Krankheit sei leicht. Aber wenn er bereit ist, Hilfe anzunehmen, sich behandeln und therapieren zu lassen, dann kann die Familie wertvolle Stütze sein.

Nein, ist es. Denn selbst als ich in der tiefsten Dunkelheit versucht habe, die Fassade des glücklichen Familienmenschen aufrecht zu erhalten, habe ich meine Frau und meine Kinder bedingungslos geliebt, aber mein zickiges Einhorn hat mich in einem düsteren Nebel gefangen gehalten. Erst der beinahe Suizid und die Rettung durch meine wundervolle Frau haben mir die Augen geöffnet.

Es lohnt sich, einen Menschen, den man liebt zu begleiten auf diesem teils zutiefst verstörenden Weg. Mein Einhorn ist mittlerweile zahm geworden und begleitet mich, statt mich einzusperren. Und die Liebe meiner Frau und meiner Kinder rettet mich auch durch die düsteren Tage und macht den Fall nicht mehr so tief.

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Und das gilt auch in die andere Richtung. Es war letztlich die bedingungslose Liebe meiner Frau, die mich gerettet hat und die es möglich gemacht hat, dass wir die ganzen Jahre auch viele schöne Momente hatten und jetzt wieder den Uwe hervorgeholt haben, wie meine Frau ihn kennengelernt hat.

Denn das war der traurigste Satz, den ich hören musste: „Plötzlich war der Mann weg, den ich geheiratet habe." Er ist wieder da und wird es auch bleiben. Dafür gibt es viele Indikatoren und noch mehr Gründe.

Oh, und sagte ich auch schon, dass meine Frau zauberhaft, wunderschön, intelligent, leidenschaftlich, liebenswert und ein im besten Sinne guter Mensch ist? Danke dir. Für alles. Für mein Leben.

Der Beitrag erschien ursprünglich auf Living the future.

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