BLOG

Bei der Bildung haben wir noch viel vor uns - auch in Deutschland

02/03/2016 15:59 CET | Aktualisiert 03/03/2017 11:12 CET
Anna Henly via Getty Images

Was ist inklusive Bildung und warum ist sie so wichtig?

Inklusion ist die Leitidee für eine bessere Gesellschaft - eine Gesellschaft, in der nicht ausgegrenzt wird.

Dies gilt für alle Lebensbereiche, nicht nur in der Bildung, nicht nur für Menschen mit Behinderungen oder Beeinträchtigungen, sondern insgesamt für das Zusammenleben in einer vielfältigen und bunten Gesellschaft.

Von Inklusion profitieren alle.

Inklusion heißt Verschiedenheit im Können, im kulturellen und sozialen Hintergrund. Inklusion heißt genau diese Verschiedenheit wertzuschätzen und zu nutzen. Das gelingt am besten wenn Kinder von Anfang an gemeinsam leben und lernen.

Inklusive Bildung ist gute Bildung! Verstärkte individuelle Förderung erhöht die Lernwirksamkeit und verringert schulisches Scheitern - bei allen Schülern. Inklusive Bildung setzt voraus, dass jeder Mensch nach seinen speziellen Bedürfnissen gefördert wird.

Das bedeutet, dass Lehren und Lernen individueller und damit passgenauer für jeden Einzelnen wird. Davon profitieren alle.

Wir haben noch viel vor uns

1999 gingen insgesamt 204 Millionen Kinder und Jugendliche weltweit nicht zur Schule. Seitdem sind die Einschulungsraten weltweit gestiegen. Allein in Süd- und Westasien ist die Zahl der Kinder ohne Schulzugang um 21 Millionen gesunken und wurde damit halbiert.

Einige Länder Sub-Sahara-Afrikas können ebenfalls enorme Fortschritte vorweisen. Dennoch zeigte der UNESCO-Weltbildungsbericht 2015, dass die Weltgemeinschaft noch vor großen Herausforderungen steht: 58 Millionen Kinder im Grundschulalter besuchen noch immer keine Schule.

Hinzu kommen 63 Millionen Jugendliche im Sekundarschulbereich, die keine Schulbildung erhalten. Rund ein Drittel dieser Kinder sind Kinder mit Behinderungen. Arbeitende Kinder, Mädchen, Kinder indigener Völker, Kinder aus ländlichen Gegenden, Kinder mit HIV/AIDS und Kinder, die seltene Sprachen sprechen, sind ebenfalls überdurchschnittlich häufig von Exklusion betroffen.

Kurzum: Wir sind einige Schritte weiter als im Jahr 1999, aber noch lange nicht am Ziel.

Was muss noch getan werden?

Bis 2030 müssen alle Menschen eine chancengerechte, inklusive und hochwertige Bildung erhalten. Das hat die Weltgemeinschaft im letzten Jahr mit der Verabschiedung der Globalen Nachhaltigkeitsagenda beschlossen.

Regierungen, Bildungsexperten und die Zivilgesellschaft weltweit sind hier gefordert. Das gilt natürlich auch für Deutschland.

Ich beobachte, dass hierzulande mittlerweile zwar ein Großteil der Gesellschaft weiß, was inklusive Bildung ist.

Doch in der Umsetzung gibt es noch enorm viel zu tun. Die Unterschiede zwischen den Bundesländern sind immer noch groß, die Wege zur Verwirklichung von Inklusion verschieden.

Die Zahl der Kinder die inklusiv lernen, ist deutlich gestiegen, aber die Zahl der sogenannten Sonderschüler auch.

Nur durch Inklusion wird Vielfalt als Reichtum angesehen.

Dass Inklusion mit Bildungsqualität einhergeht zeigt uns der Blick über die Landesgrenzen hinaus, aber auch viele beispielhafte Schulen in Deutschland.

Die Preisträgerschulen des Jakob Muth-Preises etwa zeigen, worauf es entscheidend ankommt: auf die gemeinsame Überzeugung eines Kollegiums, dass Inklusion der richtige Weg ist für alle Kinder, auf gute Konzepte für die individuelle Förderung, auf eine intensive Zusammenarbeit mit den Eltern und dem ganzen schulischen Umfeld.

Man kann sehen, dass die Ergebnisse erstaunlich sind, für das soziale Lernen, für die Bildungsqualität, für den Zusammenhalt, und auch für den Lernerfolg insgesamt.

Ich wünsche mir, dass diese Beispiele Schule machen und helfen, Inklusion in den Grundlagen unseres Bildungssystems zu verankern. Nur dann kann es gelingen, dass Vielfalt als Reichtum erfahren wird.

Gesponsert von Knappschaft