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Wertewelten im Wandel: Warum es DEN Mitarbeiter nicht mehr gibt und die Gen Y nicht ist, was sie vorgibt zu sein

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„Gen Y hat keinen Bock auf Verantwortung!" Solche Überschriften sind Ihnen in der Presse sicher schon zu genüge begegnet, oder? Passend dazu warten Studien mit alarmierenden Zahlen auf: Nur 13 Prozent der heute 20- bis 34-Jährigen streben eine Führungsposition an, so die Essenz einer Umfrage des Personaldienstleisters ManpowerGroup.

Was ihnen stattdessen wichtig ist? Die gute Zusammenarbeit im Team oder die Möglichkeit, ein angesehener Experte zu werden. Das kann ja heiter werden! Manch einer mag unken, dass das der schleichende Untergang der deutschen Wirtschaft ist.

Nach Fachkräftemangel jetzt auch noch Führungskräftemangel. Was viele dabei jedoch übersehen: Im Zuge der Digitalisierung verändern sich zwangsläufig auch die Arbeitsbedingungen. Die Zeiten, in denen es nur Chefs gab und solche, die es werden wollten, sind vorbei!

Hauptsache flexibel?!

Unser heutiges Verständnis von Arbeit wird vor allem von einem Wort charakterisiert: Entgrenzung. Früher war Arbeit noch eine klar abgrenzbare Belastung, definiert im zeitlichen Ablauf und räumlich festgelegt. Heute sehen wir uns hingegen mit einem hochkomplexen, ja nahezu organischem Gefüge konfrontiert, dass sich kontinuierlich weiterentwickelt. Die Zeit der klassischen „9-to-5"-Jobs ist vorbei, an ihre Stelle tritt ein Konzept von Arbeit, wie es vielfältiger nicht sein könnte. Zeitlich, räumlich und auch fachlich unvorhersehbar.

Eine Ausbildung ist längst keine Entscheidung fürs Leben mehr, vielleicht arbeiten wir in zehn Jahren in einem Beruf, den wir uns heute noch gar nicht vorstellen können. Damit einhergehend verändern sich auch die Ansprüche an Arbeit und Leben: Klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben gibt es nicht mehr. Längst bevölkern Menschen mit Laptops Cafés, Parks und Züge und machen sie sich zur Arbeitszone. Zugegeben, das hat auch seine Vorteile.

Denn gleichzeitig rücken Themen wie Selbstverwirklichung, Sinnerleben, Flexibilität und ausgewogene Work-Life-Balance in den Vordergrund. Also freie Arbeitsgestaltung und mehr Verantwortung für alle? So einfach ist es leider nicht. Es wäre vielmehr grob fahrlässig, einfach anzunehmen, dass alle jungen Menschen so ticken!

No size fits all

Ob „Generation Spaß", „Hauptsache Freizeit" oder „Gutes Arbeitsklima statt finanzieller Sicherheit" - der Fall scheint klar zu sein. Während die früheren Generationen vor allem durch die Werte „finanzielle Sicherheit" und „Erfolg durch harte Arbeit" charakterisiert werden, wollen die Gen Y-ler ihr Leben zu etwas ganz individuellem und besonderem machen. So scheint es zumindest.

Dass die Wirklichkeit jedoch deutlich komplexer ist, zeigen die Forschungsergebnisse einer aktuellen Studie der nextpractice GmbH. Tatsächlich verfügt die Gen Y über gar keinen Konsens innerhalb ihrer Wertewelt! Gerade einmal die Hälfte von ihnen strebt nach Freiheit und Autonomie und lehnt ganz wie erwartet Hierarchien und langfristige Bindungen an ein Unternehmen ab. Spannend ist allerdings, dass die andere Hälfte das exakte Gegenteil will: Sie setzt eher auf klassische Karrieren, nennt eine Festanstellung als erstrebenswertes Ziel und legt Wert auf Loyalität gegenüber dem Arbeitgeber. Haben Sie jetzt auch das Gefühl, im falschen Film zu sein?

Es wird noch besser: Im Rahmen der Studie „Wertewelten Arbeit 4.0" konnte die nextpractice GmbH insgesamt sieben verschiedene Wertewelten ermitteln, die Einfluss auf die Bedeutung von Arbeit haben. Und zwar unabhängig von Einkommen, Ausbildung und insbesondere Alter!

Die Idealbilder zeichnen sich durch folgende Ăśberzeugungen aus:

  1. Sorgenfrei von der Arbeit leben können (28% der Befragten)
  2. In einer starken Solidargemeinschaft leben (9%)
  3. Den Wohlstand hart erarbeiten (15%)
  4. Engagiert Höchstleistung erzielen (11%)
  5. Sich in der Arbeit selbst verwirklichen (10%)
  6. Balance zwischen Arbeit und Leben finden (14%)
  7. Sinn auĂźerhalb seiner Arbeit suchen (13%)

Natürlich ist es keine Überraschung, dass sich Menschen heute in ihren Bedürfnissen und Erwartungen unterscheiden. Doch hätten Sie damit gerechnet, dass doch noch so viele eher „klassisch" anmutende Wertvorstellungen genannt werden? Deutlich wird vor allem, dass die Ansprüche viel komplexer als gedacht sind. Flexibilität ist schön und gut - aber nicht für alle. Keine festen Arbeitszeiten mehr?

Während manche Mitarbeiter sich darüber freuen, ihren Arbeitsalltag ihren Bedürfnissen anzupassen, treibt es anderen die Schweißperlen auf die Stirn. Und während es für den einen mehr Freiheit bedeutet, sich seine Aufgaben im Homeoffice einteilen zu können, erzeugt es bei seinem Kollegen Druck und Stress, sich selbst organisieren zu müssen.

Kulturveränderung braucht Vorbilder!

Also lieber ein Modell nach dem Motto „Jeder so, wie er gerne möchte"? So einfach ist das jedoch alles nicht. Es reicht nicht, mal eben die formale Unternehmenskultur auf dem Papier zu verändern und fortan auf der Website und in Stellenanzeigen mit Flexibilität und Raum für persönliche Gestaltung zu werben. Verstehen Sie mich nicht falsch, damit wird ein wichtiges Zeichen gesetzt. Doch nur mit entsprechend agierenden Vorbildern kann sich eine neue Kultur auch wirklich durchsetzen.

Nur weil ab sofort z.B. flexiblere Arbeitszeiten und -formen gelten, heißt das noch lange nicht, dass das von den Mitarbeitern auch wirklich umgesetzt wird. Wenn intern immer noch nach dem Motto „Keiner geht, solange der Chef noch da ist!" gehandelt wird, helfen alle vertraglich zugesicherten Freiheiten nichts. Wer sich trotzdem „erlaubt", früher Schluss zu machen, wird vom schlechten Gewissen geplagt - und nimmt sich lieber noch was Arbeit mit nach Hause.

Sonst heißt es hinterher noch, das Engagement würde zu wünschen übrig lassen. Die Folge: immer höherer innerbetrieblicher Wettbewerb und steigende Überstunden statt Work-Life-Balance. Die Produktivität dieser Arbeitsweise steht dabei nochmal auf einem anderen Blatt.

Was bedeutet das für Unternehmen? Fakt ist: Es gibt keinen einheitlichen Wertetrend mehr, der sich parallel zur Digitalisierung entwickelt. Daher wäre es fatal, alle Strukturen aufzubrechen - in der Hoffnung, eine „One size fits all"-Lösung zu finden. Denn die gibt es nicht. Arbeit hat heute für jeden Menschen eine andere Bedeutung. Die Kunst wird daher in Zukunft darin bestehen, die positiven Effekte der Digitalisierung zum Wohle aller zu nutzen - und dabei die verschiedenen Wertewelten in Inhalt und Ansprache zu berücksichtigen.

Uta Rohrschneider ist unter anderem Mitautorin des Buchs Praktische Psychologie fĂĽr den Umgang mit Mitarbeitern: Wirkungsvoll und leistungsorientiert fĂĽhren, das inzwischen in der 2. Auflage bei Springer Gabler erschienen ist.

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