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YOLO ist das neue Carpe Diem: So tickt die Generation Z wirklich

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Klaus Vedfelt via Getty Images
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X, Y und nun... Z: Junge Menschen, die Mitte der neunziger Jahre geboren wurden, haben ihren eigenen Kopf und betreten nach und nach die Bühne der Arbeitswelt. Wer mit ihnen als Kollege oder Mitarbeiter gut und leicht zusammenarbeiten will, sollte deshalb wissen, was sie bewegt.

Nach der vieldiskutierten Generation Y wird nun eine neue Generation analysiert: Die Altersgruppe der ab dem Jahr 1995 Geborenen, dem Alphabet folgend die Gen Z. Noch werden beide Generationen häufig in einen Topf geworfen, es kursieren jedoch schon nicht unbedingt schmeichelhafte Theorien über deren Unterschiede.

Eines steht jedenfalls fest: Mit jeder neuen Generation sind Führungskräfte und natürlich die angestammte Belegschaft gefordert, erneut umzudenken. Nur so kann die konfliktfreie Integration der „Digital Natives" in den betrieblichen Alltag gelingen - und das Unternehmen von ihren besonderen Talenten profitieren. Wie also tickt die Generation Z und was bewegt sie?

Unabhängigkeit UND Sicherheit, bitte!

Fünf charakteristische Eigenschaften machen diese Generation angeblich aus:

1. Unabhängig und nicht besonders loyal: Haben die Vertreter der Vorgängergeneration in ihrem Beruf noch nach ihrer Berufung gesucht - zumindest zu Beginn -, sind die Jüngeren emotional viel distanzierter.

Der Arbeitgeber verliert an Stellenwert, das konkrete Arbeitsklima und direkte Arbeitsumfeld an Bedeutung. Ein Großraumbüro ist für sie nicht das Richtige. Und wenn ihnen etwas nicht passt, ziehen sie leichten Fußes weiter.

2. Kritik, nein danke: Dazu passt auch, dass sie mit negativem Feedback nicht viel anfangen können. Sie wuchsen in einem besonderen Kontext auf: standen im Mittelpunkt, wurden einbezogen, motiviert, gelobt, ihr Selbstbewusstsein in der Schule mit guten Noten gefördert.

Wer das nicht beim Umgang mit der Generation Z beachtet, beißt schnell auf Granit. Auf der anderen Seite äußern deren Vertreter ihre eigene Meinung und Kritik ohne ein Blatt vor den Mund zunehmen. Wenn auch nicht immer angenehm, bietet das Unternehmen deutliche Verbesserungschancen.

3. Sicherheit statt Boni: Statt leistungsorientierter Bezahlung bevorzugt die Generation Z ein Festgehalt, am liebsten mit Wachstumsgarantie. Sie ist generell bescheidener und weniger materialistisch orientiert.

"Sie wollen die Welt retten"

Es muss nicht gleich eine Weltreise sein, Holland reicht da auch mal. Generell begegnen wir immer häufiger einem extremen Realismus und Pragmatismus: Im Internetzeitalter sind junge Menschen über alle Geschehnisse und Hintergründe bestens informiert; für Träume und Visionen bleibt da nur wenig Raum. Sie sind besonders realistisch und trotzdem überhaupt nicht pessimistisch. Sie haben nicht den Anspruch, die Welt zu retten.

4. Laptops, Smartphones und Tablets - Informationen werden schnell geteilt und schnell beschafft. Eine Chance wahrgenommen zu werden, haben aber nur die Informationen, die wirklich interessieren.

5. Trennung von Work & Life: Im Weltbild der Generation Z zahlt sich Leistung und Loyalität nicht unbedingt aus, sondern kann ebenso gut in eine Sackgasse, im schlimmsten Fall zum Burn-out führen.

Sie handelt nach dem Yolo-Motto "You only live once", das neue "Carpe Diem", und strebt daher gleichermaßen nach maximaler Freiheit und Freizeit. Dies beinhaltet den Wunsch nach pünktlichem Feierabend und die Ablehnung der Arbeit im Home-Office und ständiger Erreichbarkeit.

Althergebrachtes hat ausgedient

Ob diese einzelnen Punkte tatsächlich alle zutreffend sind, ist natürlich streitbar. Wir wissen, wie unterschiedlich Menschen trotz des gleichen Alters und Hintergrundes sein können. Einiges wird sich im Kern aber sicher bestätigen.

Auf eine Formel gebracht, treibt die neue Generation hauptsächlich der zunehmende Widerstand gegen althergebrachte Organisationsformen und Strukturen an - verbunden mit dem wachsenden Verlangen nach einer Neuausrichtung der Arbeits- und Unternehmenskultur.

Vor allem das Streben nach Freiheit und Individualität kennzeichnet ihre Anforderungen und Bedürfnisse in der modernen Berufswelt. Dabei werden alte Regeln und Ansichten immer kritischer hinterfragt - was sich nicht nur auf individuelle Konditionen der Arbeitsumgebung, sondern auch auf grundlegende Umstände bezieht.

So lehnen es Angehörige der Generation Z ab, wenn ihnen jemand vorschreiben will, wie sie ihre Arbeit zu erledigen haben. Die Führung "alter Schule" empfinden sie als ebenso unpassend wie starre Hierarchien und Machtspielchen, was Vorteile haben kann in einer komplexen (Arbeits-)Welt, in der Flexibilität und Schnelligkeit gefragt ist.

Bisherige Anreizsysteme wirken nicht mehr motivierend. Selbst das in früheren Alterskohorten so beliebte Arbeiten von Zuhause ist keine Option mehr: Um 17 Uhr soll Schluss sein mit der Arbeit.

Der Wunsch nach etwas Neuem

Dementsprechend heilig ist vielen jungen Menschen die Freizeit. Der geregelte Feierabend soll ihnen ein Maximum an Raum für Hobbys, Interessen und Leidenschaften gewähren. Das ist nicht unbedingt schlimm, denn wer auf seine Pausenzeiten achtet und pünktlich in den Feierabend geht, ist während der Arbeitszeit womöglich besonders konzentriert und effizient bei der Sache.

Für diese Generation ist der Arbeitsplatz im Unternehmen noch immer ein wichtiger Teil des Lebens - wenn auch eher das direkte Arbeitsumfeld, vielleicht innerhalb der eigenen Abteilung - aber ein klar abgegrenzter Teil. Es wird wieder eindeutig zwischen Arbeitszeit und Privatleben getrennt.

Auch am Arbeitsplatz selbst wird Freiheit zur wertvollsten Ressource: Die eigenständige Gestaltung der Arbeit und die Befriedigung individueller Bedürfnisse ist essenziell für die Mitarbeiter von morgen.

Zugleich sollen im Job aber auch klare Strukturen herrschen; ein festes Gehalt mit Wachstumsgarantie dient dazu, sich in einer unsicherer gewordenen Welt weniger existenzielle Sorgen machen zu müssen - und mehr Zeit für die aus ihrer Sicht wirklich spannenden Dinge im Leben zu haben.

Tipps für den Umgang mit jungen Mitarbeitern

Klingt anstrengend? Wir können aber schlecht auf die nächste Generation warten oder einfach so weitermachen wie bisher und ihre Werte und Bedürfnisse ignorieren. Dann sind Konflikte vorprogrammiert und die Chancen, die sich bieten, bleiben ungenutzt.

Gefragt sind Arbeitgeber mit einem hohen Maß an Flexibilität, denn junge Arbeitnehmer fordern viel Aufmerksamkeit für ihre individuellen Bedürfnisse ein. Sie möchten ihre Tätigkeit nicht als Zwang erleben, sondern sich persönlich entfalten können.

In der betrieblichen Praxis sollten Führungskräfte offen auf den Nachwuchs zugehen und sich bemühen, deren Überzeugungen und Beweggründe zu verstehen. Selbstverständlich gilt dies ebenso für alle anderen Angestellten, damit Angehörige der Generation Z auch wirklich ankommen im Unternehmen.

Wichtig ist, den jungen Kollegen auf Augenhöhe zu begegnen, denn sie reagieren sensibel auf Bevormundungen und Einschränkungen. Sie möchten Gehör für ihre Anliegen finden und ihre eigene Arbeitsweise akzeptiert wissen.

Zu vermeiden ist harte Kritik - was Vorgesetzte und Kollegen umgekehrt jedoch nicht vor knallharter Konfrontation mit diesen jungen Mitarbeiter schützt. Statt direkter Kritik muss die nächste Aufgabe einfach noch präziser, in kleinen Schritten erklärt werden.

Unternehmen können viel vom Nachwuchs lernen

Honoriert wird die Förderung der persönlichen Entfaltung, Flexibilität und Eigenständigkeit. Wer es dann noch schafft, Sinn in spannenden Projekten zu stiften, wird bei der Generation Z Willen und Hingabe an die Sache ernten.

Außerdem können Unternehmen eine Menge vom Nachwuchs lernen, beispielsweise beim Thema Work-Life-Balance: Geregelte Arbeitszeiten, die strikte Abgrenzung der Privatsphäre und bodenständiger Realismus bei der Karriereplanung tragen quer über die gesamte Belegschaft hinweg zur Burnout-Prophylaxe bei.

Bei allem Verständnis für die Bedürfnisse und Wünsche der Generation Z gilt es natürlich, notwendige betriebliche Spielregeln zu wahren und gegebenenfalls Grenzen aufzuzeigen. Schließlich erfordert Wettbewerbsfähigkeit auch in der schönen neuen Arbeitswelt eine gewisse Portion an Disziplin und Durchhaltevermögen, was auf der „Lernliste" der Generation Z steht.

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