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3 außergewöhnliche Arten in Südfrankreich zu übernachten

22/02/2016 11:11 CET | Aktualisiert 22/02/2017 11:12 CET

In Kürze machen sich im südfranzösischen Languedoc-Roussillon die Winzer an den Rebschnitt, bereiten die Weinstöcke für die Reifesaison 2016 vor. Zwischen den grünen Reben dann lässt es sich zünftig, herrschaftlich oder elegant übernachten - in einem Baumhaus, einem Weinschloss oder gar in einem ehemaligen Weintank.

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Holzknacken und Blätterrauschen im Baumhaus


Knappe 20 Kilometer nördlich von Montpellier findet sich bei Castries das kleine Weingut „Domaine Saint-Jean de l'Arbousier" - eine verborgene Idylle inmitten eines Wald- und Weinanbaugebietes.

Hier kommt man nicht aus Versehen vorbei, hier möchte man gezielt hin. Vor allem, um in einem der Baumhäuser auf dem Anwesen zu übernachten. Wilde Romantik in vier bis sieben Metern Höhe, die außergewöhnliche Herbergen sind bereits preisgekrönt von einer Reihe touristischer Organisationen.

baumhaus

Das U-förmige Haupthaus stammt aus dem Jahr 1235, es ist das Zentrum der Familie Viguier, begeisterte Bio-Winzer und Gastgeber. Pferde, Ziegen, Hühner,... Nichts fehlt, um sich so richtig ländlich zu fühlen.

In die Baumdomizile gelangt man über Leitern oder Wendeltreppen.

Sie sind geschickt ins verzweigte, dicke Geäst der Zedern oder Kiefern gebaut. Ohne Nägel, nur gesteckt aus umweltfreundlichem Holz.

Die Fensterformen sind der Blattform des jeweiligen Baumes nachempfunden, Doppelbetten, Mobiliar, ein dezentes Naturklosett und sogar Heizmöglichkeit - eine Hängebrücke führt zur großzügigen Terrasse.

frankreich

„Grand duc/ Großherzog", heißen sie oder „Tourterelle/Turteltaube mit Platz für zwei bis fünf Personen. Die erste Nacht ist - naturgemäß - etwas unruhig. Der leichte Wind bewegt die Zweige, eine leichte „Hausbewegung" ist zu spüren.

Jede Menge unbekannter Geräusche, raschelndes Laub, knarrendes Geäst, knackende Holzbalken, Rufe von nachtaktiven Tieren und der ungewohnte, betörende Duft reiner Natur. Über allem ein dichter Sternenhimmel, bei dessen Anblick kommt sowieso niemand zur Ruhe.

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In der Morgendämmerung kräht ein Hahn, Vögel zwitschern nah am Ohr. Zur verabredeten Zeit ziehen wir an einem Seil einen Korb nach oben. Darin: ein typisch französisches Frühstück.

Später machen wir es ebenso mit dem Abendessen - im Korb sind unter anderem ein Bio-Wein des Hauses und Käse vom Hof.

Fern von Raum und Zeit - Im paradiesischen Tal


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Auf dem Weg nach Süden erreicht man nach einer halben Autostunde südlich von Narbonne das Weinschloss „Château und Domaine Haut Gléon" in der Region Corbières, dessen Name besonders Weinkennern etwas sagt.

Ein Herrenhaus, gebaut auf den Ruinen einer mittelalterlichen Burg von 1223, ein Ort wie eine Drehbuch-Location. „Valais du Paradis", paradiesisches Tal heißt diese Weinregion zu Recht. Dort scheint man fernab jeglicher weltlichen Angelegenheiten, fernab von Raum und Zeit.

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Von den drei gänzlich unterschiedlichen Schlosszimmern hat es mir „La pièce maîtresse du château" besonders angetan, das Herzstück des Schlosses. Mit 45 Quadratmetern und fast ebensolchem Bad, sehr schlicht aber ungemein großzügig.

Der Blick in den friedvollen, blühenden französischen Garten ist geradezu königlich - dort wachsen Orangen, Kumquats, Zitronen und verbreiten ihren Duft, flirrendes Licht durch das Blattwerk der alten Bäume, nachts scheint der Mond in ‚mein Gemach'.

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Bei Direktorin Karine Meyer, einer frankophilen Münchnerin, ist gepflegte aber unkomplizierte Atmosphäre angesagt, kein Zwang zum Chic. Auf besonderen Wunsch bekocht sie ihre Gäste aus den Zimmern und den drei Ferienwohnungen gern auch mal selbst. Getafelt wird dann an dem langen Tisch vor dem brennendem Kamin.

Die Zutaten für die Menügänge kommen aus der unmittelbaren Umgebung, die Weinfolge selbstverständlich aus dem Reich von Kellermeister Jerôme. Schnell verstehe ich, warum beispielsweise der hauseigene weiße "Vaillée du Paradis 2013" in der Region so beliebt ist. Es fällt mir nicht schwer, mich dieser Leidenschaft anzuschließen.

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Das Château Haut Gléon ist ebenfalls ein prima Ausgangspunkt für Radtouren, allein schon deshalb, um das 260 Hektar große Anwesen zu erkunden. Die 1000-jährige Eiche sah so einige Völker kommen und gehen, die kleine Kapelle aus dem sechsten Jahrhundert kundet von „Notre Dame de Gléon", der Jungfrau von Gléon - ihr ist einer der Rotweine des Weingutes gewidmet.

Tiefschlaf im Weintank


Kurz vor dem Bergdorf Bélesta am Fuße der Pyrenäen gerate ich ins Grübeln: Ich werde im „Design- und Weinhotel Domaine Riberach Lodge & Spa" in einem Weintank übernachten, so der Plan.

Ein wenig muss ich an den griechischen Philosophen und Satiriker Diogenes denken, der in einer Tonne gelebt haben soll. Oder an die vielen Weinkriminalromane, in denen der Aufenthalt in Weintanks gar nicht gut ausging. Auch schweben mir strenge, saure Gerüche vor ... und Dunkelheit.

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Ein faszinierender Anblick - das Design- und Weinhotel Domaine Riberach Lodge & Spa, einst eine Genossenschaftskellerei, dahinter die mittelalterliche Burg.

Schon während der Anfahrt auf die Höhe von 369 Metern aus ist es zu sehen: Das langgestreckte, fabrikähnliche Felssteingebäude, ein schmaler Bau, 60 Meter lang, nur 14 Meter breit.

Einst war es eine Genossenschaftskellerei, seit einer Weinkrise stand es verlassen. Ein Glücksfall für das Architekten- und Designerehepaar Luc Richard und Karin Pühringer. Beide sind weltweit erfahren auf dem Gebiet der Restauration.

Schnell fällt 2010 der Entschluss, auch das dazugehörige Brachland zu erwerben und damit das 90 Jahre alte Gebäude wieder seiner ursprünglichen Funktion zuzuführen. Für Luc ist dieser Weinkeller in seinem Heimatdorf auch ein Stück Familiengeschichte.

Darüber hinaus gelang der Plan, es zu einem Hotel mit gehobener Küche zu machen, mit dem Restaurant „La Coopérative" und Chef Laurent Lemal, mit einem Michelinstern.

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Wie eine südfranzösische Blumenwiese: ein Muschelgericht von Chef Laurent Lamar.

Mein Zimmer: ein Weintank, zwölf Quadratmeter klein. Überraschung: Nicht aus Holz und nicht aus Edelstahl sondern aus Stein. Viereckige „Cuves" waren es, mit einem Fassungsvermögen von 50 Hektoliter.

Befüllt wurden sie von oben, ebenerdig mit der Straße. „Es brauchte länger als wir dachten, den intensiven Weingeruch aus dem Mauerwerk zu kratzen und zu ätzen", erinnert Architektin und Designerin Karin Pühringer.

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Eines der Doppelzimmer, die einst ein Weintank, ein „Cuve" waren.

Durch den Einbau von Fenstern und der Gestaltung mit lichten, mediterranen Materialien und Farben kam Licht in die Sache. Völlig unbegründet also meine anfänglichen Bedenken.

Sogar ein intimes Spa hat Platz in auf der Größe von fünf Cuves mit insgesamt 60 Quadratmetern.

Zu meiner besonderen Freude ist keine Klimaanlage nötig. Die dicken Mauern speichern eine hochsommerliche Durchschnittstemperatur. Man nutzt für das ganze Gebäude dessen thermische Gegebenheiten, unterstützt von Sonnenkollektoren.

Kluge, raumsparende Lösungen für die kleinen Bäder, stilistisch unauffällig vorgesetzt die kleinen Balkone. Von meinem aus sehe ich in der Ferne hinter den roten Dachziegel von Perpignan das Mittelmeer glitzern.

Unten am Berghang blüht Karins oasengleicher Garten, bepflanzt mit Olivenbäumen, Zypressen, Eukalyptus, es duftet nach Oleander, Rosmarin und Tamarisken. Um den Badeteich mit den Seerosen blühen Magnolien neben Mimosen, Palmen neben Schilf. Von der anderen Hausseite aus sehe ich den Schnee auf den Pyrenäen.

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Die modernen Weine mit alten Reben baut die von Luc gegründete Cooperative auf einem unebenen, fast wilden Areal im Hinterland aus, das eine reiche Historie hat und deren Carignan-, Grenache- oder Syrahtrauben berühmt sind.

Auf den Flaschenetiketten stehen beziehungsreiche Titel wie „Synthese, Parenthese oder Thesis", die innovative Kelterei mit Weinbar zieht auch die Aufmerksamkeit junger, experimentierfreudiger Weinliebhaber auf sich.

Luc hat bei seinen Weinkreationen eine Vorliebe für Aromen wie Holunder, Brombeere oder Orangenblüten - es ist das Aroma in der dortigen Luft schlechthin - einer für den Genuss geschaffenen Landschaft mit meist strahlend blauem Himmel, „wie es ihn nirgends in Frankreich gibt". So jedenfalls beschrieben von Maler Henri Matisse, der in der Nachbarschaft lebte.

Die Reise wurde ermöglicht durch Destination Sud de France, www.destinationsuddefrance.com, die Region Languedoc-Roussillion sowie Sud de France Dévelopment und Air France.

Weitere Informationen unter:

www.destinationsuddefrance.com

www.domainearbousier.fr

www.hautgleon.com

www.riberach.com

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