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Fischgenuss ohne schlechtes Gewissen?

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Zitat: »So lange die Geschichte der Fische auf unseren Tellern nicht gut, sauber und fair ist, wird der Fisch kaum schmecken.«

Seit Jahrzehnten steigt die Nachfrage an Fisch weltweit. Auch in Deutschland hat sich der Fischkonsum gegenüber den 60er-Jahren ungefähr verdoppelt. Kein Wunder: Fisch ist kalorienarm, proteinreich und gesund; Fisch ist eine Alternative zum skandalanfälligen Fleisch und sein Verzehr wird von Ernährungswissenschaftlern empfohlen. Exotische Köstlichkeiten wie Sushi und Sashimi stehen hoch im Kurs. Fisch zu essen ist Teil unseres modernen Lebensstils. Doch die Meere sind leerer geworden, viel leerer und die Massenentnahme von Fisch aus den Weltmeeren (ca. 90 Millionen Tonnen jährlich) hat verheerende ökologische Folgen: Viele Fischbestände sind am Rand des Kollapses und die Lebensräume im Meer sind großflächig zerstört.

Woher also die Fische nehmen? Bieten Fische aus Aquakulturbetrieben dem gesundheitsbewussten Fischesser, der sich um die Verknappung Gedanken macht, eine Alternative ohne schlechtes Gewissen? Auf den ersten Blick mag das so scheinen. Jeder zweite Fisch auf unserem Teller stammt mittlerweile aus solchen Zuchtanlagen. Die kontrollierte Aufzucht und Mast von Fischen, Meeresfrüchten und Algen für den menschlichen Verzehr ist die weltweit am rasantesten wachsende Branche der Lebensmittelindustrie. Für viele Verbraucher wie auch politische Entscheidungsträger hat sich Aquakultur vor dem Hintergrund der Überfischung offenbar als nachhaltige Alternative zum Wildfang und Antwort auf das weltweite Problem der leergefischten Meere etabliert. EU, Bund und Länder fördern den Ausbau von Aquakultur mit umfangreichen Programmen, um die Wettbewerbsfähigkeit und Produktion zu verbessern.

Konventionelle Aquakultur kann Fisch in großer Menge produzieren, mehr als 60 Millionen Tonnen sind es bereits jährlich. Das aber ist Massentierhaltung im Wasser mit den entsprechenden Folgen. Industrielle Aquakulturanlagen haben mit Fischereiromantik so wenig zu tun wie industrielle Tiermast mit idyllischer Landwirtschaft. Das zeigt sich deutlich an den Problemstellen, dem Futter der Tiere etwa: Es besteht bei karnivoren Zuchtarten aus Fischen, die den Weltmeeren entnommen werden müssen, damit die Artgenossen in Aquakultur ernährt werden können - derzeit macht das ein Viertel des weltweiten Wildfangs aus. Bei pflanzenfressenden Arten handelt es sich um einen großen Anteil Soja, für dessen Anbau Regenwälder abgeholzt werden. Nebenwirkungen der intensiven Fischmast sind darüber hinaus hoher Medikamenteneinsatz, Überdüngung des Meeresbodens und bei Zuchtanlagen im Meer die hohe Übertragungsgefahr von Krankheitserregern auf wild lebende Arten.

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