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"Wir brauchen Einigkeit über die gemeinsamen Wege und Ziele"

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Thomas Lohnes via Getty Images
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Zum unverrückbaren Repertoire des Fernsehens am Jahresende gehören, neben Freddie Frintons grandiosem Fernsehklassiker „Dinner for One", die sehr zahlreichen Jahresrückblicke. In einer Zeitspanne von 90 bis 150 Minuten werden die „Highlights der Nation" für das zurückliegende Jahr hervorgeholt. Die am Ende der Show verbleibenden acht bis zehn Minuten Sendezeit nutzt man für einen kleinen Ausblick. „Und Ende des nächsten Jahres sehen wir uns wieder!"

Die Huffington Post Deutschland geht hier einen anderen Weg, den ich gerne unterstütze: Den Blick nach vorn. Ich wurde um einen Beitrag gebeten, der den Fokus auf die Menschen in meinem Wahlkreis legt. „Wir wollen hier nicht nur nach Berlin schauen. Uns interessieren all die kleinen und großen Geschichten, die zeigen, wie es Deutschland wirklich geht", hieß es dazu in der Mail.

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Gemeinsam mit meinen Mitarbeitern habe ich überlegt: Was beschäftigt die Menschen in Rheinland-Pfalz und in meinem Wahlkreis Mainz ganz besonders? Haben sie andere Sorgen, Nöte, Ängste, Hoffnungen oder Herausforderungen als Mitbürger in anderen Teilen der Republik?

Rheinland-Pfalz steht im nächsten Jahr vor einer Richtungswahl.

Zweifelsohne: Rheinland-Pfalz steht im nächsten Jahr vor einer Richtungswahl. Die Menschen können sich entscheiden zwischen fünf weiteren Jahren rot-grünen Stillstands oder einer neuen und frischen Kraft für das Land. Ich unterstütze Julia Klöckner dabei, die Probleme anzugehen, die Menschen und Unternehmen in unserer Heimatregion beschäftigen. Und dabei handelt es sich in vielen Fällen um die gleichen Herausforderungen, vor denen unser gesamtes Land steht.

Stichwort Infrastruktur. Zu trauriger Berühmtheit brachte es 2015 die Schiersteiner Brücke in Mainz; eine der Hauptverkehrsadern zwischen der rheinland-pfälzischen und der hessischen Landeshauptstadt. Sie musste wochenlang für den Verkehr gesperrt werden, weil sie einzustürzen drohte.

Die Folge waren verstopfte Straßen in den Städten, Rückstaus bis weit in den Landkreis Mainz-Bingen hinein. Menschen kamen nicht mehr zu ihrer Arbeitsstelle, Unternehmen konnten Waren nicht rechtzeitig ausliefern. Die Industrie- und Handelskammer für Rheinland-Pfalz schätzte den Schaden für Bürger und Wirtschaft auf 1,4 Millionen Euro - pro Tag.

Natürlich ist beim Thema Straße auch der Bund in der Pflicht. Wir setzen seit Jahren auf den Grundsatz „Erhaltungsinvestitionen vor Neubauprojekten". Aber auch die Landesregierung muss zumindest ihren gesetzlichen Beitrag leisten. Bei diesem Projekt hat sie augenscheinlich kolossal versagt. Die Planung und Realisierung des Brückenneubaus erfolgte viel zu spät. Schwerpunkte im Landeshaushalt sind falsch gesetzt. Die Folge sind mangelnde Investitionen in die Infrastruktur. Und das Ergebnis konnten wir alle am Rheinufer stehend bestaunen.

Verkehrslärm ist eines der Hauptärgernisse

Stichwort Lärmschutz. Natürlich hat das Bedürfnis von Bürgern und Wirtschaft nach mehr Mobilität auch seine Schattenseiten. Verkehrslärm ist eines der Hauptärgernisse für Anwohner von Straßen, Schienenwegen oder aber - wie in meinem Wahlkreis - in der Nähe von Flughäfen. Es steht außer Zweifel, dass der Flughafen Frankfurt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für ganz Rheinhessen ist. Er sichert und schafft Arbeitsplätze.

Die Kehrseite der Medaille sind der Flächenverbrauch und der Fluglärm, der die Menschen in meinem Wahlkreis stark belastet. Gleiches gilt für die Verlärmung des Mittelrheintals durch laute Güterzüge. Es ist nicht so ohne weiteres möglich, die Schönheit der Landschaft ausgeruht zu genießen, wenn man nachts alle paar Minuten vom Dröhnen des vorbeischleichenden Güterzuges aus dem Schlaf gerissen wird.

Dass diese permanente Belastung auch körperliche Auswirkungen hat, zeigte die jüngst veröffentlichte NORAH-Studie zu den gesundheitlichen Folgen von Verkehrslärm. Ihn zurückzudrängen und im Idealfall zu vermeiden ist keine einmalige Aufgabe. Es ist ein Dauerthema, dem sich Bürger und Politik in meinem Wahlkreis immer wieder aufs Neue stellen. The same procedure.

Integration ist keine Einbahnstraße

Stichwort Integration. Kein Thema bewegt die Menschen derzeit so sehr. Wie gehen wir mit den Flüchtlingen um, die in unser Land kommen? Julia Klöckner hat sich hier klar positioniert und gibt den Menschen eine eindeutige Antwort: Integration ist keine Einbahnstraße.

Genauso wie wir als Staat alles tun müssen, um Männern, Frauen und Kindern das Ankommen bei uns zu erleichtern - seien es Sprachkurse, Betreuungsangebote etc. - genauso haben wir als Gesellschaft einen Anspruch darauf, dass ein Integrationswille auch auf der anderen Seite vorhanden ist.

Mehr als eine Million Menschen kamen 2015 als Flüchtlinge in unser Land. Davon mehr als 1700 alleine in die Stadt Mainz. Das ist auch für unsere Gesellschaft eine enorme Herausforderung. Und diese können wir nur bewältigen, wenn wir Einigkeit über die gemeinsamen Wege und Ziele erreicht haben.

2016 wird für mich - wieder - ein europäisches Jahr. Als Mitglied im EU-Ausschuss weiß ich, dass sich viele Herausforderungen nicht nur im Land, sondern auch über Ländergrenzen hinweg sehr ähneln. Gemeinsam werden uns die Lösungen leichter fallen. In Europa, in Deutschland und in Rheinland

Dieser Text ist Teil der Reihe "Wie geht es uns?" Ein Jahr lang hat die Politik in Berlin, die Krise in Syrien und der Konflikt mit Moskau die Schlagzeilen beherrscht. Wie aber geht es Ende dieses irren Jahres den Menschen in Deutschland? Wie blicken die Menschen in unserem Land in die Zukunft? Das will die Huffington Post herausfinden - und hat alle Redakteure als Reporter durch das Land geschickt. Sie führen Interviews, besuchen Menschen denen sonst niemand zuhört - und berichten über Menschen, die dabei helfen, die größten Probleme zu lösen.

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