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Offener Brief an die Eltern, die befürchten, mein Sohn könnte in die gleiche Klasse kommen wie ihre Kinder

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JUNGE INKLUSION
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An all die Eltern, die befürchten, mein Sohn könnte in dieselbe Klasse gehen wie ihre Kinder:

Über gemeinsame Freunde habe ich gehört, dass ihr bei ihnen nachgefragt habt, ob unsere Kinder in dieselbe Klasse gehen. Ich frage mich, warum mein Telefon nicht schon längst verrückt spielt bei all den „in welcher Klasse geht er?"-Nachrichten. Normalerweise gibt es so eine Aufregung nur, wenn es Zeugnisse gibt oder neue Klassenlehrer bekanntgegeben werden.

Ich habe wirklich nichts dagegen, dass mein Telefon stumm bleibt. Aber ich habe etwas dagegen, dass ihr andere Menschen über meinen Sohn ausfragt, anstatt euch direkt an mich zu wenden.

Ich bezweifle das zwar sehr stark, aber vielleicht habt ihr auch herum gefragt, weil ihr möchtet, dass unsere Kinder nächstes Jahr besser befreundet sind. Das wäre toll, denn meinem Sohn fällt es schwer, Freunde zu finden und er mag euer Kind wirklich sehr. Oder vielleicht habt ihr gehört, dass ich immer für einen Spaß zu haben bin, so dass ihr gerne Zeit zusammen verbringen würdet, wenn unsere Kinder sich zum Spielen treffen.

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Ich bezweifle jedoch gar nicht, dass ihr schon von der Unterstützung und der extra Hilfe gehört habt, die mein Sohn erhält. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihr wisst, dass er manchmal laut wird und die Klasse verlässt, wenn er sich zu sehr in etwas hineinsteigert. Ich bin mir sicher, dass die anderen Kinder ihren Eltern von dem Verhaltensplan erzählt haben und dass diese Information bereits die Runde gemacht hat.

Ich weiß, dass viele Eltern Angst vor Inklusion haben

Vielleicht fragt ihr auch nach dem Lehrer, weil ihr wirklich Angst habt, mein Sohn könnte in die Klasse eures Kindes gehen. Ich weiß, dass viele Eltern wegen der Inklusion in der Schule und den möglichen Auswirkungen Bedenken haben. Vielleicht befürchten sie, ihr Kind könnte einen Nachteil haben, weil die Lehrkraft sich zu stark um Kinder wie meins kümmern muss. Diese Eltern befürchten auch, dass der Klassendurchschnitt sinken und ihr Kind sich bestimmte Angewohnheiten abschauen könnte.

Ich verstehe diese Bedenken. Wir haben Angst vor den Dingen, die wir nicht kennen oder nicht verstehen. Aber ihr werdet es nie verstehen, wenn ihr nicht bei den richtigen Personen nachfragt. Und diese Person bin ich.

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Also fragt mich. Textet mir, schickt mir Nachrichten, ruft an - was auch immer. Was auch immer eure bevorzugte Kommunikationsmethode ist, sie wird funktionieren. Aber kommt zu mir und fragt mich, in welche Klasse mein Sohn geht.

Wenn ihr nachfragt, weil ihr wissen möchtet, ob mein Sohn in dieselbe Klasse geht wie euer Kind und ihr das nicht möchtet, dann werde ich mich nicht verstellen - das tut weh. Es tut weh, weil er ein kleiner Junge ist und er sich nach Kräften bemüht. Es tut weh, weil er der Welt so viel geben kann. Und es tut weh, weil er auch mit eurem Kind eine Freundschaft aufbauen kann.

Unsere Kinder könnten Freunde werden

Doch ich ärgere mich, weil ich mir darüber Gedanken mache, ob euer Kind vielleicht hört, wie ihr andere Menschen über meinen Sohn ausfragt. Glaubt mir, ich bin nicht perfekt. Auch ich habe vor meinem Kind schon Dinge gesagt, die ich nicht hätte sagen sollen. Deshalb mache ich mir Sorgen. Ich weiß, wie schwer man etwas rückgängig machen kann, wenn man erst einmal etwas gesagt hat und man besser geschwiegen hätte.

Was, wenn unsere Kinder die gleichen Interessen haben und beste Freunde sein sollten? Was, wenn wir beide viel gemeinsam hätten und eng befreundet sein könnten? Was, wenn auch euer Kind Schwierigkeiten hätte und ich wüsste, wie man ihm mit der Unterstützung helfen könnte, die es braucht?

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Ja, heute habe ich erfahren, wer der Klassenlehrer meines Sohnes sein wird. Ich weiß nicht, ob mein Sohn in derselben Klasse ist wie euer Kind, weil ich nicht weiß, wer der Lehrer eures Kindes ist. Ich weiß, welchen Klassenlehrer die Tochter meiner Freundin haben wird, weil sie es mir gesagt hat, als sie mir erzählte, dass ihr sie über meinen Sohn ausgefragt habt.

Ich hoffe, wir lernen uns bald einmal persönlich kennen, weil ich euch gerne mehr über meinen Sohn erzählen würde. Ich hoffe, unsere Kinder sind in derselben Klasse, weil euer Kind dann sehen würde, was für ein toller Mensch mein Sohn ist. Und ich würde euch auch gerne besser kennenlernen.

Schickt mir einfach eine Nachricht.

Von Amanda

Dieser Artikel erschien zuerst in der HuffPost USA und wurde von Cornelia Lüttmann aus dem Englischen übersetzt.

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