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Dieses Gelaber über Integration muss endlich aufhören! Es nervt!

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YOUNG PEOPLE BERLIN
reuters
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„Du sprichst aber gut Deutsch, das ist ein gelungener Beitrag zur Integration" - Quatsch!

Warum muss die Gesellschaft immer das „Deutschsein" neu erfinden? Ist es wirklich so spektakulär, wenn Deutsche Großeltern oder Eltern haben, die vor Jahren hier eingewandert sind, um hier zu leben? Reden wir hier noch von der Würde des Menschen, die unantastbar ist und der Mensch als Individuum gesehen werden sollte?

Es ist doch total trivial, wenn man zu deutschen MitbürgerInnen sagt: „Du sprichst aber gut Deutsch."

Wenn man sich das TV-Programm mal reinzieht, muss doch Eines auffallen: Deutschsein sollte mehr sein, als nur diese Homestories, die auf RTL & Co. laufen. Die Schauspieler sprechen alle nicht mal gutes Deutsch und keiner beschwert sich darüber.

Die Einschaltquoten sprechen eine deutliche Sprache, wie viel „Integration" ist denn hier nötig, damit Menschen sich anpassen? Wie viel „gutes" Deutsch muss man denn können, um nicht in die Kategorie „integriert sein oder nicht" zu fallen? Wer fällt in diese Kategorie und wer bestimmt eigentlich darüber?

Langsam nervt es

Langsam nerven die vielen Lehrkräfte an den Schulen, die Noten aufgrund von Mehrsprachigkeit herunter stufen. Langsam nerven auch die vielen ErzieherInnen, die versuchen, die Eltern mit zu erziehen und ihnen am liebsten „Deutschsein in der Kita" beibringen wollen.

Wollen und Können sind zweierlei paar Schuhe. Und nicht jede Fachkraft ist gleich Psychologe, Arzt oder Therapeut. Mehrsprachigkeit ist kein Hindernis zum Erlernen einer Sprache, auch wissenschaftlich wurde mehrfach belegt, dass es kein Hindernis ist, wenn Kinder zweisprachig aufwachsen.

Was aber ein Hindernis dieser Gesellschaft ist, ist die Wortwahl. Der Eine spricht gut, der Andere ist gut integriert und die Anderen sind gerade hierher geflüchtet und sind „Integrierte Versuchsobjekte in Ausbildung"? Oder hat die Bildungspolitik noch kein passendes Etikett dafür gefunden?

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Wenn es plötzlich im Übermaß Projekte für Kinder aus geflüchteten Ländern regnet, dann stimmt hier etwas nicht.

Wenn ein Migrationshintergrund von deutschen BürgerInnen immer noch als Beeinträchtigung oder als Sonderstatus gesehen wird, dann stimmt hier eindeutig etwas nicht. Wenn Kinder kategorisiert werden und ein bestimmter Background vorausgesetzt wird, dann fragt man sich: Was ist hier schief gelaufen?

Wieso müssen Menschen, die hier leben, hier zur Schule gehen, die sich hier fest etabliert haben, einen bestimmten Kontext mitbringen? Wie sollen denn in Zukunft die Dialoge mit Kindern und Einrichtungen ablaufen?

Du bist zu Deutsch, dafür gibt es kein Projekt

Vielleicht wäre hier ein passendes Beispiel: „Du bist Flüchtling, du kommst hier rein. Du bist Migrant, du kommst hier rein. Du bist zu Deutsch, dafür gibt es kein Projekt."

So etwas passiert tagtäglich. Keine Ahnung was sich die Politik dabei denkt, wenn sie expliziert Gelder für eine „Gruppierung" zur Verfügung stellt und Menschen ohne bestimmte Gruppenzugehörigkeit nichts bekommen.

Man könnte das Gefühl haben, dass es mit Absicht geschieht. Vielleicht braucht man diese Gruppen ja noch. Vielleicht will man auch nicht, dass alle Menschen gleich behandelt und gefördert werden.

Hört doch erst mal mit dem Schubladendenken auf, bevor ihr wieder mit eurem Lieblingswort „Integration" ankommt.

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