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Doppelte Staatangehörigkeit und Loyalitätskonflikte? Auf welches Grundgesetz stützen Sie Ihre These, lieber Herr Spahn?

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MUSLIME SCHULE
ullstein bild via Getty Images
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„Freie Entfaltung der Persönlichkeit oder Freiheit der Person" heißt es doch im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland.

Dann würde es bedeuten, dass jeder Mensch in Deutschland selbst entscheiden darf, ob er zwei Pässe möchte oder nicht. Aber wenn hier von Loyalitätskonflikten gesprochen wird, drängt man die Menschen zwanghaft auf eine bestimmte Seite. Was hat ein Papierstück mit Loyalität zu tun? Lokalität beginnt im Herzen und nicht auf Papier!

In einer pluralistischen Gesellschaft sollte jeder Mensch auch das Recht haben, auch plural sein zu dürfen, plural denken zu dürfen, was ist daran verkehrt? Herr Spahn fokussiert sich ganz fest auf die Deutsch Türkische Community. Mittlerweile agieren immer mehr Quereinsteiger-Politiker als Migrationsexperten in Deutschland.  

Doch innerhalb der aktuellen Situation bringt Spahns "Türken - Politik" nichts. Türken - Politik, weil er in fast allen Fernsehauftritten gerne das Wort "Türken" benutzt. Vielleicht ändert sich ja was, sobald man nur den Deutschen Pass hat. Dann würde man den Rang des "Deutschtürken" oder Deutschen mit türkischen Wurzeln erreichen.

Beide Staatsangehörigkeiten behalten

Wenn in einer multiethnischen Gesellschaft, und das ist Deutschland nun mal und das sollte man gerade als Politikwissenschaftler wissen, Menschen immer weiter gespaltet werden, Menschen immer weiter auf den Wortlaut eines Papierstücks herabgestuft werden, wenn sie gezwungen werden, sich zu entscheiden und gleichzeitig auf eine Herkunft zu verzichten, und das suggeriert er ja mittlerweile direkt in seinen Aussagen, dann muss man sich doch nicht wundern, dass viele MitbürgerInnen sich in Deutschland nicht Willkommen fühlen.

Dieses ständige "sich für etwas entscheiden müssen" entspricht nicht dem Grundgesetz, lieber Herr Spahn. Denn eine Multiethnie setzt sich nun mal mit mehreren Kulturen und Ländern auseinander.

Da ist es absolut normal, dass man auch beide Staatsangehörigkeiten behalten möchte. Und sei es nur darum, dass hier lebende Menschen mit einer Migrationserfahrung, ihre zweite Kultur oder Heimat nicht ganz ablegen möchten. So setzt sich doch Vielfalt zusammen und nicht anders!

Wenn ich meinen SchülerInnen heute immer noch erklären muss, dass sie nicht „entweder oder" sind, sondern dass sie eine Einheit bilden mit beiden Kulturen, dann weiß ich eines ganz genau: Politiker, die den Heranwachsenden Menschen in Deutschland, also unserer Zukunft, immer noch Unruhe bereiten, indem sie weiter draufhauen und versuchen, zu spalten, sollten nicht alle Menschen über einen Kamm scheren und vor allem sollten sie den Menschen, die freie Entfaltung der Persönlichkeit nicht nehmen.

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Gerade solche radikalen Entscheidungsprozesse, die Herr Spahn u.a. von den Jugendlichen Erwachsenen erwartet, führen zu einseitigem Denken, dass am Ende mit Fanatismus gleichgestellt wird.

Heimat und Herkunft können, wie wir wissen, in Deutschland nicht nur einseitig sein. Denn Heimat bedeutet nun mal Herkunft. Heimat verbindet man mit Emotionen und Liebe. Kann man nicht beides lieben? Ist es der richtige Weg, auf Liebe mit zwanghaften  Entscheidungshilfen zu reagieren?

Integration scheint ein Hobby vieler Quereinsteiger-Politiker geworden zu sein. Deshalb wäre es ratsam, sich neben den Medien auch mal mit vernünftiger Literatur aus dem Bereich Migration und Interkultur zu beschäftigen. Auch die aktuellen Zahlen des Mikrozensus sollten fleißig studiert werden.

Und keine Angst lieber Herr Spahn, ich persönlich habe nur den Deutschen Pass und bin politisch neutral. Sie können also nun die Schublade wieder zu machen.

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