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Dänisches Supermodel klagt an: "Louis Vuitton hält mich für zu fett"

22/05/2017 12:47 CEST | Aktualisiert 22/05/2017 18:07 CEST
2pm Agency

Sie läuft mit Karlie Kloss und Anja Rubik über die Laufstege der Welt und dennoch ist die Arbeit in der Modeindustrie für das dänische Model Ulrikke Hoyer immer noch hart. Was sie bei einem Casting für die Luxus-Modemarke Louis Vuitton erlebt hat, zeigt, wie krank die Schönheitsideale in der Branche sind.

Wenn ich erzähle, dass ich Model bin, bekomme ich eigentlich immer recht positive Antworten - jeder denkt schließlich, Model zu sein wäre sehr glamourös.

Das stimmt - manchmal. Die Kehrseite der Medaille sieht ganz anders aus und ist alles andere als glamourös.

Seitdem ich sechs Jahre alt war spielte ich professionell Tennis - ich bin es also gewöhnt, dass andere hohe Erwartungen an mich haben. Außerdem habe ich schon damals gelernt, was gesunde Ernährung und hartes Training bedeutet.

Und deshalb weiß ich auch, dass die Erwartungen und Forderungen, die an High-End Fashion Models gestellt werden, manchmal komplett unerreichbar und schädlich für den menschlichen Körper sind.

Sie war schockiert, wie ungesund und traurig die meisten Mädchen aussahen

Wenn ich von einem meiner vielen Reisen nach Hause komme, habe ich meiner Familie schon oft gesagt, dass ich mich im Vergleich zu den anderen Mädchen dick fühle, dass sie viel schlanker sind als ich. Als meine Eltern glaubten sie mir natürlich nicht - sie sahen ja, dass ich sehr dünn war und waren manchmal sogar um meine Gesundheit besorgt.

Aber als meine Mutter mich einmal dann zu einigen Castings begleitet hat, sah sie es mit eigenen Augen. Sie war schockiert, als sie sah, wie ungesund und traurig die meisten jungen Mädchen aussahen.

Viele von ihnen haben keine Periode oder eine veränderte Hautfarbe aufgrund der Mangelernährung. Ganz zu schweigen von einer komplett verdrehten Einstellung zum Essen. Das ist die traurige Wahrheit - und ich weiß das, weil ich es bei meinen Jobs und Modenschauen immer sehe und höre.

Gerade kehrte ich aus Tokyo zurück, wo Louis Vuitton eine schöne Modenschau in Kyoto veranstaltete. Nur dass ich es nicht einmal bis Kyoto geschafft habe. Ich wurde aus der Show gestrichen weil ich "zu dick" war. Ich trage Größe 34 bis 36.

Sie wollten mich unbedingt dabei haben

Einige Monate vor der Show hat Louis Vuitton Interesse an mir gezeigt. Der Tag der Show rückte näher und näher und ich wurde in meiner dänischen Agentur dafür ausgemessen. Meine Hüften waren 92 Zentimeter breit.

Weil ich die Größen der Kleidung und die Strenge der Caster kannte, entschieden wir, ihnen zu sagen, ich wäre ein wenig angeschlagen, könne nicht zur Anprobe nach Paris kommen und deshalb nicht in Japan die Show laufen.

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Alexia, eine Dame von der Casting-Agentur fragte meinen französischen Agenten, ob das wirklich wahr sei und was wir in der Angelegenheit machen können. Schließlich erzählten wir ihr die Wahrheit und Louis Vuitton bestand sofort darauf, mich am nächsten Tag nach Paris zu fliegen.

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Louis Vuitton Cruise Style

Ich ging zur Anprobe - probierte ein Kleid und einen Mantel - und bevor ich wieder in meine eigenen Klamotten schlüpfen konnte, bestätigten sie mir einen Platz in der Show.

Ich war so aufgeregt, nach Japan zu fliegen und so glücklich, dass Louis Vuitton mich in der Show haben wollte, obwohl ich nicht das dünnste Model bin.

Ich hatte in der Zwischenzeit sogar abgenommen

In der Zwischenzeit trainierte ich sehr viel, um meine Maße wieder in den Griff zu bekommen - und das wurde immer immer schwerer. Jedes Mal ist es, als würde sich mein Körper gegen mich und meine harte Arbeit stellen.

Am Tag vor dem Abflug nach Japan, korrigierte ich meine Maße bei meiner Agentur. Jetzt hatte ich 91,5 Zentimeter an meiner Hüfte. Wenigstens etwas weniger. Ich war erleichtert.

Nach einer 23-stündigen Reise, landete ich in Tokyo. Am nächsten Tag hatte ich meine zweite Anprobe. An diesem Tag hatte ich ein sehr kleines Frühstück und nur Wasser und Tee zu trinken. Ich stieg in mein Kleider, die ich schon in Paris anprobiert hatte, wechselte meine Schuhe und die Hose mehrmals, was ganz normal ist - schließlich wollen sie den besten Look.

Danach probierte ich ein pompöses, halb rückenfreies Kleid und dann war ich auch schon fertig. Später am Abend rief er mein französischer Agent an, um mir zu mitzuteilen, dass Alexia sich bei ihm gemeldet und erzählt hatte, es hätte Probleme während der Anprobe gegeben.

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Laut ihr hatte ich einen "sehr aufgeblähten Bauch" und ein "aufgequollenes Gesicht". Sie drängte mich dazu, mich auszuhungern: "Ulrikke muss die nächsten 24 Stunden nur Wasser trinken".

Ich war schockiert. Das war genau, was wir vermeiden wollten, als wir versucht haben, das Casting abzusagen.

Ich blieb zuhause in meinem Bett -

hungrig

Am selben Abend arrangierte Louis Vuitton ein schönes Abendessen mit Karaoke für alle Models. Ich blieb zuhause in meinem Bett - hungrig. Ich konnte nicht neben der Frau zu Abend essen, die mir wenige Stunden deutlich gemacht hatte, dass ich nichts essen durfte.

Um 2 Uhr nachts wachte ich auf und war extrem hungrig. Frühstück gab es um 6.30 Uhr - und ich hatte das absolute Minimum.

Ich hatte Angst, Alexia zu treffen. Zum Glück kam sie nicht vor 8 Uhr, als mein Teller abgeräumt wurde. Sie wünschte mir und den anderen Mädchen einen guten Morgen und sah dann von mir auf den leeren Tisch hinunter. Sie überprüfte, ob ich gegessen hatte.

Kurz bevor meine letzte Anprobe dann stattfinden sollte, wurde ich auf den Abend vertröstet. Dann sollte sie stattfinden. Soweit kam es aber nie.

Sie schickten mich nach Hause

Um 19 Uhr teilte mir meine dänische Agentur mit, dass sich Louis Vuitton dazu entschieden hatte, mich aus der Show zu streichen. Sie schickten mich nach Hause.

Vuitton zufolge waren nicht nur mein Bauch und mein Gesicht aufgequollen, sondern mein Rücken war auch ein Problem. Sie erzählten mir, das Kleid hätte nun anders gesessen als bei der ersten Anprobe in Paris. Ich wusste nicht, ob ich weinen oder lachen sollte.

Ich aß also mit den anderen Models zu Abend und zog mich dann in mein Zimmer zurück - ich wollte schließlich nicht mit den Menschen zusammentreffen, die mich auf so lächerliche und unfaire Weise gedemütigt hatten.

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Ich habe nur das gemacht, was man von mir verlangt hatte. Und doch saß ich drei Stunden später in einem Flugzeug nach Hause. Was eine wunderbare und einzigartige Erlebnis werden sollte, endete mit Erniedrigung.

Wenn sie mich nur deshalb aus der Show genommen haben, weil ihnen mein Aussehen nicht mehr gefallen hat, wozu dann die Beleidigungen, die sie mir und meinen Agenten hingeworfen hatten.

Wegen dieser Respektlosigkeit entschied ich mich, nie wieder unter derartigen Bedingungen zu arbeiten.

Ich kam in Kopenhagen an und meine Agentur wollte mich am nächsten Tag sofort sehen. Sie wollten prüfen, ob an den Vorwürfen irgendetwas dran war.

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Sie maßen 91,5 Zentimeter an meiner Hüfte und machten Fotos. Ich war also noch immer schlanker, als bei der ersten Anprobe in Paris. Sie riefen bei der französischen Agentur an, um Fotos von diesem Tag zu bekommen, Alexia wies sie jedoch zurück mit der Begründung, sie würde kein Bild eines Kleides schicken, das noch nicht einmal auf dem Laufsteg zu sehen war.

Man kann nur "zu dick", nie "zu dünn"

sein

Diese Geschichte handelt nicht davon, dass ich aus einer Show gestrichen worden bin. Das ist mir schon öfters passiert und ist Teil des Jobs - manchmal gewinnst du und manchmal verlierst du. Aber was ich nicht akzeptieren kann, ist, dass Menschen wie Alexia ihr Verhalten als völlig normal ansehen.

Sie finden gefallen an der Macht, die sie über die jungen Mädchen haben und gehen so weit, dir eine Essstörung aufzuzwingen. Ob das von den Castern oder von den großen Modehäusern kommt, das kann ich nicht sagen. Ich hatte es nur mit den Castern zu tun.

Manche sind auch sehr nett, behandeln jedes Mädchen respektvoll und kennen sogar all ihre Namen. Aber die Laufsteg-Klamotten werden für essgestörte Mädchen entworfen. Seht euch die Shows an - selbst die kleinsten Hosen sind den gebuchten Models zu weit.

Ich bin mir durchaus bewusst, dass ich ein Produkt bin. Ich kann mich davon differenzieren , aber ich habe viele Mädchen kennengelernt, die so dürr sind, dass ich mich frage, wie sie überhaupt laufen können. Es ist so offensichtlich, dass sie verzweifelt sind und Hilfe brauchen.

Es ist schon eigenartig, dass man 0,5 Zentimeter "zu dick", aber nicht sechs Zentimeter "zu dünn" sein kann. Ich bin froh, dass ich eine 20-jährige Frau bin, kein 15-jähriges Mädchen - neu in der Branche und unsicher. Nach meinem Erlebnis wäre ich wohl sonst für den Rest meines Lebens krank und ängstlich gewesen.

Der Beitrag erschien zuerst auf Ulrikke Hoyers Facebook Seite und wurde von Franziska Kiefl aus dem Englischen übersetzt.

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