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Wie mir meine Tochter beibrachte, mich wieder schön zu finden

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Kari Layland via Getty Images
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Ich selbst bin wohl der klassische Fall einer durchschnittlich unzufriedenen Frau mit ihrem Körper. Ich habe einen zu großen Hintern, zu kurze Beine, zu dünne Haare und seit der Geburt meiner Tochter habe auch noch Schwangerschaftsstreifen auf dem Bauch. So ging es meiner Mutter und meiner Oma auch. Dementsprechend wurde ich erzogen. Mit Unsicherheiten, subtilen Kommentaren zur körperlichen Entwicklung und Rollenmodellen, die dauerhaft von ihren körperlichen Defiziten sprachen.

Ich ging nicht gerne zum Sport und habe so ein unzureichendes Körpergefühl entwickelt. In meiner Jugend habe ich mich durch die seltsamsten Diäten gekämpft und später dann Fitnessstudiomitgliedschaften gewechselt, wie meine Unterhosen. Als ich Mutter wurde, hat die Diskussion um den „perfekten Körper" angefangen, mich wütend zu machen. Nicht nur Beiträge im Netz, sondern auch die Gespräche unter Müttern über all die Defizite, die unsere Körper nun mit sich bringen, wurden das neue Wetter.

Je mehr ich meiner 2-jährigen sorglosen und ehrlichen Tochter dabei zusah, wie sie sich verkleidet, im Spiegel anschaut, Grimassen zieht, sich lustig und schön dabei findet, habe ich mich gewundert, wann und warum sich das Bild wandelt. Ich habe mein Kind erstaunt beobachtet, wie unbeschwert und natürlich sie ihren Körper annimmt und mich gefragt, warum ich das nicht mehr kann. Dabei sind mir zwei bemerkenswerte Dinge klargeworden.

Mütter prägen das Körperbild ihrer Töchter

Kein anderer hat so einen starken Einfluss auf das Schönheitsempfinden und Körpergefühl von Mädchen, wie die eigene Mutter. Für sie sind wir doch meistens die schönsten und perfektesten Menschen auf der ganzen Welt, zu denen sie aufblicken, denen sie nacheifern. Wenn die eigene Mutter unsicher und unzufrieden mit sich war, ist es meist auch die Tochter. Wenn wir also möchten, dass sich unsere Töchter schön finden und selbstbewusst in ihrer Weiblichkeit durch das Leben schreiten, dann sollten wir darauf achten, was wir ihnen erzählen und wie wir dies vorleben. Wenn wir ihnen also zeigen, Komplimente anzunehmen, sich Zeit für die eigene Schönheit einzuräumen und sich nicht über Defizite zu definieren, dann werden sie diesem Vorbild folgen.

Meine Tochter zeigte mir, wie ich meinen Körper wieder liebte

Aber auch andersrum können wir uns hier etwas von unseren Kindern abgucken. Mir zeigte mein Kind, sich mal wieder zu „verkleiden", meine Leberflecken und Sommersprossen genau zu beobachten, meinen Bauch auch mal schön weich zu finden und auch einfach mal nackt ins Wasser zu flitzen - Zeit und Liebe für mich und meinen Körper wieder zu entdecken. Sie half mir, mich daran zu erinnern, dass mein Körper eine ganz wundervolle Geschichte erzählt. Dafür bin ich sehr dankbar.

Gerade deswegen finde ich es ganz wundervoll, dass der Wunsch nach einem neuen Blick auf unsere Körper nicht nur im kleinen Kämmerchen passiert, sondern durch Projekte, wie A Beautiful Body Project, The 4th Trimester Body Project, The Nu Project oder durch die gerade entstehende Dokumentation „Embrace your Body" auf die öffentliche Agenda kommt und vielen Frauen Mut macht, ihren eigenen Körper nicht zum Feindbild zu erklären und somit tolle Vorbilder für ihre Töchter zu werden.

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