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Meine Kinder sind voll digitalisiert - warum das auch gut so ist

07/04/2017 12:25 CEST | Aktualisiert 07/04/2017 12:25 CEST
Sally Anscombe via Getty Images

„Bist Du wahnsinnig? Kein Bildschirm unter 3", raunzt mich eine Kita-Mutter böse an. Oh jeh, meine Zwillinge sind eigentlich nur unter Protest vom Spielplatz in das italienische Restaurant gefolgt.

Ich musste ihnen hoch und heilig versprechen, dass sei beim Essen eine Folge „Peppa Wutz" auf meinem IPAD ansehen dürfen. Und nun das. Wir haben uns gerade hingesetzt und die Stimmung droht zu eskalieren. „Kein Peppa Wutz? Wieso Mammi", wütende Tränen kullern meinem Kleinsten aus den Augen. Sie verstehen es nicht.

„Nein, kein IPAD", bekräftigt noch einmal die Mutter von Julian in meine Richtung „dass Du das überhaupt Deinen Kindern antust. Das ist eine völlige Reizüberflutung, die lernen nichts".

Irgendwie reicht es mir jetzt. Ich verstehe es auch nicht. Dieser übertriebene Zeigefinger übereifriger Eltern, für die digitale Medien ein Schimpfwort bedeutet.

Eine Mutter sagte neulich zu mir: „Ich bleibe analog und meine Kinder sollen es bis zur 10. Klasse auch bleiben!". Ich kann nur sagen: Schade für Deine Kinder, meine lernen sogar richtig viel!

Klar weiß ich auch, dass die Jungs mit Zweieinhalb nicht den ganzen Tag vor dem Fernseher sitzen sollten. Doch zwanzig Minuten von kleinen Scheinchen zu lernen, wie das Zimmer aufzuräumen, das Auto zu waschen und die Zähne zu putzen sind? Was ist daran bitte Reizüberflutung?

Die neuen Medien bieten den meinen Kindern ideale Apps und Serien um altersgerecht ihre intellektuellen und motorischen Fähigkeiten auszubauen. Etwa „Fietes Farm", hier lernen meine Kleinen den gesamten Kreislauf eines Bauerhofes - vom Eierlegen bis zum Schafscheren- kennen.

Dank Fiete wissen sie nun auch, dass aus Schafen Wolle und aus Milch Käse gemacht wird. Wenn ich am Wochenende dann bei Freunden auf dem Bauernhof bin, sind die erstaunt, was meine Stadtkinder alles so wissen.

Abends gehen sie gern mit „Schlaf gut" ins Bettchen. Auf dem IPAD dürfen sie bei allen Tieren das Licht aus machen und am Schluss bei sich selbst. Und wen überrascht es? Im richtigen Zoo kennen sie nicht nur die Tiere von ihrer App, sie wissen auch, welche Geräusche sie machen und was sie gerne fressen.

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Unser absoluter Liebling ist allerdings JoNaLu - eine Serie in der Mediathek von ZDF-Tivi. Ein kleiner Käfer, eine Maus und viele andere Tiere, die unterschiedliche Sprachen sprechen und singen, bringen meinen Kindern bei, dass man sich gegenseitig hilft, wenn man in der Klemme sitzt.

Neulich stellte mir mein Sohn einen Stuhl an den Tisch und sagte, „Naja (Anmerkung: Naja ist eine Maus aus JoNaLu) hat Jo auch einen Stuhl gebracht, damit er sich ausruhen kann. Du sollst Dich auch mal ausruhen". Das ganze wird durch wunderbare Lieder unterstützt, die als Mitmachsongs die Serie ausmachen. Die kostenlosen Klaviernoten haben wir ausgedruckt und das kostenlose Malbuch auch. Und wen wunderts, sie tanzen und singen bei voller Textkenntnis mit.

Unsere neueste Errungenschaft ist Amazon Echo. Auf Zuruf können die Kinder bei Alexa Musikstücke im Wohnzimmer abspielen lassen. „Alexa spiele Kitafrösche" rufen meine Jungs. Und dann geht es los. Sie tanzen quer durch das Zimmer zu „Meine kleine Lock macht tuff, tuff, tuff". Mit Zweieinhalb - und glaubt mir, es ist schön!

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